Xandria73 hat geschrieben:
Hallo,
woher wollt ihr denn so genau wissen, wie die anderen uns wahrnehmen? Ich glaub schon dass die Gesellschaft weiß, dass auch bei behinderten Menschen nicht alle über einen Kamm zu scheren sind.
Ich habe übrigens 5 Chefs, von denen wohl keiner solche Vorurteile gegenüber Behinderte hat. Allerdings glaub ich kaum, dass bei uns ein Rollifahrer anfangen könnten, dafür ist das Haus einfach nicht ausgerichtet.
Ob die anderen mich als hilflos wahrnehmen liegt doch in erster Linie an mir selbst.
Es gibt auch viele nicht behinderte Menschen, die so viele „gesundheitliche Probleme“ haben, die komischerweise meistens erst nach der Probezeit auftreten, blos die kann man viel schneller loswerden als einen Behinderten.
LG Xandria
Xandria,
wenn man im Rollstuhl sitzt behandeln die Menschen einen nicht mehr so wie früher. Obwohl man sehr souverän auf tritt, die gleiche Alltagskompetenz hat wie früher und auch die Alltagsaktivitäten sich nicht verändert haben, behandeln einen die Leute denen man begegnet wie einen Behinderten der nichts mehr kann. Auch dann, wenn gerade alles total in Ordnung ist greifen die Menschen in das was man tut ein oder man erhält erst gar keinen Zugang zu den Aktivitäten, die gesunde Menschen machen, weil irgend ein besserwisserischer Fussi meint, daß können Rollifahrer nicht. Weil das täglich unzählige male geschieht, weiß man, daß die Menschen einen anders wahr nehmen als man ist.
Ich war gerade mit Kelly am Rhein spazieren. Das mache ich seit 16 Jahren ziemlich oft. Dort am Rhein begegnen mir jedes mal mehere Rollifahrer. Alle werden geschoben oder fahren einen e-Rolli. Der einzige der seinen Rolli selber fährt bin ich. Aber ich weiß genau, daß es auch andere Rollifahrer gibt, die mit ihrem Rolli genauso weite Wege fahren wie Fußgänger laufen können.
Das man in der Öffentlichkeit so viele Rollifahrer sieht die geschoben werden, liegt nicht nur daran das diese vieleicht behinderungsbedingt nicht selbständig fahren können. Ich habe hier in meinem Umfeld mehere junge RollifahrerInnen, die bis auf ihre Beine, ziemlich fit und gesund sind. Doch weil sie den Klischees entsprechend beraten und geschult wurden und gar nicht auf die Idee kamen ihr Leben könnte anders sein, haben sie nie gelernt was Rollifahrer alles können und führen ein Leben in Abhängigkeit. Leider haben einige davon sich so daran gewöhnt, daß sie verlernt haben sich an zu strengen und für sich selber zu sorgen, obwohl sie dies könnten.
In den Ländern, in denen Menschen mit Behinderung zusammen mit gesunden Menschen aufwachsen, begegnet man mir immer auf Augenhöhe. Dort behandelt man mich, wenn ich souverän auftrete, wie einen normalen Menschen und nicht wie einen „Behinderten“ der nichts mehr kann. Wenn ich die Leute sehen das das was ich tue mir keine Probleme macht, behandlet man mich dort nicht wie jemand der hilfsbedürftig ist. Hier in Deutschland habe ich das noch nicht erlebt. Hier gelte ich als hilfsbedürftig nur weil ich im Rollstuhl sitze. Die Leute sagen mir das sogar ins Gesicht, obwohl sie mich dabei beobachten, wie viel Selbständigkeit ich habe. Und wenn ich einmal eine aufdringliche helfende Hand ablehne und „Nein Danke“ sage, weil das was ich gerade absolut keinen Helfer braucht, sind diese Helfer beleidigt und sagen „diese Rollifahrerin ist doof, denn sie nimmt keine Hilfe an“.
Es ist nicht immer leicht freundlich zu bleiben, wenn einem auf Schritt und Tritt die Selbständigkeit genommen wird. Dinge die für die Menschen denen ich in meinem Alltag begegne früher selbstverständlich waren, kann ich nicht mehr tun, ohne das sie sich einmischen. Xandria, Du hast mich kennen gelernt. Ich wirke nicht unsicher. Das liegt nicht an mir. Es liegt an meinem Rollstuhl das die Menschen mich oft wie einen hilfsbedürftigen Deppen behandeln.
Ich bin sicher, diese Erfahrungen haben auch andere "Behindert"e gemacht. 
Gruß Karin