Neu hier - niergendwo dazu gehören und andere Gedanken

Huhu zusammen!

Die Kategorie Vorstellung gibts nicht, also setz ich mein Post mal in Suche. Suche ja auch was: Erfahrungsaustausch.

(Wenn das hier nicht stimmt dann bitte verschieben :wink: )


Also erst mal was zu mir ich habe Dysmelie am Arm/Hand. Für mich eigentlich soweit kein großes Thema, in allen Lebensbereichen bestens „intergiert“ (blödes Wort ). :slightly_frowning_face:
Aber manchmal wünsche ich mir ich könnte mich mit jemand austauschen der auch ein Handicap hat. Ich war als Kind und Jugendlicher bis heute immer die einzige in meinem Umfeld die eine Einschränkung hat. Deshalb habe ich irgendwie auch damit nur einen Umgang gelernt: „einfach so tun als wäre das nicht da“ :wink:
Das funktioniert halt immer nur so lange bis es einem wieder bewusst wird in einer Situation im Alltag und dann trifft es einen umso krasser.

Ich habe mich halt nicht behindert in dem Sinne gefühlt, aber auch nicht normal. Kennt das noch jemand von euch?

Also ich versuche mein Handicap meistens zu verstecken so gut es geht (im Sommer eher schwierig). Vielleicht nicht so sehr wegen des Schämens, sondern ich denke dann immer, wenn jemand der mich nicht kennt meine Behinderung sieht, dann verändert das den ersten Eindruck. Vielleicht auch nicht richtig??

Soweit mal ein kurzes Statement von mir.
Ich hoffe ich kann mich hier so oft es meine Zeit zulässt beteiligen!

ena**


Erst einmal http://www.smileygarden.de/smilie/Liebe/em53.giflich willkommen hier.

Habe früher auch immer gehofft, meine Krankheiten wegdenken zu können. Bei mir war es der Gedanke, die Gesellschaft braucht keinen eingeschränkt tauglichen. :enraged_face:

Doch irgendwann kommt man auf den Gedanken - Eingeschränkte nehmen niemandem etwas weg, im Gegenteil, sie bereichern die Gesellschaft. Das soll keinesfalls arrogant klingen, hilft aber ungemein, das Bild des „Normalos“ etwas gerade zu rücken.

Ich persönlich stand schon immer auf dem, zugegebenermaßen etwas naiven, Standpunkt, Menschen unterstützen zu müssen, so weit ich es kann. Viele brauchen halt keine Hilfe, nur Unterstützung. Und genau das fängt in den Köpfen an. Eingeschränkte Menschen zeigen offen ihr Handicap, und die anderen unterstützen ganz selbstverständlich.

http://www.smileygarden.de/smilie/Blumen/58.gif Ach, wäre das schön. http://www.smileygarden.de/smilie/Blumen/58.gif

Du brauchst deine Handicaps nicht zu verstecken sondern zeige andere, wie gut Du trotz deine Handicaps dein Leben lebst und das zeigt „Stärke“ !
„Du bist Du“ :wink:

hallo,

ja so geht es mir genau auch. Ich versuche mein geistige behinderung auch zu ignorieren oder habe imer so getan ich würde alles sofort verstehen, was zu meinem Leid wesen wurde. Den Qualität & Quantität funtionieren bei mir nicht. Und dies merke ich in meinem Leben sehr oft.( ich habe keine schnelle Aufassungsaufgabe und kann sie nicht sofort umsetzen).

Deswegen hatte ich schon zahlreiche Jobs ohne Erfolg.Deswegen zur Zeit Rentner
:slightly_frowning_face:.

Nun ja so fühlt man sich ausgeschlossen aus der Gesellschaft.Das eine mal, weil man keinen Job hat zum anderen, weil man mit wenig Geld aus kommen muss und nicht am Leben teilnehmen kann.


Gruß cubytischa


Ersteinmal Danke für das Herzliche Willkommen :smiling_face_with_sunglasses: !

