Mein Lieblingskollege

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Hallo zusammen,

ich wende mich an Euch, und hoffe, ihr habt Anregungen für mich. 🙁
Und zwar ist es so, das mein Lieblingskollege vor gut einem Jahr eine LungenkrebsOp (mit allem Drum und Dran Chemo-Betrahlung) hatte. Es wurde etwas von dem einem Lungenlappen entfernt.
Seinerzeit vertrug er die Chemo recht gut.
Er fing wieder an zu arbeiten und es sah aus, als ob es überstanden sei.

Nun wurden, auf der anderen Lungenseite wieder 3 sehr kleine Krebsherde gefunden. Er bekommt nun wieder Chemo, diesmal aber eine andere. Er hat mittlerweile die zweite Sitzung gehabt und verträgt es absolut nicht. Übelkeit, Magenkrämpfe.
Er ist immer ein sehr sehr positiver Mensch gewesen und nun, ein Häufchen Elend, sagt seine Frau.
Zu allem Übel kommt hinzu, das er diese Nebenwirkungen derart heftig hat, das er im Krankenhaus liegt, um Schmerz- und Krampftherapiert zu werden. Anders geht es gar nicht.

Mir ist völlig klar, es ist eine wahnsinns Belastung, zum Einen für den Körper und zum Anderen für seine Seele.
Ich stand damals immer im engen Kontakt zu ihm, welcher zur Zeit nicht besteht. Ich rede öfter mit seiner Frau und bin immer gut informiert.

Seine Frau erzählt, das er immer mehr verzweifelt (verständlich) und sogar diese END-Gedanken äussert.
Eine seelische Betreuung lehnt er definitiv ab. 😕

Ich habe mit seiner Frau besprochen, wenn sie das Gefühl hat, er möchte mich sehen, sagt sie mir Bescheid. Wie gesagt, er ist mein absoluter Lieblingkollege und ein Freund.

Was denkt ihr, wie sollte ich auf ihn zugehen? Was tut in der Situation gut?

Ich weiß, es ist schwierig für andere zu reden, aber evtl. habt ihr selber eine ähnliche Situation erlebt und eine Vorstellung, Idee, was angeraten sein könnte.

Viele Grüsse
Christiane



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Antworten

  • Liebe Christiane,

    das ist sicher keine leichte Situation. Ich glaube, du solltest so sein, wie immer. An deiner Stelle würde ich sehr offen in dieses Gespräch gehen. Gucken, ob und über was er sprechen möchte.
    Schön wäre, wenn ihr gemeinsam lachen könntet. Lachen ist eine starke und postive Energie.

    Ich glaube, wichtig ist, dass du da bist, offen, mit Anteilnahme ohne zu große Betroffenheit. Eine positive Grundhaltung wäre wichtig.

    Manchmal sagt auch eine Berührung mehr als 1000 Worte.

    Alles Gute für deinen Lieblingskollegen und dich,

    Iris, Redaktion MyHandicap
  • Hallo Handschuh,

    auch ich war sehr krank und bin in ein tiefes Loch gefallen, wo ich dachte es wäre besser nicht mehr zu leben.
    Wärend dieser Zeit habe ich mich komplett aus dem Leben und von Freunden und Familie zurückgezogen. Wollte niemanden sehen oder hören.

    Meine Familie war total verzweifelt, da ich eigentlích eine Lebensfrohe Frau bin.

    In dieser Zeit, hat sich ich muss zugeben gegen meinen Willen meine beste Freundin besucht, zu der ich immer guten Kontakt hatte und die immer wusste wie es mir wirklich geht. na ja bis zu diesem Zeitpunkt. Sie hat gesagt, ihr wäre es egal ob mir der Besuch gefallen würde. Sie hat mir gesagt, dass sie sich sorgen mache und ich ihr am Herzen liegen würde.
    Ich muss zugeben, dass ich vor freude geweint habe. Hätte mich alleine niemals getraut mich bei ihr zu melden.

    Sie war einfach nur da!! Hat mir zugehört wenn ich reden wollte und mir das Gefühl gegeben, dass ich als Mensch und Freundin gebraucht werde. Sie war einfach nur da, auch wenn ich nur geweint habe.

    Heute muss ich sagen, dass ich ihr unendlich dankbar bin, dass sie so einen Dickschädel hat. Bei ihr konnte ich so sein wie ich mich gefühlt habe, musste nicht stark sein und so tun als wenn ich alles im Griff habe.

