Weg aus der Angst

20 Jahre lang hielten Ängste mich fest im Griff. Einsamkeit, Dunkelheit – die Klassiker. Wann und warum sie entstanden sind, darauf gehe ich hier nicht ein. Fakt ist: Mit jedem Jahr legten sie sich fester um meinen Hals, gruben ihre Krallen tiefer in meine Haut. Sie diktierten meine Gedanken, meine Körperspannung, mein Atemmuster, meinen Terminplan. Und sie schienen eine besondere Weggefährtin zu haben – die Migräne.

Jahrelang hatte ich beiden kaum etwas entgegenzusetzen. Vermeidung war meine Strategie. Viele, die Angststörungen haben, kennen das. Erst als mein damals vierjähriger Sohn eines Tages begann, sich ähnlich vermeidend zu verhalten, verstand ich, dass ich etwas tun musste. Eine junge, unerschrockene Psychotherapeutin unterstützte mich auf meinem Weg. Sie jagte mich abends durch verlassene Parks und zeigte mir, dass jede Angst eine Zahl hat, und zwar von 1 bis 10.

Dadurch wurde die Angst greifbar, berechenbarer. Jedesmal, wenn ich sie überwand, wurde ich damit belohnt, dass ihre Intensität abnahm. Immer häufiger gab es Situationen, in denen ich den Ton angab, nicht sie. Als ich zwei Jahre später einmal nach dem Eindunkeln durch den Wald radelte, schaute ich in den Sternenhimmel und sagte zu mir selbst: “Dieser Abend ist einfach nur wunderschön.” 

Wollt ihr eure persönliche ermutigende Geschichte mit der Community teilen? Dann ist diese Kategorie der richtige Ort dafür. Wir freuen uns schon sehr auf eure Beiträge!

Kommentare

  • Hallo Florence

    Ein gutes Thema, was genauso wenig Beachtung findet wie Depressionen.Man redet nicht über Angst.Dabei ist Angst eigentlich genau das, was uns am Leben hält.Angst soll uns eigentlich schützen,unsere Sinne schärfen und uns bereit machen wenn nötig die Flucht zu ergreifen.

    Leider kann Angst auch genau das Gegenteil bewirken.Angst nimmt uns gefangen.Es schränkt uns in unserem Tun ein.

    Und für viele Menschen ist genau diese Angst nicht zu verstehen.

    Derjenige, der die Angst hat und spürt, weiß eigentlich gar nicht, warum er Angst hat,und diejenigen, die dieses Gefühl nicht kennen, schauen mitleidig auf den "Angsthasen"vor sich.

    Es ist ein Teufelskreis mit der Angst.Sobald sie "krankhaft"wird, sollte man eigentlich zum Arzt gehen.Machen viele aber nicht weil sie,genau,Angst davor haben.Angst nicht ernst genug genommen zu werden oder Angst davor ausgelacht zu werden.

    Und genau aus diesem Grund muss man über Angst reden.Und Angst öffentlich machen.Weil Angst genau wie Depression einen krank macht.

    Gruß

    Ralf

    (Antwort ist keine Rechts oder Medizinische Beratung.Für die Richtigkeit der Antwort wird keine Haftung übernommen.Einige Antworten werden mithilfe einer KI geschrieben.(Artikel wird gekennzeichnet)

  • Julie_EnableMe
    bearbeitet 20. Okt 2023, 10:33

    Liebe Florence 🌸

    Danke für das Teilen deiner persönlichen Geschichte und vor allem, wie du gelernt hast damit umzugehen. 🙏

    Liebe Grüsse

  • "Wollt ihr eure persönliche ermutigende Geschichte mit der Community teilen?"

    liebe @Florence_EnableMe, danke auch von mir für deine offenheit. 😉

    entweder haben andere unter uns keine ermutigende geschichten zu erzählen, trauen sich nicht darüber zu schreiben oder sie leiden bzw. litten nicht unter diesen ängsten, was ich mir kaum vorstellen kann.

    wenn jemand aktuell noch in so einer "angstspirale" stecken sollte, kann er natürlich nichts ermutigendes berichten.

    liebe grüße

    jenner

  • Florence_EnableMe
    bearbeitet 24. Okt 2023, 07:15

    Hallo @Slowrider, @Julie und @jenner

    Danke für eure Reaktionen auf diesen Post.

    Es ist einfacher, über Ängste zu reden, wenn man sie (teilweise) überwunden hat und auf sie zurückblickt. Wenn man mitten in der Angstspirale steckt, ist das oft mit Scham behaftet – und eben auch mit Vermeidungsstrategien. Wenn man noch nicht mal sich selbst eingestehen kann oder will, dass etwas nicht stimmt, wie soll man sich da der Aussenwelt anvertrauen?

    EnableMe möchte ein Ort sein, an dem ein solcher Austausch trotzdem möglich ist. Und zwar völlig anonym. In der Kategorie "Good News" können Erfolgsgeschichten, aber auch Teilerfolge und Mini-Überwindungen geteilt werden. Ich jedenfalls möchte allen, die sich mit Ängsten und damit einhergehenden chronischen Schmerzen herumschlagen, Mut machen: Angststörungen sind behandelbar. Es braucht Geduld, Ausdauer – und wahrscheinlich professionelle Begleitung. Dann aber kann die eigene Erlebniswelt Schritt für Schritt wieder grösser werden.

    Wir freuen uns auf eure kleinen und grossen Erfolge! 😀

    Herzlich

    Florence

  • Seit meiner Kindheit bestimmen Ängste, mein Leben.

    Dankeschön für deine Geschichte.

    Schöne Grüße Bernd

  • schade, da hat sich schon wieder jemand aus dem forum verabschiedet. 😮

    wenn jemand unzufrieden ist oder sonst was vorgefallen sein sollte, leute bitte meldet euch. wir möchten helfen soweit es uns möglich ist.

    lg jenner

  • zur info allen user*innen:

    ich lasse meinen account löschen, die gründe habe ich enableMe direkt erklärt.

    euch alles gute, bessere bzw. gute gesudheit, glück, zuversicht und dass eure wünsche in erfüllung gehen mögen.

    lg jenner

  • Vielen Dank @Florence_EnableMe für deinen Beitrag. Sehr greifbar wie du es schilderst und eindrücklich, wie du gelernt hast damit umzugehen.