Also ich persöhnlich finde das mit dem Verstecken eine natürlich Reaktion.
Ich hab das von Anfang gemacht und es fällt mir selbst teilweise gar nicht mehr auf. Ich muss mich regelrecht zwingen, wenn ich ohne Verstecken auskommen will - im Urlaub „trainiere“ ich das manchmal, da fällt es mir leichter :grinning_cat:

Ich persönliche finde nicht, dass es meine Aufgabe ist meiner Umwelt diesbezülich zu helfen damit klar zu kommen. Entweder die anderen kommen klar oder nicht, das ist denen ihr Problem - nicht meins. Wenn sie mit dem Handicap nicht klar kommen, können sie auch mit mir nicht klar kommen - helfen will ich da niemand. (Vielleicht ist das jetzt zu hart ausgedrückt, aber so isses)

Manche Leute reagieren schon etwas putzig auf ne Dysmelie. Eine Frau hat mir mal „Gute Besserung“ gewünscht - da musste ich echt lachen. Das zeigt, dass sie noch nie damit in Berührung gekommen ist.


mhm… im August geschrieben… nun ist November…

Liebe Ena, ich weiß nicht, ob du noch an einer Antwort intessiert bist… hier gibts jetzt eine.

Ich kenne das von dir geschriebene sehr gut. Unter Normalos aufgewachsen, habe ich z.T. ähnliches denken wie die drauf… Probiere meine Behinderung auch im Urlaub extremer aus als in der realen Welt, also zuhause und in der Arbeit.

Selbst jetzt als Rollifahrerin (was bis letztem Jahr nicht so wahr), fällt es meinem Kopf extrem schwer, das zu akzeptieren, suche dann Unterschiede, so dass ich nicht „zu denen da“ gehöre…
Wahrscheinlich diskriminiere ich mich damit selber, gehöre nicht zu den Gehenden (nicht mehr bzw. nicht mehr so richtig) … zu den Rollis auch nicht…

Die Menschen „aufklären“, „helfen“… oder heftig ausgedrückt: Ich verhelfe ihnen zu einem „Heiigenschein“ mehr…
Natürlich helfe ich den Menschen mit uns Behinderten besser umgehen zu können. Wenn ich das nicht will, darf ich 1. nicht mit Kindern arbeiten oder 2. nicht aus dem Haus gehen…oder aber 3. sobald mich jemand anspricht und seine Hilfe anbietet (was ständig passiert) schreie ich ihn an, so dass er nichts lernt…

Zur Verdeutlichung: ich lasse meinen E-Rollstuhl von der Verladehilfe ins Auto heben, kommt ein Opa mit Gehwagen vorbei und fragt ob ich Hilfe brauche,ohne zu schauen ob er überhaupt in der Lage wäre…
Inklusion wäre: er schaut ob ich Hilfe brauche und lässt es dann bleiben
Aber nein, die Menschen wurden dazu erzogen, Hilfe anzubieten… nicht zu denken oder zu schauen…
Der Opa hat es nur gut gemeint, da kann ich ihn doch nicht anschnauzen oder … wie auch immer reagieren.,.. natürlich erkläre ich ihm, warum seine Hilfe fehl am Platze ist…

Manchmal sage ich auch, dass mein Zivi mich unterstützt… oder ich Frage, ob sie mir beim Knopf drücken behilflich sein wollen. Oder aber (was häuiger passiert) ich lehen dankend ab und erkläre, dass sie der 1000 ste sind der seine Hilfe anbietet… mir würde es jetzt immer schwerer fallen, freundlich nein zu sagen…

So, Feierabend.
Schluss ab nach Hause.
Lieben Gruß
Mona



ena hat geschrieben:

Also ich versuche mein Handicap meistens zu verstecken so gut es geht (im Sommer eher schwierig). Vielleicht nicht so sehr wegen des Schämens, sondern ich denke dann immer, wenn jemand der mich nicht kennt meine Behinderung sieht, dann verändert das den ersten Eindruck. Vielleicht auch nicht richtig??



