Fuß amputieren... lieber Ende mit Schrecken?

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Liebe Forenmitglieder,

ich (25 w) quäle mich zur Zeit mit der Frage, ob eine Fußamputation für mich der schnellere Weg aus dem Rollstuhl und zu mehr Selbstständigkeit wäre.


Zur Zeit kann ich weder stehen noch gehen sondern nur auf dem anderen völlig gesunden Bein umherspringen bzw. im Rolli sitzen.

Aufgrund einer Nervenschädigung ist bei mir rechts ein ausgeprägter Spitzfuß mit Innenrotation vorhanden. Jetzt wollen die Ärzte diesen mittels eines externen Fixateurs zunächst in eine bessere Position bringen und anschließend beide Sprungegelenke operativ einsteifen, obwohl der Fuß für Empfindungen gefühlstaub ist und auch ohne Belastung einen latenten dumpfen Schmerz verbreitet.

Jetzt frage ich mich, ob ich mit einer Amputation eventuell schneller und nachhaltiger wieder "auf den Beinen" wäre. Könnt ihr mir eure Erfahrungen mit Fuß-/Unterschenkelampuationen schildern? Wie gut sieht die Versorgung aus- wielange hat es gedauert, bis ihr wieder laufen konntet?

Würde mich über eine Antwort freuen,
Anne

Antworten

  • Noch mehr Fragen...

    1. könnte eine Unterschenkelprothese, die Funktionen des Fußgelenks z. T. ersetzen? (kannn man sich damit z.B. hinhocken)

    2. könnte man über der Prothese normales Schuhwerk tragen?
  • sicher könntest du den Fuß amputieren lassen. Obwohl diese Entscheidung fällen solltest du erst wenn alles andere ausgeschlossen wurde. Denn du darfst nicht vergessen, dass du wahrscheinlich auch weiter Schmerzen im Fuß haben wirst. Sog. Phantomschmerzen
  • Hallo Anne!

    Ist von der Nervenschädigung "nur" der Fuß betroffen oder auch Knie / Oberschenkel? Trat es plötzlich auf oder kam es schleichend? Was ist mit dem anderen Bein? Kann die Nervenschädigung auch das andere Bein angreifen und dann eine ähnliche Fußstellung verursachen?
    Was ist mit Sehnenverlängerung oder Versetzung von Muskeln, damit der Fuß wieder nach außen gezogen wird?

    Ich selber hatte als Kind eine beidseitige Achillissehnenverlängerung, später mit 12 eine OP, in der ein Muskel versetzt wurde, um den linken Fuß nach außen zu ziehen / zu drehen.

    Eine Amputation sollte immer der absolut letzte Schritt sein. Wie lange hast du denn schon diese Fußfehlstellung?


    Gruß, Katrin

  • Anni87 hat geschrieben:
    zur Zeit kann ich weder stehen noch gehen sondern nur auf dem anderen völlig gesunden Bein umherspringen bzw. im Rolli sitzen.

    Aufgrund einer Nervenschädigung ist bei mir rechts ein ausgeprägter Spitzfuß mit Innenrotation vorhanden. Jetzt wollen die Ärzte diesen mittels eines externen Fixateurs zunächst in eine bessere Position bringen und anschließend beide Sprungegelenke operativ einsteifen, obwohl der Fuß für Empfindungen gefühlstaub ist und auch ohne Belastung einen latenten dumpfen Schmerz verbreitet.


    Würde mich über eine Antwort freuen,
    Anne


    Liebe Anne,

    dann lass die Ärzte erst mal alle Möglichkeiten ausschöpfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ärzte von einer Amputation begeistert sind; bzw. ob sie das rechtlich überhaupt dürfen.

    Ich kann auch gar nicht nachvollziehen, wie Du auf solche Ideen kommst.

    Wenn der Fuß einmal weg ist, ist er weg. Darüber solltest Du dir im Klaren sein.

    Grüße
    vom Zornröschen



  • swisswuff1
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    Wenn nach einer Amputation etwas nachhaltig ist, dann andere Dinge als besonders "gute Funktion".

