hat jemand erfahrungen mit berufs bildungs werken?

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  • Hallo RolliEM,

    ich habe meine Ausbildung im Berufsbildungswerk Bremen absolviert. Je nachdem woher man kommt, kann man im Internat wohnen oder von außerhalb anreisen. Das Internat wird in mehrere Bereiche und Häuser aufgeteilt. Für jeden Bereich sind mehrere Mitarbeiter zuständig die dort ein kleines Büro haben, an die man sich wenden kann, wenn man Probleme hat oder sich einfach unterhalten will. Weiterhin gibt es einen Aufenthaltsraum mit einem Fernseher und eine Küche. Am Wochenende finden hin und wieder gemeinsam gekocht und eine Aktivität geplant.
    In einem BBW werden viele unterschiedliche Berufe angeboten, zum Beispiel, Verkaufshelfer, Verkäufer, Bürokaufleute, Hauswirtschaftshelfer, Ausbildungen im Bereich Holz und Metall, IT Kaufleute und viele mehr.
    Bei vielen Ausbildungsberufen findet der Berufsschulunterricht und die Praxis direkt auf dem Gelände statt. Dafür gibt es Lernwerkstätte und eine Lernfirma. Dort werden den Auszubildenden die Tätigkeiten und Vorgänge in einem Büro beigebracht, z.B.: Buchungen, Lohnzahlung. Für alle Berufe deren Praxis im BBW stattfindet, müssen mehrere Praktika absolvieren um das echte Berufsleben mitzubekommen.
    Am genausten kann ich über den Ausbildungsberuf der Verkäufer berichten. An zwei Tagen in der Woche findet Unterricht auf dem Gelände statt. An einem Unterrichtstag nach der Berufsschule ist noch Warenkunde anschloss. In dem Zeitraum wird genauer auf die Aufgaben eines Verkäufers eingegangen. Außerdem wird ein Baumarkt besucht, wo der Ausbilder die Produkte vorstellt und deren Verarbeitung erklärte. An den restlichen drei Tagen findet die Arbeit beim Kooperationspartner statt. Ein Kooperationspartner ist ein Unternehmen, welcher die praktischen Kenntnisse vermittelt.
    Auf die Zwischen- und Abschlussprüfungen wird besonders eingegangen. Auf die Abschlussprüfung haben wir uns ein halbes Jahr an den Praxistagen vorbereitet. Dabei hatten wir den halben Tag Abschlussprüfungsvorbereitung und mussten den Rest des Tages zum Praxisbetrieb
    Weiterhin gibt es auf dem Gelände des Berufsbildungswerkes die Mensa, wo es Frühstück, Mittag und Abendbrot gibt, das Glashaus, wo man ins Internet gehen kann und hin und wieder Disco stattfindet. Sowie die Turnhalle, Schwimmbad, Sauna, ein Arzt, eine winzige Krankenstation mit vier Betten und der Pflegedienst. Beim Pflegedienst nehmen kranke Auszubildende ihre Medikamente ein und sie halfen den in den Rollstühlen sitzenden.

    Ich hoffe ich kann dir mit meiner Beschreibung einen kleinen Einblick in ein Berufsbildungswerk geben.
  • Hallo,

    auch ich habe 4,5 Jahre im Berufsbildungswerk in Neuwied verbracht. Ich fand es eine sehr tolle Zeit dort, weil man da auch viele nette Leute kennengelernt hat. Außerdem war ich froh, dass ich dort meine Ausbildung zur Bürokraft 2008 abgeschlossen habe.

    Wir hatten auch Internat, Außenwohngruppen und in der Ausbildung eine Übungsfirma "Westerwälder Keramik Manufaktur" gehabt, wo wir dann in den Abteilungen: Allg. Verwaltung (mit Postbearbeitung), Buchhaltung, Personalabteilung und den Ein- und Verkauf hatten. Uns wurden alle Kenntnisse vermittelt, die für die Berufe der Kaufleute nötig waren.

    Leider war ich auch noch zu einer Zeit da, wo sehr viel umgebaut wird/wurde, aber es war trotzdem eine tolle Zeit, die ich nie wieder missen werde.

    Auch fand ich es gut, dass es verschiedene Freizeitangebote wie z.B.: "Pillbox" (eine Art Kiosk mit Kegelbahn), ein Schwimmbad, eine Turnhalle und einen Gymnastikraum gab.
    Also ich würde jedem der ein Handicap hat empfehlen, dass er seine Ausbildung in einem "geschützten" Rahmen wie ein BBW macht.

