Rückzug der Kostenübernahme für Reha

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Hallo Ihrs,

ich habe zufällig (?) dieses Forum gefunden und steige direkt mal mit einer Hammer-Geschichte ein...
Ich bin 33 Jahre alt, habe in Kindheit und Jugend schwerste Traumatisierungen erlitten und überlebt. Neben einer chronischen komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung habe ich eine Autoimmunerkrankung (Mucha Habermann) und Zustand nach Borelliose (nach langen Jahren mit ständiger Erschöpfung und wiederkehrenden Gelenkentzündungen 2000 diagnostiziert).
Seit 2006 mache ich Traumatherapie in Intervallen von je 8-12 Wochen. 2006 war das erste erfolgreiche Intervall, 2008 das zweite. Die Klinik hat nur Reha-Status, ist aber auf die Behandlung von Menschen mit meiner "Problematik" spezialisiert. Die bisherige Behandlung war ziemlich erfolgreich und ich kann gut von deren Konzept profitieren. Ein weiterer (dritter) Reha-Antrag wurde August 2009 abgelehnt, nach einfachem Widerspruch mit fachärztlicher Stellungnahme jedoch am 15.12.2009 bewilligt. So weit. So gut.

Im letzten Jahr habe ich viele einschneidende Erlebnisse gehabt, so konnte ich beispielsweise nach dem Abschluss der Reha mein Studium erfolgreich beenden, in Theaterpädagogik graduieren und zu meinem Freund nach Kuba reisen. Dort litt ich mehrere Wochen unter starken Durchfällen, die von einem Arzt als Amöbenruhr diagnostiziert wurden und antibiotisch behandelt wurden. Auch wurde ich schwanger mit unserem Wunschkind. Wieder in Deutschland bekam ich eine parasiräre Darmerkrankung und habe das kleine Leben verloren. In einer derartigen Krise habe ich um stationäre Aufnahme auf der Therapiestation im hiesigen Kinikum gebeten; dort wurde ich _trotz_ (so der Oberarzt) der "Traumafolgestörung" aufgenommen. Nach wenigen Tagen konnte ich kaum mehr laufen. Bereits 2003 hatte ich eine Fußheberschwäche und konnte zeitweise nur ca. 50-100m schmerzfrei ohne Krämpfe und steife Beine gehen. Mit Hilfe einer dynamischen Unterschenkelorthese konnte ich die schlappen Muskeln gut auftrainieren, so dass der Gehfehler schon nach zwei Jahren nicht mehr auffiel. Eine Woche nach "Behandlungsbeginn" waren die Beine plötzlich "weg"; d.h. ich habe seitdem kein Gefühl bauchnabelabwärts, kann nicht gehen und stehen. Nach drei Wochen ausgesprochen schlechter und unzureichender Betreuung wurde ich in ein Chaos entlassen...

Von einer Minute zur anderen bin ich seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen. Mein Lebensumfeld ist nicht rolli-gerecht: so kann ich nicht mehr die Wohnung im ersten Stock alleine verlassen; weder Duschen noch Baden, da das Bad sehr eng gebaut ist; musste innerhalb der Wohnung umziehen, da auch mein Hochbett unerreichbar ist... Das gesamte Leben ist aus den Fugen geraten und auf "stand-by".
Es dauerte 8 Wochen bis zum Pflegegutachten und erst letzte Woche war der medizinische Dienst vom Gesundheitsamt da, um wegen dem Persönlichen Budget die Begutachtung durchzuführen.
Der Lichtblick war das Folge-Intervall in der Reha-Klinik in D., wo mir eine Aufnahme zum 26.5 fest in Aussicht gestellt worden war. Da sich an der Beinsymptomatik (Reflexe sind i.O.) nichts änderte, es mir deswegen aber psychisch schlechter ging, begab ich mich im Januar 2010 in tagesklinische psychotherapeutische Behandlung, um die Zeit bis zur Traumatherapie zu überbrücken. Das war auch mit dem Oberarzt so abgesprochen. In der Zeit konnte ich immerhin einen Zugang zu verdrängten Gefühlen finden, die auf die funktionslosen Beine projeziert wurden. Endlich ein Behandlungsansatz. Nach 12 Wochen wurde die Therapie abgeschlossen mit dem Ergebnis, dass ich immerhin - mit Hilfe - wieder stehen kann; auch wenn kein Gefühl in den Beinen ist. Ausserdem kann ich jetzt Fahrstuhlfahren, was aufgrund des Traumahintergrunds bisher nicht möglich war; für einen Rolli-Fahrer jedoch unabdinglich ist... Für mich sind beides große Fortschritte. Beide Häuser sind weder für Traumatherapie, noch für die Behandlung von dissoziativen Bewegungsstörungen spezialisiert!

