Ja, Einsamkeit.
Zwischen "jedem" Menschen mit Argwohn begegnen (bis zu einem gewissen Grad ist es übrigens völlig normal, nicht gleich von jedem Fremden Gummibärchen anzunehmen) und zwischen dem entschiedenen klaren kalten Ausgrenzen übergriffiger Amelotatisten sind denn ja auch Welten. Es ist aber in der Tat so, dass ich Leuten neugierig *und* mit extrem wachem Auge begegne. Ich bin ja auch neugierig und, irgendwie erforscht man ja auch die Umwelt.
Eine Freundschafts- oder Paarbeziehung mit einem Amelo kann gerade in gemeinsamen Momenten (aus Sicht der Person mit Amputation) sehr sehr sehr einsam machen. Ich fühlte mich in gewissen derartigen Situationen deutlich alleiner, alleingelassener und einsamer - auch, als wenn ich zu Hause (allein) Socken zusammenlegte. Es gibt Dinge, die sind wirklich schlimmer, als nur allein zu sein, aber ansonsten (allein) schöne Dinge zu unternehmen. Gerade unter dem Aspekt des sich ausgenützt, schlecht behandelt und allein zu fühlen, sollte das Gesagte kritisch betrachtet werden. Wie gesagt: wer sich da nicht auskennt, redet über was, das er NICHT kennt. Es geht bei der systematischen Abweisung von Amelos auch nur um eine Art mehr als (für emotionell Normale) extrem nachvollziehbarer Selbstschutz, die völlig selbstredend und somit mehr als natürlich ist. Bereits die Situation, sowas erklären zu müssen, schaltet die erste Alarmlampe an: was an "Ausnutzen" wurde hier nicht verstanden? Warum? Wie lange schon? Zack, gehen 30 wirklich unbequeme Fragen auf, wenn Du mir sagst, Du versteht das Ausgrenzen abartiger Objektfetischisten nicht. Oder, willst Du das wirklich. Wolltest Du Amelos hier zu Ende besprechen oder reichts schon so. Das ist eher so die Frage. Man kann Dinge auch "ad nauseam" (zum Erbrechen) zu Ende tanzen. War möglich, wird wieder möglich sein.
Dass eine sehr ausgrenzende Haltung gegenüber Amelotatisten hier von der Rennleitung übrigens nicht stahlhart und klar vertreten wird, sondern dass das derartige Texte wie eingangs zitiert veröffentlicht werden, sagt daher praktisch nur über Myhandicap etwas aus. Nicht über das Problem Amelos, noch darüber, wo da die Alltagsprobleme für Betroffene liegen. Bestimmt mag es Ausnahmen löblicher Amelos geben, man hört ja auch Gott gebe es wirklich - aber solange mein Alltag mein Alltag ist, und sich dort an der Eingangsglasscheibe nurmehr aufdringliche, unerträgliche und sonderbare Amelos die Nase blutig schlagen (viel weiter reichts dann meist nicht), ändert sich mein Weltbild auf absehbare Zeit nicht, wieso auch.
Aber ich bin nicht dagegen, dass man sowas wie den von Myhandicap eingangs zitierten Text schreibt. Es braucht Mut, sich zu Amelos zu bekennen. Man grenzt sich aber damit selbst aus, soviel ist nicht nur logischerweise klar - das habe ich auch (was konkret Myhandicap angeht) bereits verbal 1:1 von anderen Amputierten gehört, die hier lesen oder anderen Kontakt hatten, und sich exakt deswegen nicht anmelden oder anmelden werden. Sofern also der Anspruch an ein Amputiertenforum hier bestünde (was ja, sind wir ehrlich, nicht sein kann): ärger kann man sich gar nicht selbst ohrfeigen. Daher ist diese Ehrlichkeit auch frisch, sehr avant garde und wichtig. Es ist etwa, wie wenn Gebrauchtwagenhändler das Tachomanipulieren zugeben, wie wenn katholische Priester Dinge zugeben, die sehr schlimm sind. Sowas muss man sich auch erst trauen.
Aber Amelos haben Risiken und Nebenwirkungen. Sich einsamer als wenn man allein ist zu fühlen, das ist eine davon.