    Ich fand es auch wichtig mit der Prüfungsvorbereitung zur Abschlussprüfung so konnte man nebenbei ein wenig üben und war während der Prüfung, die auf 2 Tage verteilt war, nicht mehr so nervös.

    Gruß Dunja 😀
  • Das stimmt, auf die Prüfungen wurde immer sehr eingegangen. Wir haben ein halbes Jahr vor dem Prüfungstermin begonnen den Stoff zu wiederholen, an drei Tagen für jeweils vier Stunden in der Woche. Zuerst wurden die einzelnen Prüfungsteile erläutert und wir haben einen kompletten Satz älterer Prüfungen zusammen durchgearbeitet und besprochen. Anschließend haben wir Prüfungssimulationen durchgeführt. Wir haben viel Material bekommen und haben einen Ausbildungsordner für die Abschlußprüfung erstellt.
  • Hallo RolliEm,

    ich war auch in einem Berufsbildungswerk insgesamt fünf Jahre und hab dort 2 berufsfördernde Vorbereitungslehrjahre sowie meine dreijährige erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zur Bürokraft absolviert. Wie auch meine Vorgänger zu deinem Forenbeitrag kann ich dir nur empfehlen, in so einer Einrichtung deine Ausbildung zu machen (wenns soweit kommen sollte) Die Integrationsmöglichkeiten und die Betreuungs- und Bildungsmöglichkeiten sind genau für behinderte Menschen geeignet, die sich eine berufliche Grundlage angemessen ihren Möglichkeiten bilden wollen. Keine Bange vor der Zukunft, ich habs auch ganz gut geschafft.Viel Erfolg beim Weitererkunden!

    Tschüß Claudia
  • Hallo RolliEm,

    ich habe vor sehr langer Zeit eine Berufsausbildung im Reha- und Berufsbildungswerk Neckargemünd gemacht. Meine Familie wohnte damals in einem Nachbarort, so bin ich täglich dort hin gependelt. Aber die Regel ist eine internatmäßige Unterbringung wärend der Berufsausbildung oder der Schulzeit. Was möchtest Du den dort? Einen Beruf erlernen oder Deine Schule zu Ende machen? Die Ausbildung ist sehr verschieden, je nach dem welchen Beruf man wählt. Als ich damals in Neckargemünd war, konnte man Elektrikerberufe, Kaufmännische Berufe und technischer Zeichner lernen. Eine Realschule oder ein Gymnasium konnte man in diesem Internat auch besuchen. Heute ist es ähnlich. Die Jugendlichen leben in Wohngruppen und haben feste Arbeitszeiten. Ein kleines Krankenhaus hat dieses Rehazentrum auch.

    Gruß Karin
  • Hallo, ich war in Hannover im BBW, das war von 1979 bis 1983. Damals war man zu zweit auf einem Zimmer, und die Nasszelle also Dusche und Klo mußte sich mit dem Nachbarzimmer geteilt werden. Heutzutage gibts da meinens Wissens nur noch Einzelzimmer. Ich habe erst einen Förderungslehrgang von einem Jahr gemacht, wo man in verschiedene Berufe reinschnuppern konnte. Danach habe ich dann eine 3jährige Ausbildung aus Bürokauffrau gemacht. Wir hatten damals auch nicht nur gemeinsam gekocht, sondern auch mal kleine Ausfahrten gemacht, sind in Konzerte gegangen, etc...Ich habe heute nach über 20 Jahren noch zu einigen der Leute mehr oder weniger guten Kontakt. Andere hat man dann ganz aus den Augen verloren oder sind leider schon verstorben. Es war eine sehr gute Zeit für mich, um auch selbständiger zu werden, schließelich war ich erst 16 wie ich da hingekommen bin und 4 Tage vor meinem 20. Geburtstag hatte ich die mündliche Prüfung. Die Mitarbeiter die auf den Etagen sind, sind entweder Erzieher oder Sozialpädagogen, teilweise haben da sogar manche ihr Anerkennungsjahr gemacht. Es gab damals im Haus im Keller eine Disco, die wurde von den Azubis selbst gemacht. Also es saß jemand an der Kasse, damals 1DM Eintritt, Getränke wurden für kleines Geld verkauft, Cola, Selter, Fanta...Die Disco war 1x in der Woche von 18-22 Uhr, wo teilweise auch Leute von auswärts also aus der näheren Umgebung reingekommen sind. Es gab einen Freizeitbereich, mit Werkstatt, Nähstube, Billardtische, Flipperautomat, das Therapiebad konnte man am WE benutzen und teilweise auch abends in der Woche. Im Haus war auch ein ärztlicher Dienst, mit einem oder zwei Allgemeinärzten und Orthopäden. Natürlich durfte auch die Krankengymnastik nicht fehlen. Das BBW Hannover ist auch im Internet, such einfach www.Annastift.de, das Annastift ist ein Krankenhaus hauptsächlich für Orthopädie, dazu gehört auch das BBW. Dann einfach auf BBW gehen, und dann findest Du da Fotos von den Zimmern, Ausbildungsbereichen, etc...Ach Infos über die gesamten Ausbildungsberufe.