Am 6.5. informierte mich meine Betreuerin, dass die Krankenkasse (Kk) die Kostenübernahme für die 19 Tage später beginnende Reha zurückgezogen habe. Ein Schock. Ein persönliches Anschreiben und die Darlegung der Gründe habe ich bis dato nicht erhalten. In dem Schreiben an die Reha-Klink war einzig "fehlendes Reha-Potential" angeführt. Das sehen meine Hausärztin, die Betreuerin, Physio, Ergo, die Therapeutin in der Klinik (zu der ich seit Jahren in engem Email-Kontakt stehe) und ich anders!

Was kann ich tun? Meine Betreuerin hat Widerspruch eingelegt, die Hausärztin, die Therapeutin in der Klinik und ich Stellungnahmen gefaxt, die nach telefonischer Rücksprache am 10.5 bei der Kk eingegangen sind. Auf Nachfrage (zuletzt 17.5., 9:30h) wurde noch nichts entschieden.
Die Reha in der Klinik in D. ist nicht nur zur weiteren Stabilisierung unabdingbar, sondern alle ambulanten BehandlerInnen gehen davon aus, dass dort unter entsprechender Therapie die Beinsymptomatik aufgelöst werden kann, sofern es sich wirklich um eine dissoziative Bewegungsstörung handelt. Diesbezüglich hat die Klinik auch Erfahrung mit derartigen Symptomen.

Bis Pfingstmontag wird das Bett für mich frei gehalten. Danach würde ich nach Eingang einer erneuten Kostenübernahme wieder auf der Warteliste mit einer 6monatigen Wartezeit landen. Das halte ich nicht aus.

Über Antworten, Kommentare oder Aufmunterungen würde ich mich sehr freuen! 😺

Danke für's lesen und einen sonnigen Montag!
vanilla

Antworten

  • Hallo Vanilla,
    erstmal schön das Du hier gelandet bist😀
    Wow das ist wirklich eine Hammer Geschichte
    aber die ist hier genau richtig gelandet.

    Hier hast du zumindest die möglichkeit verschiedene Antworten zu bekommen.
    Um dann selbst zu entscheiden was Du machen willst oder nicht.
    Und wenn Du das Forum durchstöberst wirst du vieleicht noch andere Sachen finden.

    Ich denke du hast erstmal alles getan das ist schon mal gut.
    Man könnte sicherlich die KK noch mal aufmerksam darauf machen
    das der PLatz befristet ist aber das hätte auch das Risiko das sie es aus ablehnen würden.
    Auf der anderen Seite hat sich immer wieder gezeigt wenn man dran bleibt
    bekommt man was man braucht.
    Wenn du dich entscheidest was zu tun würde ich eine Frist bis Donnerstag geben schriftlich.
    Den Brief per Einschreiben und in Kopie für Dich.
    Wenn es dann abgelehnt wird würde ich weiter Schritte einleiten.

    ABER vieleicht haben unsere Fachexperten auch eine Meinung dazu und unsere
    Forum noch andere Ideen was man machen könnte.

    Auf jeden Fall drück ich die Daumen das es doch noch was wird.