Alles sichtbare beeinflusst / veraendert den ersten Eindruck. Du hinterlaesst also einen Eindruck GANZ EGAL wie Du daherkommst. Ich habe zu vielen Aspekten des Angesehen werdens / sich Her-Zeigens ganz unterschiedliche Reaktionen bekommen, zu Beginn auch gesucht und bei anderen abgefragt.

Und es ist zusammengefasst derart widerspruchlich, derart spannungsreich auch, man kann es niemandem recht machen, die Umwelt - gesamthaft - weiss bestenfalls selbst nicht, was sie will - schlimmstenfalls ist sie in sich selbst widerspruechlich und zerrissen.

Sieht man es sich dann im Detail an, wird man aus der voellig verwirrten Umwelt noch weniger schlau:

1) Erste Frage - ausgehen und sich herzeigen oder daheim bleiben. Ja, geht man aus, heisst es, was tut so einer im Ausgang, der soll doch daheim bleiben. Bleibt man daheim, heisst es, so traust Dich nicht raus oder was. Es sind zT. sogar DIESELBEN Leute, die beide Ansichten haben, miteinander. - Fazit: ich gehe dann, wenn es mir passt. Ich bin mir aber klar bewusst, dass sich andere an der Behinderung massiv stoeren koennen. Eine Partyteilnehmerin hat einmal meinen kaputten Arm gesehen und laut zu ihrem Partner gesagt, DAS ginge gar nicht, kurz drauf sind sie gegangen. - Eine Schwimmvereinskollegin hat mir einmal genau erlaeutert, ich und konkret die Behinderung bei mir sei der Grund, weswegen sie sich vom Training abgestossen fuehle, und weswegen sie weiterhin nicht mehr kommen koenne. Analoge und sehr klare verbale Angaben habe ich dann auch von weiteren Leuten erhalten in diesem Verein - aber dann sind natuerlich dort Leute, die wie ich dem Koerperkult froenen und sich fit halten, da muss man wohl hinnehmen, dass eine sichtbare Behinderung andere bei ihrem Koerperganzheitswahn stoert - ja, Wahn, denn die kommen schick, sehen ganz und vollstaendig und braungebrannt aus und tun wie wenn ihnen das Alter nichts anhaben koennte, reden dann aber von kaputten Schultern oder Knien, ruhen die Gelenke dann aber nicht etwa aus. Wie man sieht, ein sagen wir mal spezielles Umfeld. - Ich tue denen also schon einen Gefallen, wenn ich NICHT hingehe, weiss umgekehrt, dass wenn ich da oder dort trotzdem auftauche, dass ich von diesen Menschen gar nichts zu erwarten habe, ihnen aber auch relativ wenig schuldig bin. Weiters aber traegt meine Anwesenheit klar dazu bei, dass es andere mit Behinderung vielleicht etwas einfacher haben, in diesen Kreisen zu verkehren. Und es sind nicht alle so, das darf man anfuegen.

2) Zweite Frage, Armstumpf verkleiden mit Socken oder nicht. Tut man es nicht, gibt es Leute die sagen, musst Du das denn dauernd herzeigen. Antwort - klar, die anderen zeigen ihre hoch-intelligenten respektvollen Gesichter ja auch dauernd her. Traegt man was unauffaelliges in der Art einer Socke oder so auf dem Stumpf, sind andere oder gar dieselben Leute der Ansicht, ich koenne wohl nicht zur Behinderung stehen und das sei nun wirklich verklemmt. - Fazit: es ist schlicht unmoeglich, es allen recht zu machen, und da die das auch nicht wissen, was sie wollen, erledige ich diese Entscheidung fuer andere. Ich entscheide da aus dem Bauch heraus.

