Hallo zusammen,
ich soll bald in eine betreute Wohnform wechseln, weil meine Mutter es nicht mehr mit mir schafft und weil ich eben auch feststelle, dass es höchste Zeit ist, mit einer anderen Bezugsperson zusammenzuarbeiten. Ich bin mit dem Rheinischen Blindenfürsorgeverein Düren im Kontakt, weil die Einrichtung genau auf die Bedürfnisse blinder Menschen angepasst ist. Allerdings braucht man ein bestimmtes Behinderungsbild, also zusätzlich noch eine geistige oder psychische Beeinträchtigung, um Leistungen im Betreuten Wohnen zu bekommen.
Ich habe die Diagnose “Aicardi-Midas-Syndrom”, bei mir wurde eine leichte Intelligenzminderung diagnostiziert, die aber aufgrund meines Abiturs und meiner kognitiven Fähigkeiten nicht wirklich auffällig ist. Was mich eher beeinträchtigt, ist der Kleinwuchs, die leichte Sprachstörung durch die Gaumenspalte und momentan habe ich aggressive Phasen und ein bisschen autistische Züge, vielleicht aber auch eine leichte Depression wegen meiner aktuellen Übergangszeit (keine Beschäftigung am Tag und nur noch am Smartphone). Unterstützungsbedarf habe ich im organisatorischen Bereich, im Bereich Orientierung und Mobilität sowie auch im lebenspraktischen Bereich (Haushalt).
Ich habe die medizinischen Unterlagen neulich an die Einrichtung gesendet, aber heute meinte die Leiterin am Telefon: “Für uns reicht das nicht aus, weil hier kein ICD-10-Schlüssel vorliegt. Bei der Geburt wurde Ihnen diese neurologische Entwicklungsstörung diagnostiziert, aber für uns ist nicht erkennbar, ob es eine geistige oder psychische Beeinträchtigung ist. Ohne ICD-10-Schlüssel kann ich für Sie den Antrag beim Landschaftsverband nicht stellen und Sie müssten dann die Hilfeleistungen vom Blindengeld zahlen, was wir ja eigentlich nicht so gerne wollen.”
Jetzt wurde mir vorgeschlagen, einen Termin beim Neurologen oder Psychologen zu vereinbaren, aber bei uns in NRW dauert so was vielleicht ein halbes Jahr.
Wir wissen nicht mehr, was wir noch unternehmen könnten. Mit häuslicher Assistenz in einer eigenen Wohnung oder sonstigen ambulanten Hilfen hätte ich vielleicht zu wenig Hilfen für meinen Bedarf und es wäre besser für mich und meine Familie, dass ich rund um die Uhr jemanden an meiner Seite habe, der in Bereitschaft ist.
In den Berichten, die die Ärzte nach meiner Geburt so geschrieben haben, wird die Behinderung ja deutlich erklärt. Und auch im aktuellen Bericht meiner Hausärztin wurde mein Hilfebedarf im Alltag begründet. Was will diese Institution noch mehr?
Meine Frage: Wie ist das in anderen betreuten Wohnformen? Muss dieser ICD-10-Schlüssel wirklich vorhanden sein, oder reicht es, wenn man so ein ausführliches Gutachten mit allen drum und dran schreibt?
Über hilfreiche Antworten würde ich mich freuen.
Schöne Grüße
Maxima