🔊 Sei dabei: Online Erfahrungsaustausch zur psychische Gesundheit am 08.Dez: https://community.enableme.org/de/event/12-erfahrungsaustausch-wirkungsgeschichten-psychische-gesundheit

Wie gehe ich als Partner mit der Depression des Partners um?

Hallo!

Ich bin neu hier und suche Autausch Möglichkeiten.

Mein Partner leidet seit längerer Zeit an einer Depression, zunehmenden Zwängen und Panikattacken.

Es ist nicht nur für meinen Partner schwer, sondern auch für mich. Daher würde ich mich gerne mit anderen austauschen.


Grüße

Antworten

  • @Heimathafen36 Guten Morgen Heimathafen36,

    willkommen in unserer Community. Gut, dass du dir in dieser Situation Rat und Austausch suchst.

    Wir haben übrigens ein Google Meeting "Erfahrungsaustausch: Wirkungsgeschichten psychische Gesundheit". https://community.enableme.org/de/event/12-erfahrungsaustausch-wirkungsgeschichten-psychische-gesundheit

    Außerdem gibt es einen interessanten Artikel auf unserer Webseite zum Thema Partnerschaft und Depression. https://www.enableme.de/de/artikel/depression-belastung-fur-die-partnerschaft-1277

    Ich hoffe, das hilft dir weiter.

    Viele Grüße

    Annemarie

  • Hallo,


    Vielen Dank für die Informationen. Auf das Google Meeting bin ich gespannt. Ich denke ich brauche Austausch mit Menschen die auch solche Situationen erlebt haben, mein Umfeld hat dafür eher weniger Verständnis.


    Grüße

    Heimathafen36

  • Hallo Heimathafen36,

    ich bin auf der "anderen" Seite (also der Part mit Depressionen). Wenn du mich irgendwas fragen magst, schreib mir gerne.

    LG,

    Lia

  • Hallo @Heimathafen36

    Ich kenne die Situation, als Selbstbetroffene, Partnerin und auch Therapeutin. Mag sein, dass was ich dir nun sage vielleicht etwas schwierig zu verstehen ist und bei dir allenfalls Emotionen auslöst. Es ist jedoch nicht böse gemeint.

    Wenn der Partner eine Depression hat, so wird unweigerlich das direkte Umfeld mit hinein gezogen. Man nennt dies Co-Abhängigkeit. Es wird dann alles Mögliche versucht der betroffenen Person Hilfe anzubieten. Doch im Zustand der Depression wirken diese gut gemeinten Tipps nur verletzend und sorgen für noch mehr Unmut und Depressivität. Nicht zu vergessen, dass sich dadurch Streitereien anbahnen, die irgendwann nicht mehr zu kitten sind.

    Das Einzige was hier für den Nichtbetroffenen (in dem Fall also du) hilft, ist schlicht eine gewisse innere emotionale Distanz und akzeptieren, dass der Betroffene sich selber aus dieser Situation befreien muss mit entsprechend therapeutischer Unterstützung. Weil du bist kein Therapeut, sondern der/die Partner(in). Hier gilt es sich selber zu schützen! Was jedoch nicht bedeutet, einen Beziehungsabbruch zu erzwingen. Sondern einfach versuchen eine andere Haltung zur Situation zu schaffen. Dafür kann es durchaus sinnvoll sein, dass auch du dir therapeutische Unterstützung suchst. Vor allem weil in Paarbeziehungen sich Konflikte oft erst in Krisensituationen zeigen - gerade auch bei psychischen Erkrankungen! Hier gilt die eigene Gesundheit geht vor!

    Ich hoffe dir damit ein paar Gedanken zur Bewältigung gegeben zu haben.

    Lieben Gruss

    Priska

    Dipl. Naturheilpraktikerin TEN und Neurofeedback-Therapeutin


    Naturpraxis Hitz - Heilkunde | Neurofeedback | Biofeedback

    Flühstrasse 5, 5415 Rieden AG, www.naturpraxis-hitz.ch

    • EMR Zulassung: Von Krankenkassen anerkannt
  • Hallo Priska,


    das Geschriebene in Deinem ersten Absatz versteh und weiß ich. Ich hatte leider selbst auch schon eine Depression, aber keine ist gleich und ich hab das Gefühl, dass die bei meinem Partner tiefer sitzt. Daher versuche ich mich auch mit Ratschlägen zurückzuhalten oder auch mit Sprüchen "ich kenn das, ich weiß wie das ist". Genau wie Du es beschreibst hat die Depression bei mir zugenommen. Er beschreibt dieses auch, denn meine Mutter kann es einfach nicht sein lasssen, obwohl ich ihr das nicht einmal versucht habe zu erklären.


