Hallo,
also deine Liste der Schwierigkeiten klingt für mich nach der eines Studienanfängers. Das heißt, dass es vielen Studis so geht. Darum kann dir erst einmal die Standardliteratur helfen. Da gibt es Tipps wie man ein Studium organisiert, wie man sich motiviert usw.
Für den PC und Smartphone gibt es Terminplaner mit Erinnerungsfunktion und Wochenplaner.
Falls es dir möglich ist, verabrede dich mit anderen Studis vor Vorlesungsbeginn. Vielleicht zum gemeinsamen Kaffee. Das zieht meist eher als dem Bett als eine anonyme Vorlesung. (Tipps zum erfolgreichen Studium, Zeitmanagement usw. gibt es in Büchern. Siehe ggf. Stadtbibliothek).
An den Unis gibt es Seminare für Studis mit Prüfungsangst. Auch hier wirst du eher keine besondere Berücksichtigung der Borderline-Stoerung usw. brauchen.
An den Unis gibt es Beratung für Studis mit Behinderung. Mit Kompetenzen im Bereich der psychischen Erkrankungen und passender Nachteilsausgleiche würde ich nicht rechnen.
Deine Diagnose musst du bei Anträgen nicht nennen. Angesichts der verbreiteten Vorurteile würde ich davon abraten.
Im Studium wirst du mit prüfungsähnlichen Situationen konfrontiert werden. In deinem Fach wird man dir auf Dauer kaum ohne Nachteile Gruppenarbeit, Referate vor versammelter Gruppe usw. erlassen. Von daher solte das Ziel m. E. sein, Ängste abzubauen, statt Wege zur Vermeidung zu suchen - zumindest auf Dauer.
Für die Prüfung kannst du als Mensch mit krankheitsbedingt eingeschränkter Konzentrationsfaehigkeit beantragen, dass dir in der Prüfung mehr Zeit (bei gleichem Anspruchsniveau) gewährt wird. Du könntest auch beantragen, dass du für die Abschlussarbeit aufgrund von Krankheit (Diagnose unwichtig) brauchst.
Es wäre ein Versuch wert. Der Umgang mit solchen Anträgen ist an den Unis unterschiedlich. Das Prüfungsamt des Fachbereichs hat evtl. hierzu bereits Regel ausgearbeitet.
Grundsätzlich wurde ich dir raten alles daran zu setzen, dass du in einer fachlich kompetenten Psychotherapie (Facharzt mit Zusatz Psychotherapie oder Psychologischer Psychotherapeut) die Symptome der Borderline-Störung zumindest abzumildern. (Vermutlich arbeitest du bereits daran. Dann weiter so).
Spätestens mit Studienabschluss gibt es keinen Nachteilsausgleich, wenn du das borderline-typische extremes Gefühlschaos gerätst oder depressiv gestimmt nicht pünktlich zur Arbeit erscheinst.
So gesehen ist das Studieren ein prima Übungsfeld, denn dort kann man Dinge im nächsten Semester nachholen usw.
Falls du BaföG-Leistungen beziehst, gäbe es später in Form von längerer Laufzeit Hilfe.
Ich würde also zusammenfassend sagen:
Bücher zum Thema erfolgreich studieren lesen,
ggf. uni-intern dazu einen Workshop besuchen (s. Psychosoziale Beratungsstelle der Uni),
Psychologische Psychotherapie intensivieren, um Symptom-Management zu optimieren und immer wieder mal Durchatmen und sich des Lebens freuen.