    Also ich würde dir raten: Geh einfach zu Ihm!! Oft redet man mit Freunden offener und nimmt Ratschläge besser an, als wenn sie aus der Familie kommen.

    Lieben Gruß Andrea
  • hallo ihr zwei,
    lieben dank. eure sichtweise und erfahrung helfen mir sehr.

    ich werde ganz bestimmt hingehen. durch meine eigene geschichte, weiss ich, wie sehr ein ehrliches offenes umfeld helfen kann. damals lernte ich auch, das schwarzer humor gut tun kann.
    natürlich, hier, an der stelle sicher noch nicht.

    angst habe ich zum glück nicht, ihn zu besuchen.
    ich fragte mich, wie ich ihm am besten zeigen kann, ohne ihn zu überfordern in seinem schmerz, das er mir sehr sehr wichtig ist und ich für ihn und seine familie da sein werde. so ein wenig abwechslung in seinen tag bringen kann, ohne das er wieder abdriftet und am ende sein selbstmitleid ihn ganz runterzieht.
    er scheint gerade ein ganz tiefes tal zu durchschreiten und hat sich, laut seiner frau, sehr verändert (in ziemlich kurzer zeit). das macht mir im prinzip, keine angst ihn zu besuchen. eher im gegenteil. ich glaube ihr habt recht. ganz so sein, wie ich bin und nicht anders.

    ich bekomme morgen ein aktuelles feedback, wie es ihm geht und was die chefvisite heute ergab und werde morgen hinfahren.

    glg
    christiane
  • Liebe Christiane,
    während einer Chemo-Therapie macht man recht unterschiedliche Höhen und Tiefen durch. Mit persönlich hat es immer sehr gut getan Freunde um mich zu haben. Wobei eine positive Ausstrahlung, eine Portion Humor, ein nettes Mitbringsel mich ein Stück weiter gebracht haben. Nicht so gut vertragen habe ich Mitleidvolles Geplänkel.
    Vielleicht kannst du vor einem Besuch im Krankenhaus erfragen in welcher Verfassung sich dein Freund vor einem geplanten Besuch gerade befindet. Die Tagesform schwankt doch während einer Chemo sehr stark.
    LG Sabine
  • mitleid ist echt das schlimmste 🙁 das stimme ich dir voll und ganz zu
    ich konnte und kann das auch nicht ertragen.

    es ist wirklich eine ganz schmale gradwanderung:
    mitleid - mitgefühl

    ich werde einen besuch recht kurzfristig mit seiner frau klären.
    hab ich mir gedacht. evtl. auch als ersatz, falls sie andere dinge klären muss
    und die zeit knapp ist.

    lieben dank dir lisahund.


  • Liebe Christiane!

    Da ich immer wieder in ähnliche Situationen komme,wie Du jetzt bist,möchte ich Dir hier meinen persönlichen Weg aufzeichnen.

    Da ich selbst schwer Herzkrank bin und ich ein Gefühlsmensch bin,mit negativen wie positiven mache ich folgendes:
    Ich versuche mich in den Menschen gegenüber reinzudenken und schreibe im meine Gefühle und und Gedanken in einem Brief.
    Dabei lege ich meist einen frankierten Rückumschlag bei(Nicht immer,kommt auf die finanziele Situation meines gegenüber Angeschriebenen an)

    Ich möcht dem Angeschriebenen die Zeit geben,sein Tun zu überdenken oder seine Handlung frei entscheiden zu können.
    Wenn er oder Sie sich im Krankenhaus befinden sende ich demjenigen das Signal und übermittle es wenn möglich auch noch an einen nahestehenden Besucher.Wann immer der Kranke das bedürfnis hat,mich zu sehen oder zu sprechen,ein Zeichen genügt oder Nachricht eines Nahestehenden,dann bin ich für ihn da und schenke im meine volle Aufmerksamkeit.
    Ich möchte das sich mein gegenüber frei entscheiden kann und sich nicht bedrängt fühlt.
    Manchmal lege ich meinem Schreiben noch ein Geschenk bei,evtl. ein Buch oder Gutschein.Telefonkarte für Klinik habe ich auch schon beigelegt.Lieben Gruß SENDRINE
  • hallo liebe sendrine,

    das könnte ich mir auch sehr gut vorstellen.
    gerade das aufgeschriebene wort ist etwas, was
    sichtbar bleiibt und gut durchdacht werden kann.

    herzlichen dank.

    euch allen und ihr habt mir wirklich weitergeholfen. 😀

    alles gute
    christiane
  • Hallo Handschuh,
    ich würde hinfahren und ihn Besuchen denn sagen wird er es dir bestimmt nicht.
    Erstents weil er vieleicht nicht will das ihn ein anderer so sieht
    und zum andern das du keinen Falschen Eindruck von ihm bekommst.