    Gruß
    Herbi



  • Hey kann dir nur dringenst empfehlen den VdK zur Hilfe zu nehmen ,haben mich auch schon in mancher aussichtslosen Lage zu meinem Recht verholfen! Schäme dich auch nicht vors Sozialgericht zu ziehen, bin CDU-Mitglied, alle Parteien versuchen solche Infos hinter dem Berg zu halten!
    Viel Glück auf dem Weg zu deinem demokkatischen Recht!
  • mit der klage wollte ich bis mittwoch warten, das ist der tag, an dem bei meiner kk in der reha-konferenz über reha-bewilligungen/ ablehnungen entschieden wird.

    selbst im eilverfahren würde sich der juristische weg mindestens über ein halbes jahr hinziehen... so lange im rolli, eingesperrt in dieser wohnung, rumzuhocken stehe ich nicht durch. von der arge ist ein neues gutachten in auftrag gegeben worden, wo die angemessenheit eines umzugs festgestellt werden soll. das wäre dann das 6. gutachten in 6 monaten! meine güte, haben die sonst nichts besseres zu tun?!

    auf meine herzliche einladung, dass der sachbearbeiter gerne auf einen kaffe vorbei kommen könne und sich so nebenbei davon zu überzeugen, dass ich keinen aufzug oder treppenlift auf dem dachboden verstecke, habe ich leider eine absage erhalten.
    geht's noch: ich kann nicht die fenster zum lüften öffnen (wozu man als mieter ja verpflichtet ist), den briefkasten leeren, mir was kochen, duschen oder baden, ein buch aus dem regal holen (wenn es höher als 1,45 steht), an alle klamotten im kleiderschrank kommen, nicht einmal was von der kleiderstange abhängen, nicht im garten arbeiten, nicht mehr ehrenamtlich im hospiz arbeiten, nicht alleine zur stadtbibliothek/ kino/ theater/ essen-gehen/ freunde besuchen... weil mir die kraft in den armen fehlt... und das beste zum schluss: da ich nur mit btw-fahrern oder mit scala-mobil-routinierten leuten die wohnung verlassen kann, kann ich mich gar nicht bewerben! bitte wer soll denn die 880€ fahrtkosten pro monat, die die btw-transporte kosten würden, übernehmen?!

    da wäre so eine popelige reha, wo ich mit guter prognose wieder ins laufen kommen könnte, die humanere und einfachere methode. aber nö. lieber bekomme ich 'nen e-rolli, wenn's nach der kk ginge.

    vdk scheint eine gute idee zu sein, da ich vermute, die ablehnung von elekrotherapie zur muskelstimulation und des bewegungstrainers für die beine waren nur der anfang.
    wegen der ganzen gutachterei und stellungnahmenschreiberei habe ich aber gerade nicht mal eben 54€ jahresbeitrag in der tasche. noch nicht mal die kohle für neue batterien für die hörgeräte. 359 euronen sind bei allergien und lebensmittelunverträgllichkeiten und entsprechenden zusatzausgaben schnell dahin... 😡
  • stubsi
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    Liebe Vanilla,

    das hört sich wirklich sehr, sehr schlimm an. So kannst du doch nicht leben. Also es muss ganz schnell etwas geschehen. Du musst eine Sozialstation einschalten, die dir weiterhelfen. Gibt es bei dir nicht einen Schwerbehindertenverein. Das ist ja unter der Menschenwürde. Jeder Behinderte hat ein Recht auf selbstbestimmtes Leben so heißt es doch in unserem Grundgesetz.

    Also steht dir eine behindertengerechte Wohnung zu. Bei einer Freundin war es so, bevor sie nicht eine angemessene Wohnung bekommen hatte kam sie erst gar nicht aus der Klinik. Sie ist Querschnittsgelähmt. Aber du hast ja auch eine Lähmung also ähnliche Diagnose entspricht du hast auch eine Lähmung der Beine wenn ich das richtig gelesen habe.

    Ich habe auch diese Lähmung, daher kenne ich mich da ein wenig aus.

    Kannst mir gerne auch eine PN schreiben.

    Bin sehr erschüttert über dein Schreiben.

    Hoffe du findest schnell Hilfe.