    Zur Nachhaltigkeit:

    100% der Zeit habe ich schmerzhafte Phantomgefühle. Die fehlende Hand / Teil Arm brennt andauernd, es ist ein scharfes brennendes Gefühl, recht seltsam, schwer zu beschreiben. Es gibt keine verlässliche Behandlung dafür. Es gibt andere Leute, die haben das etwas weniger.

    90% der Zeit sehe ich so behindert aus, dass das in jedem x-beliebigen öffentlichen Bereich stört. Die Liste von blöder Anmache, Bemerkungen, Distanzlosigkeiten, Aggressionen, etc. ist beliebig lang. Amputationen scheinen zu besonderer Abwertung einzuladen. Das ist eine Erfahrung, die in unserer lokalen Support-Gruppe lückenlos alle teilen. Äussert man sich dazu negativ, wird man aber - etwa auch hier im Forum - dafuer keineswegs wirklich gelobt oder fuer das Standhalten unterstuetzt, sondern meist extra angegriffen. Auf geschlossene Solidarität anderer Personen mit Handicap zu zählen, ist somit keineswegs möglich. Man steht damit also recht stark alleine da, ausser man organisiert sich einen lokalen Support.

    70% der Zeit habe ich Beschwerden, meist wenig, gelegentlich sehr stark, der Asymmetrie. Da tun weh Nacken, rechte Schulter, linke Schulter, Rücken. Dagegen kann man schon was tun, aber es kommt immer wieder. Prothese tragen hilft zwar, aber, siehe unten.

    20-60% der Zeit ist es besser, ich trage die Prothese nicht. Dann muss ich das, was ich sonst mache, dem anpassen.

    20% der Zeit ist mein Stumpf schlecht durchblutet so dass er eiskalt ist. Im Winter kommt es rasch zu Erfrierungsstellen am Stumpf. Ist da ein Schaden eingetreten, wird es mit Prothese tragen dünn.

    2-5% der Zeit geht für Aufwendungen in Richtung Versicherungen, Prothese, Unterhalt / Reparatur usw. drauf. Bereits der Ersatz von Vebrauchsmaterial kann grösseren Aufwand in Antrag stellen usw.. erfordern.


  • marry1
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    Hallo Anni,

    ich habe hier gerade alle Beiträge gelesen und jeder hat irgendwie Recht mit dem was er sagt.

    Eine Amputation ist was, was nicht mehr rückgängig zu machen ist und man muß mit den Konsequenzen leben.
    Nun hab ich gelesen, dass du momentan auch nicht die Lebensqualität hast die man gern hätte.
    Wenn ich "du" wäre, dann hätte ich mir entsprechenden Ärzte konsultiert,welche dich über alles für und wieder aufklären können.
    Ich selbst hätte sicher genau dieselben Gedankengänge. Ich bin oberschenkelamputiert, habe auch Phantomschmerzen die sich aber bei mir in Grenzen halten und mit den ich leben kann. Das ist natürlich bei jedem verschieden.
    Wenn ich aber nicht stehen oder laufen kann und nur im Rolli sitze, dann würd ich mir selbst auch die Frage stellen, wie ich einwenig mehr Lebensqualität zurück kriege, wenn es denn eine andere Möglichkeit gibt.

    Ich kann hier wirklich nur für mich sprechen, wenn ich die Wahl zwischen Rolli und Prothese hätte, dann würd ich mich immer wieder für die Prothese entscheiden auch mit den Konsequenzen.
    Ich laufe nur mit Prothese, habe keine Krücken und keinen Rolli. Kann manchmal gut laufen, manchmal schlechter, aber ich kann laufen.
    Dein Vorteil gegenüber mir ist, dass ja sicher dein Knie erhalten bleibt, also kann man weitaus leichter und besser laufen, jedenfalls kenn ich viele die sehr gut laufen können.


    Du mußt dir im Klaren sein, wenn du diesen Schritt gehst, hat es eben Vorteile und Nachteile und du mußt abwägen.
    Da die BG für mich zuständig ist, ist die Versorung etwas einfacher, was ich von der KK nicht in jedem Fall gehört habe. Alles sowas würd ich vorher abklären und dann kann man sich immer noch entschließen.

    Falls du noch Fragen hast, dann melde dich einfach.

    Wünsch dir alles Liebe!
    LG Marry
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