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Gilt Depression als Behinderung? Studienfinanzierung möglich?

Hallo an alle Leser!

ich heiße Jess und bin 34 Jahre alt. Im Alter von 25 Jahren bin ich an Depressionen erkrankt. Ich mußte deswegen mein damaliges Studium abbrechen, weil ich es aufgrund der Erkrankung nicht geschafft habe, nebenbei zu arbeiten um das Studium finanzieren zu können. Ich hatte damals noch Bafög bekommen, aber weil ich wegen der Erkrankung und meinem damaligen Job nicht alle Leistungsnachweise hatte, wurde mir Bafög gleich gestrichen. Ich mußte das Studium im Endeffekt aus finanzieller Problematik abbrechen, ohne Abschluß, weil ich es aus gesundheitlichen Gründen nicht nebenbei arbeiten konnte.

Nun sagten meine Ärzte, daß die Möglichkeit bestünde mich wegen der Depressionen als behindert zu schreiben. Ich würde gerne wieder ins Studium gehen, zumal ich von der Hauptschule alle Schulabschlüsse nachgeholt habe. Da ich aber psychisch nicht in der Lage bin noch nebenbei zu arbeiten, ist dies nicht möglich. Ich könnte das Studium nicht finanzieren. Ich leide psychisch sehr darunter nur mit Helferstellen von der ARGE abgefertigt zu werden und eben nichts lernen zu können.

Gibt es irgend eine Hilfe für mich und gilt eine Depression wirklich als Behinderung?

Gibt es irgendwelche Fördermöglichkeiten für psychisch Kranke, so daß ich wieder studieren könnte? Bafög hatte ich ja schon einmal bekommen und das bekommt man ja nur einmal. Außerdem spielt mein Alter da ja auch eine Rolle.

Ich bedanke mich ganz herzlich im Voraus für eine Antwort!

Liebe Grüße von Jess

Antworten

  • Hallo Jess,

    sei willkommen.

    Ja es gilt als Behinderung. Habe Dir hier einen Link.

    http://www.gesetze-im-internet.de/versmedv/anlage_8.html

    Da ich selbst auch diese Erkrankung seit Jahren habe , kann ich deine Not gut verstehen. Lernen fällt mir schwer was nicht nur an meinem Alter (46 Jahre) liegt.
    Ohne Einkaufszettel vergesse ich was eingekauft werden muß. Ohne Kalender geht gar nichts.

    Habe eine Psychologin die mir hilft wieder gesund zu werden. Auch eine gute Ärztin die mir immer wieder Hoffnung macht nicht aufzugeben wenn mal wieder alles schief geht.

    Mal schauen was mein Rehaberater der Rentenversicherung mir im Februar sagt. Die EU Rente wurde ja abgelehnt weil ich ja "Gesund" bin. Eine Klage beim Sozial Gericht hätte mir meine letzte Kraft genomen. Diese Entscheidung hatte ich mit der Ärztin und meiner Psychologin besprochen. Auch der VDK meinte lieber etwas warten und später einen neuen Antrag stellen.

    Werde auch einen neuen Antrag beim Versorgungsamt stellen weil neue Schäden vorhanden sind. 30 GdB/GdS habe ich bereits wegen anderer Erkrankungen.

    Die Frage über Hilfen beim Studium kann ich dir nicht beantworten, da kenne ich mich nicht aus.

    Es gibt hier aber einige Leute die Dir bestimmt dabei helfen können.

    Wünsche Dir/Allen ein schönes WE

    Gruß

    Gastone




  • Hallo,
    Depressionen gehören zu den psychischen Erkrankungen. Ich gehe davon aus, dass du die Diagnose durch eine Person erhalten hast, die Psychiater oder Dipl.-Psychologe ist und nicht etwa vom Hausarzt.

    Der Bafög-Anspruch ist nicht mehr gegeben. Die Zahlungen wurden eingestellt, weil du die Anforderungen laut Studienordnung nicht erfüllt hattest. Das konntest du krankheitsbedingt nicht. Das Geld wurde gestrichen. Das ist zulässig.