    Streitereien haben sich bei uns bisher noch nicht angebahnt, trotz der Belastung.


    Ich glaube diese innere emotionale Distanz fällt mir schwer. Ich bin generell ziemlich emotional und auch harmoniebedürftig. Mein Partner hatte vor kurzem einen Termin bei einem Therapeuten, mein ehemaliger Therapeut hat selbst momentan leider keine Möglichkeiten mich zu unterstützen und es ist in meiner Umgebung echt nicht einfach was zu finden. Daher versuche ich bis dato für mich zusätzlich noch andere Wege zufinden. Mein Arbeitgeber hat vor einigen Monaten uns die Möglichkeit durch eine betriebliche Gesundheitsförderung in Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse ein paar persönliche Gespräche mit einer Psychologin zu reden. Das habe ich dankend angenommen und mit ihr habe ich es auch etwas geschafft aus einem Loch rauszukommen. Nicht nach der Arbeit nach Hause zu kommen und zu schlafen oder unmotiviert zu sein. Leider endet dieses, ich nenne e smal Projekt, bald, aber es hat mir schon mal ein bisschen geholfen.


    Grüße

    Heimathafen

  • Hallo Heimathafen,

    ich bin neu hier und über diese Seite gestolpert, weil ich ebenfalls versuche die depressiven Reaktionen meines Partners zu verstehen und damit umzugehen.

    Es tut mir sehr leid, dass du dich in dieser belastenden Situation befindest und hoffe, dass uns beiden der Austausch mit anderen Betroffenen hilft.

    Wie Priska bereits sagte, ist der Umgang mit einem depressiven Partner sehr schwierig und, wie ich empfinde, eine heikle Gratwanderung. Wie soll man helfen, aber nicht bedrängen? Wie soll man die Zurückweisungen und emotionale Distanz nicht persönlich nehmen? Wie soll man sein eigenes Bedürfnis nach Kommunikation und Harmonie hintanstellen und den Partner ohne Vorwürfe zu machen seinem inneren Rückzug überlassen?

    Ich weiß nicht, ob dein Partner seine Depression akzeptiert hat und wie gut er im Alltag damit umgeht. Für mich ist die Akzeptanz der Krankheit und das Eingeständnis, Hilfe zu benötigen der erste, und wichtigste Schritt. Erst wenn die innere Gegenwehr und Scham vor der Krankheit enden, ist es einem Depressiven möglich, eigene Muster präventiv zu erkennen. (evtl. mit Hilfe eines Therapeuten)

    Und ich denke, dass es auch erst dann möglich ist, eine Beziehung zu führen. Wichtig ist also, dass dein Partner in der Lage ist dir mitzuteilen was er von dir braucht und du dich darauf verlassen kannst, dass er Hilfe annimmt, wenn es ihm schlecht geht. Ansonsten ist er seiner Krankheit hilflos ausgeliefert und somit bist es auch du, weil du nie weißt woran du bist und ob du ermutigen oder dich zurückziehen sollst.

    Ich habe in einem Buch über Depression in Beziehungen gelesen, dass man einen depressiven Partner als nicht zurechnungsfähig, und somit eher wie ein bockiges Kind behandeln muss. Ich bin persönlich nicht der Meinung, dass die eigene Aufopferung so weit gehen sollte. Man hat ja selbst auch Bedürfnisse und möchte einen Partner und kein Kind... aber das sollte natürlich jeder für sich entscheiden.

    Ich finde, wenn der Partner ausdrücklich darum bittet, ihm sein depressiv beeinflusstes Verhalten nachzusehen und seine Distanziertheit nicht persönlich zu nehmen, kann man das schaffen.

