Vorstellung meiner Leidens-Odyssee

Hallo zusammen,

ich bin 44 Jahre und komme aus NRW. Aktuell bin ich an einem Punkt, an dem ich einfach mal die Schwarmintelligenz und Erfahrungen von Leuten brauche, die Ähnliches durchgemacht haben. Gefühlt kämpfe ich gerade an zehn Fronten gleichzeitig und die Bürokratie frisst mich regelrecht auf.

Hier ist ein kurzer Überblick zu meiner Situation:

Meine gesundheitlichen Baustellen:

  • Orthopädisch: Ich habe massive Probleme mit dem Sprunggelenk (Sprunggelenksarthrose, chronische Bandinstabilität, Knorpelschäden, Osteochondrosis dissecans) und dem Rücken (Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose, Spondylarthrose und Osteochondrose). Mittlerweile liegt mir ein striktes, ärztliches Hebeverbot über 5kg vor.

  • Mental: Durch die jahrelange Belastung und den aktuellen Druck kämpfe ich zusätzlich mit Depressionen.

  • Status: Ich habe einen GdB von 50 und stehe aktuell im Prüfverfahren für einen möglichen Pflegegrad 1.

Meine berufliche Sackgasse: Ich komme ursprünglich aus der Logistik und habe 16 Jahre im Lager gearbeitet (zuletzt auch mit vielen administrativen Aufgaben und als Sicherheitsbeauftragter). Wegen des Hebeverbots und aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen darf ich absolut nicht mehr ins Lager zurück. Mein Arbeitgeber verweigert aber ein ordentliches BEM-Verfahren und bietet mir keinen leidensgerechten reinen Büroarbeitsplatz an.

  • Seit Februar beziehe ich durchgehend Krankengeld.

  • Mein Arbeitgeber hat bereits um Rückgabe des Diensthandy und sämtlicher Firmenschlüssel gebeten.

Mein aktueller Behörden-Marathon:

  • DRV & Teilhabe am Arbeitsleben (LTA): Mein großer Strohhalm ist die LTA über die Rentenversicherung. Ich möchte mich komplett in den administrativen Bereich oder die Arbeitssicherheit umorientieren. Das Problem: Da aufgrund meiner Historie „16 Jahre Lager“ im Lebenslauf mitschwingen, kassiere ich bei Bewerbungen auf reine Bürojobs nur Absagen. Wenn die LTA nicht bewilligt wird, bleibt gefühlt nur die Frührente.

  • Die DRV hat bisher meinen Antrag auf LTA strikt abgelehnt mit der Begründung dass zunächst eine Reha gemacht werden müsste. Die selbe Stelle lehnt aber genau diese Reha mit der Begründung einer möglichen Operation ab. Eine Operation ist aber aufgrund chronischer Psoriasis, behandelt mit Biologica, nicht möglich.

  • Bei der Begutachtung für einen möglichen Pflegegrad hat der Gutachter ernsthaft geschrieben dass ich ohne Hilfsmittel problemlos laufen könnte. Dabei trage ich durchgehend an beiden Beinen Fußheberorthesen und kann dennoch nicht schmerzfrei laufen. - Und ich wohne im Dachgeschoss eines Altbaus, was kurze Treppenstufen und innerhalb der Wohnung eine offene Wendeltreppe bedeutet. - Der Megahammer war aber dass die Dame der Pflegeberatung der Krankenkasse dann ernsthaft meinte “Solange Sie noch irgendwie die Treppe hoch kommen, und wenn es 2 Stunden dauert, ist doch alles okay” und “Ihre Einkäufe oder Waschwäsche können Sie in einen Rucksack packen und dann auf dem Rücken die Treppe rauf oder runter”

  • Der LWL hat mir ein persönliches Budget, mit dem ich eine Unterstützung bezahlen könnte, mit der Begründung dass die Berufsgenossenschaft zuständig wäre abgelehnt. Die BG hat den Fall aber bereits im Februar abgelehnt, da es in ihren Augen kein BG-Fall ist.

Meine Fragen an euch: Hat jemand von euch eine ähnliche Odyssee hinter sich – besonders was den erzwungenen Wechsel von körperlicher Arbeit ins Büro via LTA angeht? Wie seid ihr mit der DRV umgegangen, um eine Umschulung oder Weiterbildung erfolgreich durchzuboxen? Habt ihr Tipps, wie man diese ganzen Baustellen (Krankenkasse, DRV, Arbeitsamt, Inklusionsamt) überlebt, ohne rechtliche Fehler zu machen oder den Verstand zu verlieren?

Ich bin für jeden Ratschlag, jeden Tipp oder einfach nur ein „Du bist nicht allein“ extrem dankbar!

Viele Grüße

Hallo @ChristianH,

ich sehe mich hier nicht als passenden Ansprechpartner und kann daher keine weiterführenden Informationen geben, aber:

Genau das bist du nicht! Viele haben ebenfalls einen zermürbenden Weg hinter sich oder stecken mittendrin. Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man sich dabei Unterstützung holt – im Gegenteil.

Was ich dir jedoch als hilfreichen Ansatz mitgeben möchte – insbesondere im Zusammenhang mit dem Persönlichen Budget – ist der Hinweis auf proroba.de. Diese Organisation stellt dir einen persönlichen Berater zur Seite, der dich umfassend von der Antragstellung bis hin zur erfolgreichen Umsetzung und Durchsetzung des Persönlichen Budgets begleitet.
Ein zusätzlicher Vorteil: Die entstehenden Kosten werden im Erfolgsfall in das Persönliche Budget integriert, sodass für dich keine zusätzliche finanzielle Belastung entsteht.

Vielleicht stellt das einen ersten, gut gangbaren Schritt dar – und eröffnet dir damit eine kleine, aber wichtige Perspektive.

Für einen konstruktiven und bereichernden Austausch innerhalb unserer Community wünsche ich dir viel Erfolg und alles Gute.

Viele Grüße