    Alles Liebe und Gute wünscht dir

    STUBSI 😉
  • Hallo,
    ich würde dir auch empfehlen, die Entscheidung abzuwarten. Falls negativ solltest du sofort zum Anwalt gehen. Falls du kein Geld für einen Anwalt hast, dringend eine kostenfreie Rechtsberatung bei einem Sozialverband aufsuchen.
    Bitte melde dich wieder und sage uns, wie die Entscheidung der KK ausgefallen ist.
    Viele Grüße, Iris,
    Redaktion MyHandicap
  • Liebe Vanilla,

    danke für Deinen Beitrag,

    aus meiner Sicht bist du auf dem richtigen Weg, Du schreibst, dass deine Betreuerin, Therapeutin, der Krankenkasse entsprechende Schreiben geschickt haben...das muss man abwarten...aus diesen Schreiben sollte hervorgehen, dass eine Rehabilitationsmassnahme unerlässlich ist um Dir weiterhin ein menschenwürdiges Leben in unserer Gesellschaft zu ermöglichen und das diese körperliche Rehamaßnahme an die Psychotherapeutische, beziehungsweise traumatologische Massnahme aus - bestimmten fachlichen Gründen - gekoppelt werden muss.

    Prinzipiell bestünde auch die Möglichkeit eines Gutachtens von mir - als MyHandicappsychologen -, zur etwaigen Vorlage bei der Krankenkasse, das Gutachten wäre kostenlos. Wenn das Sinn macht kannst Du mir gerne eine Privatmail schicken, ansonsten kann ich im Allgemeinen auf die Psychologischen Wochentipps auf unserer Homepage (Weg: -Information, Gesundheit, Psyche...) verweisen.

    Alles alles Gute und das die Kombination Psycho- respektive Traumatherapie und Rehamassnahmen bei Dir einen Positiven Effekt erzielen werden, das ist sicherlich das Geeignete "Paket" für Dich!

    herzliche Grüsse,
  • @ iris
    hallo iris,
    ich habe bereits kontakt mit einem sehr fähigen anwalt aufgenommen, der mich auf einen formfehler in dem anschreiben aufmerksam gemacht hat. das hätte zur folge, dass der eingelegte widerspruch aufschiebende wirkung gegenüber dem ablehnungsbescheid habe, so die telefonische auskunft von herrn a.
    dieses habe ich meiner zuständigen thera und ärztin in d. mitgeteilt; die klinik hätte das gerne schriftlich (schickt der ra heute raus) und ich darf nächste woche anreisen. allerdings mit dem risiko, evtl. auf den anfallenden kosten der massnahme sitzen zu bleiben, sollte der mdk auch in dem neuen gutachten der auffassung sein, die reha wäre nicht indiziert. da bleibt dann nur die klage vor dem sozialgericht.
    freuen oder mich auf die reha vorbereiten kann ich nicht, weil es mir schwer fällt, daran zu glauben, dass das wirklich so klappen könnte.

    @ tim:
    hallo tim,
    ich werde gleich in die uniklinik nach g. fahren, um dort die diagnostik mit bildgebenden verfahren machen zu lassen, die bisher nicht gelaufen ist. schreibt ein arzt was von "psychogen" (und hat nur mal die reflexe beklpoft) übernimmt das jeder andere weisskittel. ist ja auch praktisch und viel günstiger als die teuren verfahren.
    ein zweiter neurologe hat sich zeit genommen, zugehört und _sofort_ eine einweisung fertig gemacht und mir das bett besorgt. bis zum wochendene geht's ins mrt, zur lumbalpunktion, eeg, nervenleitgeschwindigkeitsmessung, evozierte potentiale etc. hat er mir alles gut erklärt.
    wenn es hart auf hart kommt, würde ich _sehr_ gerne auf dein gutachten-angebot zurück kommen. alles weitere dann per mail/ pn.
    nebenbei überlege ich echt, ob man für so was auch schmerzensgeld erklagen kann. dieser zustand seit der nachricht der kk ist nämlich katastrophal. noch schlimmer, als das ganze eh schon ist.

    viele grüße
    vanilla

    ach noch was, internet ist in der klinik arg teuer, so dass ich erst am we wieder online sein kann.
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