    So, ich hoffe, ich konnte Dir etwas weriterhelfen. Viel Erfolg beim BBW suchen und finden und eine Gute Ausbildung wünsche ich Dir dann.

    delphisanne63
  • Hallo,

    ich habe letztes Jahr meine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation, in dem BBW Potsdam (Oberlinhaus gGmbH) beendet.

    Mein Internatshaus war das beste von den sechs Stück. Die Betreuer sind alle super 😀. Natürlich auch die Leute.

    Ich hatte ein 17 m² Zimmer, mit angrenzendem Einzelbad mit edenderdiger Dusche. Der Pflegedienst vom Oblinhaushaus hat mich morgens und abends fertiggemacht. Das lief in der Regel auch sehr gut.

    Zur Berufsschule im BBW Potsdam kann nur sagen es gibt nur sehr wenige Lehrer (im Bereich Wirtschaft und Verwaltung) die wirklich zum Unterrichten in diesen Ausbildungen geeignet ist. Dagegen kann man sich über sehr, sehr gute Ausbilder freuen. Sie setzen sich für einen ein, wenn man sich selbst bemüht. Außerdem macht die Arbeit in einer Übungsfirma total Spass.

    Achja bei uns gab es auch Doppelzimmer, oder Zimmer mit Durchgangsbad. Bei schwereren Behinderungen bekommt man aber auf jeden Fall ein Enzelzimmer, vielleicht auch mit elektrischen Türöffner. 😀

    Wenn du noch Fragen schreib einfach ne PM.

    Lieben Gruß

    Uli
  • Hallöchen!

    Ich habe meine Ausbildung im BBW-CJD Gera absolviert!Von 1997-2001
    Ich habe dort 3,5 jahre Elektromechaniker gelernt und auch erfolgreich meine IHK Prüfung abgelegt!

    Es war eine sehr schöne zeit dort!
    Sicher war ich dort im internat was mir zuerst sehr schwer fiel da ich anfangs niemanden kannte!

    Aber ich muß ehrlich sagen das dort sehr kompetente Menschen arbeiten und sich sehr um die Belange der dortigen Behinderten Menschen kümmern!

    Was auch sehr bewundernswert ist das dort alle medizinischen Bereiche vorhanden sind!
    Selbst Therapieen konnte ich dort wahrnehmen!

    Man kann dort sehr viele Freizeitaktivitäten wahrnehmen!
    Was sehr gut war denn die Stadt ist dort ein wenig weiter entfernt!
    Aber alles sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen!

    Also ich kann dieses Berufsbildungswerk sehr empfehlen!!!

    Grüße von Marcel!


    Hier mal schnell noch ein Link davon: http://www.cjd-bbw-gera.de/bbw-gera
  • Hallo

