Wohnen in WG mit chronischer Krankheit

Hallo zusammen,
Ich freue mich hier im Forum mein erstes Anliegen formulieren zu können.
Ich bin vor zwei Jahren an ME/CFS erkrankt und kann im Moment keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Jeder Versuch mich wieder in die Richtung zu bewegen, wieder mein eigenes Geld zu verdienen, hat einen weiteren, noch schwereren Schub ausgelöst. Letzten Mai habe ich daher schweren Herzens diesen Plan aufgegeben. Stattdessen konnte ich mich jetzt über die letzten neun Monate stabilisieren und ich gehe 2-3 Mal pro Woche für zwei Stunden in ein Nähatelier für Menschen mit einer chronischen Erkrankung/Behinderung, was mir viel Freude macht und eine riesige Unterstützung ist. Ich glaube, dass ich nur dadurch, dass ich trotz der grossen Einschränkungen durch die Krankheit noch ein bisschen unter die Leute komme und etwas Schönes machen kann, die Verluste in Folge der Erkrankung jetzt nach und nach bewältigen kann. Ich brauche auch nur ganz selten Unterstützung im Haushalt und kann mich um meine Versorgung selbst kümmern. Es geht mir also seelisch ganz gut. I cope - wie man auf Englisch sagen würde - ich habe den Kopf meistens über Wasser.
Meine Frage: Im Moment suchen wir in unserer WG eine neue Mitbewohnerin oder einen neuen Mitbewohner. Es ist eine ganz normale WG in der ich schon seit vielen Jahren wohne. Ich bin die einzige mit einer schweren Erkrankung. Meine Mitbewohnerin und mein Mitbewohner sind gesund und arbeiten beide Vollzeit.
Die ersten Bewerbungsgespräche sind grundsätzlich gut verlaufen. Es war einfach noch niemand dabei, der oder die zu uns gepasst hat. Ich habe es aber einmal erlebt, dass eine Bewerberin anfing, mich von oben herab zu behandeln, nachdem ich mich vorgestellt und von meiner Erkrankung und meiner momentanen Erwerbsunfähigkeit und von der schlechten Prognose berichtet hatte. Es ging mir nach dem Gespräch nicht gut und am nächsten Morgen ging es mir erst nach einem Telefonat mit der Dargebotenen Hand wieder besser, wo ich einem sehr verständnisvollen Berater erzählen konnte, wie schmerzlich dieses Gespräch vom Vorabend verlaufen war. Die anderen Bewerberinnen und Bewerber waren nicht verächtlich, aber sie zeigten auch grosse Mühe mit der Situation gut umzugehen. Insbesondere einer war dabei, der einfach nur überfordert war.
Ich bin mir jetzt am Überlegen, wie ich das Verfahren evtl. anpassen könnte. Denn es ist sehr anstrengend für mich, die Gespräche zu führen, und ich will selbstverständlich nicht mit jemandem zusammenwohnen, der oder die niemanden um sich haben kann, die eine chronische Erkrankung hat.
Online publizieren möchte ich nicht zu viel. Allerdings habe ich mir überlegt, ob ich meine Erkrankung per Email interessanten Bewerberinnen und Bewerber vorab bekannt machen könnte, so dass sie sich dann überlegen könnten, ob sie weiterhin grundsätzlich interessiert sind an unserer WG. Ich habe gesehen, dass manche Bewerber es so mit Homo- oder Transsexualität machen. Sie checken also schon mal vorab konkret ab, ob die Leute, bei denen sie sich bewerben möchten, voller Vorurteile und Ängste oder offen und cool sind.
Hat hier jemand bereits Erfahrung gesammelt?
Ich freue mich auf Feedback von Leuten, die selbst mit einer Behinderung/Krankheit leben und die gleichzeitig über ein gerüttelt Mass an WG-Erfahrung verfügen. Von Leuten, die nicht lange oder noch nie in einer WG gewohnt haben, wünsche ich mir nur dann Feedback, wenn es wirklich durchdacht ist. Danke!