3) Dritte Frage. Prothese anziehen oder nicht. Dasselbe wie beim Socken. Es gibt Leute die der Ansicht sind, keinesfalls eine Prothese, die echte Person saehe man sonst gar nicht. Dieselben Personen oder andere aber sind GLEICHZEITIG auch der Meinung, ohne Prothese sei ich sicher zu stark behindert oder es stoert optisch. Daher solle ich doch sowenig wie moeglich auffallen oder stoeren, die Silikonhand und langaermlig sei sehr gut dann. - Ja, und was macht man da? Es ist schwierig, ich bin auch im Dilemma. Oft aber faellt mir dann ein, dass ich sowieso das Wohlfuehlbild stoere, ziehe daher die Prothese an, verstecke den Schaden so gut es geht - andere Male habe ich davon die Schnauze gestrichen voll.

Es geht genau so weiter mit weiteren Fragen, daher genuegt es, hier einen Strich zu machen.

Es ist ein spannungsreiches Thema. Es gibt keinen echten Ausweg, ich versuche eher die Balance zu finden. Aber man wird - je nach dem wo und von wem - durchaus auch weggeekelt oder wenigstens werden Versuche unternommen, und damit muss man umgehen lernen, ich finde das nicht einfach, da den richtigen Ton zu finden. Man wird gleichzeitig dickhaeutiger und emfindlicher. Behandeln mich in einer Woche vielleicht drei Leute wie eine Kakerlake, ist es anstrengend, ihnen den Gefallen nicht auch zu tun und in der Tat ist das dann ein Problem.

Mit dem Erst Verstecken und Dann Herzeigen hat eine Bekannte von mir keine besonders gute Erfahrungen gemacht. Also, zwar ist auf Anhieb die Kontaktaufnahme gerade am Wochenende im Ausgang teils einfacher aber umso haerter die Bauchlandung, wenn es dann doch nicht weiter verheimlicht werden kann. Also, man kann sich gleich drauf einstellen, das Leben ist schlicht und ergreifend komplizierter, was das angeht.

Da es schon als Provokation empfunden wird, wenn ich ueberhaupt da oder dort auftauche, gebe ich dem auch noch einen hinten drauf; die eine Prothese hat einen dunkelroten kosmetischen PVC-Handschuh drauf, und dann wird auch den Verwirrtesten klar, aha, klare Sache, da gibts nicht viel zu verhandeln. Ich habe rasch rausgefunden, dass die Versteckversuche eher nutzlos sind, was das Treffen von Leuten angeht - es ist nur dann sinnvoll, wenn man in der Bahnhofshalle, im oeffentlichen Verkehr oder beim Anstehen vor dem Kino nicht auffallen will, dann ist Verstecken absolut prima.

Letztlich ist das alles egal - mit sichtbarer Behinderung wird man schlicht und ergreifend ausgegrenzt, Ende der Durchsage. Einfach drauf einstellen. Und da man dann ohnehin entweder ganz auf sich selbst oder auf die paar Leute gestellt ist, die damit kein Problem haben, kann man es mit sich selbst und dem direkten Umfeld abmachen, was fuer einen selbst bzw. die Betreffenden stimmt oder nicht stimmt, was man versteckt oder nicht.
Was mir klar geworden ist:
-alle Menschen sind ambivalent (ich eingeschlossen)...
-angeblich Gesunde wollen nicht mit dem "Verfall" konfrontiert werden... da dies ihre eigene Vergänglichkeit deutlich machen würde...

Und die Einbildung, dass "man" sich für perfekt hält...

so weit, weiterhin schöne Adventszeit
Mona
Was mir klar geworden ist:
-alle Menschen sind ambivalent (ich eingeschlossen)...
-angeblich Gesunde wollen nicht mit dem "Verfall" konfrontiert werden... da dies ihre eigene Vergänglichkeit deutlich machen würde...

Und die Einbildung, dass "man" sich für perfekt hält...

so weit, weiterhin schöne Adventszeit
Mona
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