    Ich hatte ja ganz am Ende der 11. Klasse meinen Badeunfall. Am Samstag schrieb ich die letzte Klasenarbeit und dachte dann am Montag: super Schuljahr vorbei - jetzt geht es an Baggersee. Die Idee war gut nur war das Wasser zu flach - naja zumindest der Zeitpunkt war nicht schlecht, ich hatte die Versetzung in die 12te. Die Schule hatte allerdings keine behindertengerechte Toilette, kein Aufzug aber dafür Treppen. Trotzdem war mein erster Wunsch, daß ich an der alten Schule das Abi mache unhd das obwohl kein 15 km weg das Rehazentrum Neckargemünd lag. Natürlich tiptop behindertengerecht. Im Nachhinein muß ich sagen das war die beste Entscheidung die ich je getroffen habe. Beim Studium genau das gleiche. Ich habe an der FH Mannheim studiert obwohl in Heidelberg, also an meinem Wohnort, in der SRH (damals Berufs-förderungswerk) ein Elektonik Studiengang bestand.
    Ich stehe den Rehazentren nicht sonderlich positiv gegenüber, gerade für mich als damals ganz frischer Querschnitt. Als einziger Behinderte mußte ich ganz schnell lernen mit meiner eigene Behinderung und natürlich mit meinen nichtbehinderten Klassenkameraden umzugehen. Ein Rehazentrum ist doch immer eine etwas beschützte Umgebung bis hin zur Freizeitgestaltung. Etwas überspitzt gesagt, wenn es behinderungsbedingte Probleme gibt schiebt man die ja für die Dauer der Ausbildung nur vor sich her, weil keine Firma ist so behindertengerecht wie ein Rehazentrum.
    Wie dem auch sei ich bin ganz froh, daß es ohne ging.

    Klaus
  • Hallo Klaus,

    da hast Du es leichter gehabt als ich. Ich schaffte es nicht mich beim Arbeitsamt in HD durch zu setzen. Ich war gerade ert aus Hamburg in diese Gegend gezogen und hätte in HH eigentlich an einem Krankenhaus eine Ausbildung machen können. Ich mußte mit meiner Familie mitziehen und mir in Heidelberg/Neckergemünd einen neuen Ausbildungsplatz suchen. Das Arbeitsamt ließ es gar nicht zu, daß ich mich vom Berufsberater für Gesunde beraten lasse. Ich mußte unbedingt zum Berufsberate für Behinderte und landete im NRZ. Widerwillig, denn die angebotenen Berufe gefielen mmir gar nicht. Fazit, ich brach die Ausbildung nach knapp drei Jahren ab, zog nach Düsseldorf zurück und lerne dort in der Uniklinik Kinderkrankenschwester. Rückblickend muß ich sagen, daß man mir am ersten Arbeitsmarkt mehr Toleranz und Verständnis entgegen brachte, als in solchen Einrichtungen. Sicher man muß sich mehr durchbeißen als in einem Rehazentrum, aber wenn man mal akzeptiert wurde, dann fressen einem die Kollegen auch aus der Hand.

    Gruß Karin
  • Hallo Karin

    Das mit der Ortsgleichheit ist Zufall, ich bin ja Heidelberger. Ich wollte dir nicht auf die Füße treten, ähh an Karren fahren - ach egal 😀
    Das mit dem Arbeitsamt kann ich nachvollziehen, mit der Schule war es bei mir genau das Gleiche. Als ich mit der etwas schrägen Idee ankam war ja Pflege- und Rollstuhlabhänigkeit eh klar, ebenso daß ich weder alleine aus dem Auto in Rolli übersetzen kann. Da sich die Gewerbeschulleitung etwas gesträubt hatte ging das bis zum Kultusministerium. Vater hatte damals innerhalb drei Wochen alles geregelt. Als ich nach 8 Monaten Reha wieder zur Schule ging war ich erfreulicherweise so inkomplett
    daß es mit Krücken ging.

    Es ist wirklich so, daß man als Behinderter schnell in eine Schublade gesteckt wird und nichteinmal die Chance bekommt es zu versuchen. Meine Befürchtung ist allerdings auch, daß jemand der Schule/Berufsausbildung also jahrelang in Rehazentren war in so eine Behindertenrolle reinwächst, ob man will oder nicht. Ich habe in dem Zusammenhang mal den etwas bösen Satz gelesen: "Rehaeinrichtungen machen einen erst zum Behinderten". Auch wenn ich dich nicht kenne, deinen Postings nach ensprichtst du genausowenig wie ich dem typischen Behindertenbild. Mir fällt gerade noch ein ich war ja auf der Schule/Studium wie auch am Arbeitsplatz immer der einzige Behinderte. Daher 13(!) Jahre nach meiner Entlaßung aus der Klinik hatte ich den ersten Kontakt mit anderen Behinderten - da bestand echter Integrationsbedarf 😀