    Wenn es dein Lieblingskollege ist dann sag ihm das doch einfach
    darüber wird er sich freuen.
    Ich weis aus Erfahrung wenn man es ehrlich meint dann freut sich der andere auch.
    Wer hat nicht gern netten Besuch wenn er erstmal in der Tür steht.
    Vergessen wird er das bestimmt nicht.

    Im Gespräch kannst herausfinden über was du mit ihm reden willst
    oder über was er gerne reden würde.

    Ich denke so das die Leute gerne mit jemand anders reden möchten die eigene
    Familie hat es da schon schwer genug.

    Und so Unerfahren wie du vieleicht Denkst bist doch nicht.
    Bring deine eigene Erfahrung mit ins Spiel Du weist doch am Besten was
    am Wichtigsten ist.
    Du machst schon das richtige.
    Gruß
    Herbi



    Fehler bitte bei Payback eintauschen 😀





  • guten morgen liebe herbi,

    und danke schön 😀

    ich habe vor, heute hinzudüsen.
    ich schätze auch, da wir sehr vertraut sind
    wird es automatisch in die richtige bahn gehen.
    ich hoffe, die chemo schlägt 100 % an.

    liebe grüsse
    christiane

  • Liebe Christiane!

    Ich wünsche Dir die richtige Entscheidung und Deinem Kollegen gute Besserung.
    Vielleicht hilft ihm durch Deine Anwesenheit mehr kampfgeist zu bekommen.Den es macht stolz eine solch verständnisvolle Kollegin zu haben.

    Euch beiden,einen erfolgreichen Tag!!!!!!
    Gruß
    SENDRINE 😀
  • dir und euch allen auch 😀

    lg
    christiane


  • Lieber Christiane,

    das mit Deinem Kollegen tut mir sehr leid und auch die Betroffenheit an Deiner Seite.

    Es wurde von allem was gesagt, was auch ich so handhaben würde.

    Du hast eine so liebevolle, offene Art und er wird sich über Deinen Anruf, einen ehrlichen Brief oder auch einfach über Deinen Besuch sehr freuen.

    Du weist ja am besten, wie Du Dich, als Dein Schicksalsschlag Dich traf gefühlt hast...und deshalb bin ich mir ganz sicher, das Du die richtige Entscheidung treffen wirst.

    Ich hoff, ich konnte Dir, trotz meiner Depression, in der ich immer noch stecke...etwas helfen.

    Schick Dir Kraft.

    Herzliche Grüsse * Kerstin*
  • hallo ihr lieben,

    ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich über eure worte und tipps bin.
    es ist wirklich sehr bemerkenswert, wie sensibel und fürsorglich (trotz eigener *talfahrten*) unterstützt wird.
    lieben lieben dank. 😀

    ich hab gestern mit ihm telefoniert. er war schon arg angegriffe, das hörte ich an der stimme. es gab noch vorgestern eine magenspiegelung, gestern eine darmspiegelung um alles ausszuschliessen.
    es war (so sagte er) alles sprichwörtlich sauber 😉 es liegt also definitv an der unverträglichkeit der chemo.

    da ich nun doch etwas zeitnot habe (heute lauftreff zum letzten mal, morgen kommen meine schwiegereltern aus italien) haben wir uns für samstag nachmittag verabredet. bei ihm daheim, er kommt nämlich heute oder morgen raus. ich freu mich sehr.

    das telefonat war richtig gut.

    ich bin aller bester zuversicht.............

    ich wünsche euch viele helle momente und einen guten start in den tag

    eure
    christiane


  • Guten Morgen Christiane,

    es freut mich wirklich sehr, dass deine erst Kontaktaufnahme positiv verlaufen ist.

    Wünsche euch einen schönen Samstag.


    Lieben Gruß und einen schönen Tag
    Andrea



  • Hallo liebe Christiane,


    ich drück Dir ganz dolle die Daumen für den Samstag und schick Dir Kraft für diesen Weg.

    Aber ich denke, das wird gut und ein Besuch zu Hause, ist oft viel angenehmer als in einer Klinik.

    Und eine tolle Zeit mit Deinen Schwiegereltern.


    Herzliche Grüsse * Kerstin
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