Sportliche und spielerische Aktivitäten für geistig behinderte Kinder?

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Hallo,
ich mache grad mein Abitur und möchte über sportliche und spielerische Aktivitäten für geistig behinderte Kinder einen Vortrag halten. Allerdings lässt sich im Internet nicht so viel finden... Könnte mir irgendjemand weiterhelfen? Wollte erst was mit Autisten machen, habe da aber noch weniger gefunden..
Bräuchte irgendwas für Berlin.
Wäre wirklich unglaublich nett, wenn mir jemand helfen könnte.
Liebe Grüße,
LisaAlina

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  • MyHandicap User
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    Hallo LisaAlina,

    ich habe ein paar Jahr mit geistig behinderten Kinder gearbeitet. Wir sind oft zum Snoezelen gegangen. Hier können die Kinder spielen und sich auch entspannen. Es hat ihnen immer sehr gut gefallen.
    Auf jeden Fall ist das Snoezelen etwas ganz besonderes.
    Lies mal hier nach: http://www.snoezelen-stiftung.de/
    Wenn du Snoezelen-Räume in Berlin suchst, gibt bitte einfach Snoezelen und Berlin in einer Suchmaschine ein. Da findest du einiges. Ich hab schon nachgesehen.

    Viel Glück für dein Abitur
    Michaela
  • MyHandicap User
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    LisaAlina schrieb:
    Hallo,
    ich mache grad mein Abitur und möchte über sportliche und spielerische Aktivitäten für geistig behinderte Kinder einen Vortrag halten. Allerdings lässt sich im Internet nicht so viel finden... Könnte mir irgendjemand weiterhelfen? Wollte erst was mit Autisten machen, habe da aber noch weniger gefunden..
    Bräuchte irgendwas für Berlin.
    Wäre wirklich unglaublich nett, wenn mir jemand helfen könnte.
    Liebe Grüße,
    LisaAlina


    Hallo LisaAlina,

    was Du mit geistig behinderten Kindern machen kannst, hängt stark von der Schwere ihrer Behinderung ab. Schwerstmehrfachbehinderte Kinder können kaum selber aktiv werden. Sie sind darauf angewiesen, daß wir ihnen von Außen Anregungen geben. Wie z.B. im Snoozelraum (Wahrnehmungsraum), wo die Kinder durch äußere Reize ohne Ablenkung sich selber und ihren Körper wahrnehmen lernen, in dem sie Entspannungsmusik hören, bunte Lichter beobachten oder durch verschiedene Berührungsreize ihren Körper wahrnehmen. Für diese Kinder ist das Entzspannung und Sport zugleich.

    In der Schule in der ich gearbeitet habe, sind wir auch regelmäßig ins Schwimmbad oder die Turnhalle gegangen. Je nach körperlicher Fähigkeit, konnten die Kinder sich dort selbständig bewegen oder wurden von uns ins Sportgeschehen integriert.

    Schwimmen:
    Schwerstmehrfachbehinderte Kinder können auf einer im Wasser schwimmenden Gymnastikmatte liegen und so mit einem Helfer einen Slalomparcour absolovieren und/oder Bälle und andere Gegenstände von A nach B transportieren. Dabei ist es egal ob das Kind diese Gegenstände selber festhalten kann oder der Ball auf dem Bauch des Kindes liegt. Es ist ins Spiel integriert und das alleine zählt. Fittere Kinder, die sich selbständig im Wasser fortbewegen können, können diese Aufgaben selbständig oder mit leichter Unterstützung absolvieren.

    Sporthalle:
    In der Sporthalle sind die Bedingungen und Unterschiede ähnlich. Wir machten z.B. Wettrennen von einer Hallenwand zur andern, wobei die Rollstuhlkinder, die sich nicht alleine fortbewegen konnten, von einem anderen Kind oder von einem Helfer geschoben wurden. Die anderen Rollikinder rollten selber und wer es konnte, durfte sich bäuchlings auf ein Rollbrett legen (etwas breiter wie ein Skateboard) und sich so durch die Halle bewegen. Mit diesen Rollbrettern kann man viele Spiele erfinden. Z.B. eine Art Circuit-Trainig mit meheren Stationen und Aufgaben, die in der ganzen Halle verteilt sind. Ob Bälle dabei im Spiel sind oder andere Gegenstände bzw. Hilfsmittel über die drüber klettern oder unten durch kriechen muß, obliegt Deiner Phantasie. Mit Fußgängerkindern kannst Du fast alles spielen, was Du aus Deiner Kindergartenzeit kennst und mit etwas Phantasie lassen sich die Rollstuhlkinder in fast alle Spiele integrieren. Wer nicht selbständig mit anpacken kann, bekommt einen Helfer an die Seite. Hauptsache das Kind ist dabei und mitten drin.
    Ganz besonders gerne mochten diese Kinder auch Spiele mit einem großen runden Tuch. Die Kinder und Helfer stehen dabei im Kreis und jeder hält einen Zipfel dieses Tuches. Auf diese Weise kann man wunderschöne Wellenbewegungen und andere Spiele mit dem Tuch machen (z.B. einer läuft drunter durch). Besonders gerne haben es diese Kinder, wenn man dieses Spiel mit rhythmik Instrumenten oder Musik unterstreicht.

