Seit meiner Pubertät (mittlerweile bin ich 33 Jahre alt) plagen mich immer wieder Depressionen.
Zur Zeit geht es mir aber sehr gut, wofür ich sehr dankbar bin. Trotzdem habe ich immer eine Angst im Hinterkopf, dass es irgendwann wieder kippen könnte. Das ist sehr belastend für mich, und ich weiss nicht so recht, wie ich mit dieser Angst umgehen soll…
Gibt es hier Personen, die ähnliches erlebt haben, bzw. erleben, und wenn ja, wie geht ihr damit um?
Das kommt mir sehr bekannt vor. Bei mir sind sie nicht wiederkehrend, sondern chronisch und einfach immer mal stärker und weniger stark.
Das man darüber keine Kontrolle hat und ne gewisse Hilflosigkeit besteht kann sehr belastend sein.
Mir persönlich hilft es, einfach achtsamer zu leben. Dadurch verbessert sich meine Wahrnehmung und ich kann die Frühwarnzeichen vor einer Verschlechterung immer besser deuten.(zb. Funktionsmodus, Müdigkeit usw.). So kann ich oft genug früh gegen steuern. Die Angst vor ner Verschlechterung wird immer ein wenig vorhanden sein. Versuch es nicht als Angst zu betrachten, sondern als Schutz. Denn der Respekt vor nem Rückfall lässt dich besser mit dir selbst umgehn. Du bist vorsichtiger mir dir selbst-und das ist etwas positives. Versuche diese Angst in was Positives zu verwandeln, respektive diese anders zu betrachten.
Zudem ist es gut, wenn du an deiner Wahrnehmung arbeitest. Damit du den Alltag lernst noch besser wahrzunehmen. Damit du mehr im hier und jetzt lebst und vorallem dass du auch die Kleinigkeiten geniessen kannst. Kurz gesagt, versuche den Fokus aufs hier und jetzt zu richten-dies mithilfe von Achtsamkeit. So kannst du den Moment mehr geniessen und die Angst vor nem erneuten Schub hat so weniger Platz.
Das alles ist nicht ganz einfach, aber es kann zumindest ein wenig helfen.
Ich hoffe das hilft dir ein wenig weiter. Du darfst mir sonst auch gerne schreiben. Ich drück dir die Daumen!
Vielen Dank für deine Nachricht und die konstruktiven Tipps!
Wow, so viele tolle Denkanstösse, damit kann ich wirklich etwas anfangen!
Und ja, die Sache mit der Achtsamkeit… ist mir auch schon häufiger begegnet, bin auch schon in Kriseninterventionen und Tagesklinik gewesen, daher ist mir das nicht unbekannt. Im Alltag vergesse ich das oft, daher ist es gut, wieder darin erinnert zu werden:-)
Ich sehe das so, dass der Umgang mit Depressionen und Ängsten ein Lernprozess ist, und ich denke ich habe schon viel dazugelernt bezüglich Selbstreflexion und Selbstwahrnehmung, aber dennoch finde ich es immer wieder herausfordernd, einen guten Weg durch schwierige Zeiten zu finden.
Mittlerweile hbe ich auch nicht mehr den Anspruch, dass die Depression nie mehr zurückkommen soll, aber einen gesunden Umgang damit zu finden, dass ich meinen Alltag jederzeit einigermassen bewältigen kann, das wäre schon wünschenswert…
Herzlich Willkommen in unserer Community und danke für das Teilen deiner Geschichte. Du musst dich nicht entschuldigen für deine Textlänge, es ist sehr angenehm, dass du deine Gedanken hier teilst. Ich hoffe, du findest in unserer Community ein paar hilfreiche Tipps und ein paar Gleichgesinnte.
Ja, Achtsamkeit ist bei den meisten Patienten eher unbeliebt-jedoch nur, weil es oft nicht richtig erklärt/vermittelt wird. Es geht nicht darum, dass du diese Übungen machst und davon schlussendlich nichts profitierst oder im Nachhinein sogar noch Selbstzweifel aufkommen.
Versuch erstmal einfach nur kleine Momente im Alltag besser wahrzunehmen. Sei es wenn du an der Kasse stehst und einfach mal beobachtest was in dir so abgeht, oder sei es während der Autofahrt, wie du fühlst wie sich ein Lenkrad anfühlt usw.… Versuch so kleine Momente in den Alltag einzubauen. Das verbessert deine Introspektionsfähigkeit. Und du wirst nach und nach die Frühwarnzeichen einer erneuten Depression besser wahrnehmen können.
Aber es ist auch zwischendurch mal ok, wenn du nen Durchhänger hast!
Ich denke du bist schon sehr weit in der “Krankheitsakzeptanz” und Therapie. Du wirst weiter wachsen und kannst es schaffen. Bleib einfach geduldig mit dir selbst, dann kommt das gut!