    Dafür muss man selbst sehr resilient sein und sich (vlt. mit Hilfe von Freunden oder einem Therapeuten) gut um den eigenen psychischen Zustand kümmern. Vom Partner ist in dieser Situation leider meist kein Zuspruch zu erwarten und allein der Versuch, endet oft in einer Abwärtsspirale für beide. Die Krankheit fokusiert den Blick leider so auf das eigene Unglück, dass weder Energie noch Verständnis für die Probleme anderer vorhanden ist... vor allem wenn diese die permanenten Schuldgefühle noch verstärken würden.

    Auch wenn das vielleicht alles eher negativ klingt, möchte ich dich auf keinen Fall entmutigen! Meistens erfährt man erst nach einer gewissen Zeit, dass der Partner depressiv ist und möchte dann natürlich nicht sofort aufgeben. Man liebt diesen Menschen ja und dieser besteht nicht nur aus depressiven Anteilen oder ist vielleicht gerade aufgrund seiner Depression sehr liebevoll, einfühlsam und dankbar. Stark zu sein, durchzuhalten, an die Beziehung zu glauben und nicht aufzugeben sind auch wichtige Eigenschaften, um dieser Herausforderung gewachsen zu sein. Noch wichtiger ist es aber, sich selbst (bzw. das innere Kind) schützen zu können, gewisse Grenzen zu setzen und zu akzeptieren, dass man nur bedingt helfen kann. Dazu gehört sehr viel Geduld und Vertrauen (Urvertrauen), dass alles gut wird.

    Depression ist eine sehr komplexe Krankheit und die Ausprägung und Verhaltensmuster sind bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Daher wird dir kein Ratgeber, kein Therapeut und natürlich auch kein "Leidensgenosse" in diesem Forum konkrete Antworten oder eine Bedienungsanleitung geben können. Meine Sicht ist von meinen Erfahrungen geprägt und trifft vielleicht auf deinen Partner nicht zu und die Sicht eines Therapeuten oder von Ratgebern ist vlt. auch oft von Patientenerfahrungen und statistischen Werten geprägt. Vertraue auch hier auf deine Beobachtungen und dein Bauchgefühl und schau einfach, in welchen Verhaltensmustern und Erfahrungsberichten du euch oder deinen Partner wiedererkennst.

    Ich wünsche dir alles Gute! 🤗

    Du kannst dich gerne jederzeit bei mir melden, wenn du konkrete Fragen hast.

    Liebe Grüße, daslebenistschön

  • @Heimathafen36 @daslebenistschön @lilly80

    Hallo Heimathafen 36,

    Hallo daslebenistschön,

    Hallo lilly80,

    Hallo liebe Forenuser*innen,

    es gibt inzwischen einen Post mit Infos zu Beratungsangeboten auch für Partner von Behinderten/ chronisch Kranken.

    Falls ihr noch Hilfe sucht, guckt gerne mal rein.

    Viele Grüße

    Annemarie

  • Helmut60Helmut60 ✭✭✭
    bearbeitet 27. November

    Hallo Heimathafen36,

    meine Frau bekam so vor 36 J. nach unserem 2. Kind eine schwere Deperssion, und war zwischendurch ein paar Jahre in der Psychiatrie. Dennoch hat sich ihr Zustand nicht wesentlich verändert. Sie ist mitlerweile mit Medikamenten... wenn sie die denn nimmt... gut eingestellt, wir kommen klar, und sind mitlerweile 39 J. verheiratet.

    Die Kunst im so einem zusammen Leben ist, dem depressivem Partner einerseits sein krankheitsbedingtes "anders sein" lassen zu können, und da zu sein wenn er Hilfe braucht.... wenn er es denn so möchte. Das ist mitunter eine heikle Gradwanderung.

    Anfangs bin ich oft zu Treffen für Angehörige von psychisch Kranken gegangen. Das hat mir jedoch nicht wirklich geholfen, da die meisten Hilfesuchenden da eher eine Anleitung zur Heilung, als eine zum "besseren ZusammenLeben" mit so Betroffenen suchten. Mitlerweile gehe ist regelmäßig zu einem "Treffpunkt für psychisch Kranke" der Caritas, und engagiere mich da so gut es geht. Da gibts verschiedene Angebote..von Spielenachmittagen, Kaffe u. Kuchen...Basteln.. Frühstück.. eine Kochgruppe wo ich eine Zeit lang "der Koch" war. Die Erfahrungen da machen zuhause vieles leichter. Vielleicht hilft dir sowas auch.

    :-) Helmut

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