    Lieben Gruß
    Karin
  • MyHandicap User
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    Vielen, vielen Dank! Das hört sich alles schon richtig gut an, damit kann ich auf jeden fall etwas anfangen! Wissen Sie vllt auch etwas über Autisten? Es könnte nämlich sein, dass ich das Thema nicht mehr ändern darf.. Deswegen möchte ich mich einfach über beides informieren.
    Liebe Grüße,
    LisaAlina
  • MyHandicap User
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    Hallo LisaAlina,

    schön das ich Dir helfen konnte. 😉 Selbstverständlich können all diese Spiele auch mit autistischen Kindern gemacht werden. Autisten haben oft gar keine oder nur eine geringe körperliche Behinderung. Wichtig bei Autisten ist, daß Du darauf achtest, das die Gruppe nicht zu groß ist und nicht zu viele Angebote auf einmal gemacht werden. Autisten sind dann schnell überfordert und verweigern sich dann. Lieber weniger akustische und visuelle Reize und eine kleinere Zahl von Aufgaben, dann klappt der Spaß schon. Autisten kannst Du nicht gut übereden oder zwingen irgendwo mit zu machen, wenn sie nicht wollen, dann ist das halt so. Entweder ihnen gefällt es oder es gefällt ihnen nicht. Deshalb rechne ruhig damit, daß ein Kind Deiner Gruppe vieleicht lieber nur von weitem zuschaut. Laß Dich dadurch nicht verunsichern. Mach einfach Dein Programm und halte dabei das andere Kind immer im Augenwinkel. Es reicht wenn Du dem Außenseiter wärend des Spiels immer mal wieder anbietest, eine Aktion mit zu machen. Die Lust kommt oft wärend des zuschauend. Aber wenn es sich nicht locken läßt, ist das auch o.k. Hauptsache man sieht das Du dieses abseits stehende Kind nicht aus den Augen verlierst und mit einbeziehst.

    Ein Tipp noch. Versuche Dein Spiel mit einer Gruppe von Klassenkameraden oder in Deiner Familie mehrfach durch zu spielen. So bekommst Du ein besseres Gefühl dafür was Du gut machen kannst oder was weniger gut funktionert.

    Lieben Gruß
    Karin
  • Ich durfte nun doch meine Leitfrage für die Präsentation ändern und kann mich nun voll und ganz auf geistig behinderte Kinder spezialisieren! Fall Sie noch Ideen haben wo ich noch nachgucken könnte, immer raus damit! 😀
    Vielen Dank für die ausführlichen Antworten!
    LisaALina
  • Hallo LisaAlina, 😀

    es freut mich immer wieder zu lesen, das viele Menschen im Bereich beeinträchtigte Menschen fördern, lese 😀.

    Ich habe erst jetzt deine Frage gelesen, und es sind schon viele gute Tipps und Ratschläge gegeben worden.

    In früheren Jahren bin ich im Bereich der Heilerziehungspflege in Bi-Bethel tätig gewesen, und dort hatte ich auch in der Ausbildung so eine ähnliche Aufgabe, die ich in Praxis auch umsetzte.

    Mein Tip ist, snoezelen finde ich sehr hilfreich. Genauso über Wahrnemungsförderung über die Sinne, ist hilfreich.
    Also Sehen, Riechen, Tasten, Gleichgewicht, Schmecken oder ähnliche Dinge.

    Ich habe damals in einer kleineren überschaubaren Gruppe ein Spiel mit verschiedenen Materialien einen Parcour gemacht, der mit verschiedenen 'Hindernissen' gebaut wurde. 😀

    Dort hatte ich verschiedene Materialien mit Tüchern aus Samt und Seide. Sowie verschiedene Naturalien wie Stroh, Heu und Korn...lacht.
    Damit habe ich eine frische Zwiebel zuletzt und eine Zitrone vorher bzw auch einen Knetball und verbundenen Augen mit entblössten Füssen herübergeführt, betastet und dran gerochen...😀.
    Die beteiligten Personen kannten mich, und hatten auch Vertrauen, denn das ist die Vorraussetzung.
    Eine Person zum betreuen der anderen Teilnehmer muss auch dabei sein.

    Bei autistischen Menschen musst du erst ganz langsam vorher das Vertrauen gewinnen, und das ist sehr schwer. Denn Menschen mit Autismismus sind schnell überfordert, und man muss Geduld mitbringen.
    Gewohnheiten die anerkannt werden von einem a Menschen beginnt man sehr langsam. Vielleicht zuallererst sich in einen Raum setzen, wo man wahrgenommen wird, und ganz lansam akzeptiert wird.
    Nach einiger Zeit sich sehr vorsichtig nähersetzen.
    Man muss schauen, das derjenige nicht überfordert wird. Deshalb halte ich snoezelen sehr empfehlenswert, und vor allem erst mal alleine probieren.

    Viel Glück wünscht dir Marianne

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