Antworten
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@Lina Guten Morgen Lina,
sei willkommen in unserer Community. Schön, dass du deine Frage hier stellst. Sicher gibt es einige Mitglieder (nicht nur in ähnlichen Situationen) die sich gerne mit dir austauschen.
Hast du schon gesehen, dass wir auf unserer Internetseite mehrere informative Fachartikel zum Thema Myalgische Enzephalomyelitis und Chronisches Fatigue Syndrom haben?
Viele nette Bewerber für eure WG und einen interessanten Austausch in unserer Community wünscht
Annemarie
A collective EnableMe profile for former moderators' posts
Ein kollektives EnableMe-Profil für die Beiträge ehemaliger Moderatoren
Un profil collectif EnableMe pour les messages des anciens modérateurs
Колективний профіль EnableMe для дописів колишніх модераторів
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hallo und willkommen @Lina,
ich sah zufällig, dass du aus der schweiz kommst. das zu wissen, wäre wohl auch wichtig für evtl. bewerber*innen.
viel erfolg und ein schönes wochenende
lg anne
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hier ist die "fortsetzung"
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Hallo Lina, habe auch ME/ CFS und suche eben genauso eine WG.
In welcher Stadt bist Du?
Bin 54 mit Rollator, brauche bissel Unterstützung zur Genesung.
Ich grüße Dich aus Bremen und freue mich auf Nachricht von Dir.
Liebe Grüße Andrea
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Hallo Andrea
Danke für deine Nachricht. Ich wohne in Zürich. Falls das für dich in Frage käme, kannst du dich sehr gerne melden. Ab Oktober wird wieder ein Zimmer frei.
Herzlich
Lina
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Lina willkommen ! Ich finde Deine Erfahrungen zu Inklusion und WG spannend ! Gerne Gespraech darueber. Im Gespraech mit Verein Wohnsinn … fuer Bundesland Bayern zustaendig …
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Hallo Georg, danke für deine nette Nachricht.
Ich habe inzwischen entschieden, dass ich nicht länger in einer WG wohnen möchte. Es gab zu viel Konflikte seit ich krank bin, und ich merkte, dass dies wegen meiner schlechten Gesundheit sogar wiederholt meine Rehabilitation gestoppt oder sogar zurückgeworfen hat.
Jetzt freue ich mich sehr, dass mein Gesuch auf einen Wohnungstausch von der Vermieterin angenommen wurde. Wir werden dann die WG auflösen und ich werde eine eigene Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen. Meine Untermieter müssen dann mit mir ausziehen, wurden aber über dieses mögliche Szenario bei ihrer Bewerbung informiert.
Vielleicht werde ich mich zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf ein grösseres WG-Projekt mit vielen Leuten einlassen. Aber in nächster Zukunft möchte ich mich ganz auf meine Genesung und hoffentlich meine berufliche Integration fokussieren. Und in dieser Situation hat sich die WG leider fast nur als Klotz am Bein herausgestellt.
Lebst du selbst mit einer Behinderung oder arbeitest du einfach bei diesem Projekt? Was schwebt euch denn da vor oder was setzt ihr bereits um?
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Hallo Lina,
ich kann sehr gut verstehen, dass sich manche WG nicht bewaehrt. Zwei Jahre ging ich zur Tagesstaette Noerdlingen der Lebenshilfe Donau Ries … im engen Freundeskreis entstand eine Beziehung. Scheinbar ehrlich und treu, was sich aber als Trugschluss herausstellte im Nachhinein. Der Betrueger will sich "10 Tausender leihen" … angefangen mit Prepaid Telefonkarten ueber Reisen zum Gardasee bis hin zum Versuch des sogenannten "Darlehens". Selbstverstaendlich nur fuer kurz ??? haha haha …
#love bombing #ghosting #toxischer Narzissmus #Heiratsschwindel #love scam …
"WG stellt sich als Klotz am Bein heraus" … leider ist das manchmal so ! Wie denkst Du ueber die vielfaeltigen Betrugsversuche ? Besonders in unserem Umfeld mit Behinderungen …
Gruss Georg
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