    Klaus
  • Klaus123 schrieb:
    Hallo Karin

    Das mit der Ortsgleichheit ist Zufall, ich bin ja Heidelberger. Ich wollte dir nicht auf die Füße treten, ähh an Karren fahren - ach egal 😀
    Das mit dem Arbeitsamt kann ich nachvollziehen, mit der Schule war es bei mir genau das Gleiche. Als ich mit der etwas schrägen Idee ankam war ja Pflege- und Rollstuhlabhänigkeit eh klar, ebenso daß ich weder alleine aus dem Auto in Rolli übersetzen kann. Da sich die Gewerbeschulleitung etwas gesträubt hatte ging das bis zum Kultusministerium. Vater hatte damals innerhalb drei Wochen alles geregelt. Als ich nach 8 Monaten Reha wieder zur Schule ging war ich erfreulicherweise so inkomplett
    daß es mit Krücken ging.

    Es ist wirklich so, daß man als Behinderter schnell in eine Schublade gesteckt wird und nichteinmal die Chance bekommt es zu versuchen. Meine Befürchtung ist allerdings auch, daß jemand der Schule/Berufsausbildung also jahrelang in Rehazentren war in so eine Behindertenrolle reinwächst, ob man will oder nicht. Ich habe in dem Zusammenhang mal den etwas bösen Satz gelesen: "Rehaeinrichtungen machen einen erst zum Behinderten". Auch wenn ich dich nicht kenne, deinen Postings nach ensprichtst du genausowenig wie ich dem typischen Behindertenbild. Mir fällt gerade noch ein ich war ja auf der Schule/Studium wie auch am Arbeitsplatz immer der einzige Behinderte. Daher 13(!) Jahre nach meiner Entlaßung aus der Klinik hatte ich den ersten Kontakt mit anderen Behinderten - da bestand echter Integrationsbedarf 😀

    Klaus


    Hihi, das mit dem Integrationsbedarf unter Behinderten kenne ich. Ich habe damit große Probleme beim Behindertensport. Irgend wie fühle ich mich unter so vielen Behinderten nicht wohl. Halte mich da lieber an normale Vereine, weil ich das seit meiner Kindheit so gewohnt bin. Aber das akzeptiert werden ist deutlich schwerer geworden, seit ich immer meinen Rollstuhl mit bringe. Selbst wenn man Sportarten machen möchte, bei denen man den Rollstuhl nicht braucht, will man mich nicht rein lassen, sondern zum Behindertensport schicken. Aber wir beide wären nicht dort wo wir jetzt sind, wenn wir auch solche Hürden nicht meistern könnten.

    Wie schnell jemand in so eine "Behindertenrolle" rein wächst, dafür habe ich hier in Düssledorf ein gutes Beispiel. Leider! Ich kenne einen Mann, kaum älter als ich, der beidseitig beinamputiert ist. Er hat sich so daran gewöhnt, daß er von anderen abhängig ist und einen winzigen Bewegungsradius hat, daß er sich nicht vorstellen kann, wie es ist unabhängig und mobil zu sein. Er hat kein Auto, wie ich, aber eben auch keinen Aktivrollstuhl. Er hat nur einen schlechten Standardrollstuhl, seine Prothesen und seinen Rollator. Er kann nicht mal eben mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Oberhausen ins Centro fahren oder mit dem Rolli weite Wege zurück legen. Sein Rolli ist nämlich gar nicht Straßentauglich und und mit seinen Prothesen kann er nicht weiter als 100 Meter laufen. Weil er sich nicht vorstellen kann wie es wäre wenn er mehr könnte, verspürt er gar nicht das Bedürfnis dies zu ändern. Also bleibt er lieber Zuhause sitzen und läßt sich vom Behindertentransportdienst oder Freunden durch die Gegend fahren und bedienen. Mein Bruder hat ihn mal zuhause abgeholt, weil ich ihn zum Essen eingeladen hatte und er es auf die Reihe kriegte, selber dafür zu sorgen zu mir zu kommen. Da hat er gemeckert weil er die Autotüre selber auf machen mußte. Er sei doch behindert und Behinderten muß man bei sowas helfen. Mein Bruder sagte ihm jedoch die Karin hätte ihm bei gebracht das Behinderte möglichst viel alleine machen sollen und man erst helfen soll, wenn dies gewünscht wird. Hihi, seit dem hat sich dieser Mann bei mir nicht mehr gemeldet.


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