    Was wäre bei Wiederaufnahme des Studiums?
    Nur wenn du dich exmatrikuliert hättest, weil du gesundheitlich nicht in der Lage warst, hättest du eine Chance auf Fortsetzung der Leistungen gehabt. Das muss man bei der Exmatrikulation dann auch so angeben.
    Die Förderung setzt auch nur dann wieder ein, wenn umgehend nach Wegfall des Hinderungsgrund das Studium (auch begründete Fachrichtungswechsel) wieder aufgenommen wird. Also, mit Besserung der Krankheit musste man sich sofort wieder an einer Uni/ FH einschreiben. Das scheint bei Dir nicht anwendbar zu sein. Also in deinem Fall kein Bafög-Anspruch für ein neues oder die Wiederaufnahme des alten Studiums.

    Du schreibst, dein Arzt habe angeboten dich behindert zu schreiben.Okay. das ist wohl ein Missverständnisse.
    Man kann einen Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung stellen. Zuständig ist das Versorgungsamt am gemeldeten Wohnort. Dein Arzt wird vom Amt gebeten einen Befundbericht und Unterlagen einzureichen. Das Amt prüft und entscheidet, ob eine Schwerbehinderung vorliegt.
    Du könntest dort einen Antrag stellen, deine Beschwerden im Alltag schildern.
    Es kann sein, dass du einen Schwerbehindertenausweis bekommst, weil du im Vergleich zu gesunden Menschen in deiner Altersgruppe seit mehr als 6 Monaten durch die Folgen der Depression in der Alltagsbewaeltigung erheblich eingeschränkt bist. Ich schreibe das absichtlich so, denn es gibt für Diagnosen kein Schwerbehindertenausweis, sondern für Funktionseinschraenkungen. Dazu kannst du dich ausführlich in alten Beiträgen hier auf der Seite informieren.

    Was nutzt ein Schwerbehindertenausweis bei psychischer Erkrankung?
    Meist nichts. Selten wird ein Merkzeichen vergeben. Hilflos bist du nach dem Gesetz nicht, da du keine 24 Stunden Beaufsichtigung oder eine tägliche Pflege brauchst.

    Aufgrund deiner psychischen Einschränkungen erhältst du keine finanziellen Mittel für ein Studium. Egal, ob du einen Schwerbehinderten-ausweis für deine psychische Erkrankung hast oder nicht. Mögliche Erleichterungen (Assistenz, Stehpult u.a) treffen wegen der Art der Behinderung nicht zu. Mir fällt nichts ein, was dir an dem Ausweis so sehr nützt, dass ich dir zu einem Antrag raten würde. Das kann natürlich an meinen Wissenslücke liegen. Schon mal an der Uni beim ASTA gefragt?

    Es besteht m. Wissens auch kein Anspruch auf Förderung zu einem hohen Abschluss, z. B. als eine Art Reha. Auch hier gilt: An den richtigen Stellen nachfragen.

    Du giltst als ungelernt. Das ist schlimm, da du viel in die Bildung investiert hast.
    Auf dem Niveau "ungelernt" musst du nicht bleiben, aber wirst auch keine finanzielle Hilfe von Behörden für ein Studium bekommen.

    Das Problem war damals beim Studium die Depression. Die scheint nicht oder nicht viel besser geworden zu sein. Sie geht mit mehr Geld auch nicht weg.

    Meine Einschätzung:
    Dein Hauptberuf oder Studium ist nach meiner Meinung zurzeit die ganze Kraft daran zu setzen, die beste Behandlung für deine Erkrankung zu bekommen. Werde Experte für Deine Beschwerden, um mit dem richtigen Profi (ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten) für deine Krankheit so gesund zu werden wie möglich. Ist die Das kostet Kraft. Es hat aber Langzeitwirkung.
    Vielleicht noch mal einen Anlauf in diese Richtung wagen.


    Falls du einen Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung stellen möchtest, lies bitte noch im Forum die Beiträge zu möglichen Nachteilen.

  • Hallo,

    hier gibt es einige Informationen zu Fragen rund ums Studium mit einer Behinderung:
    http://www.myhandicap.de/studium-mit-behinderung.html

    Hinweis auf Anlaufstellen: http://www.myhandicap.de/studieren-hilfe-vereine.html

    Hier: http://www.studentenwerke.de/pdf/Handbuch_Studium_und_Behinderung_7_Auflage.pdf findet sich eine Broschüre des Studentenwerks zu Studium und Behinderung mit einem Kapitel "Finanzierung des Lebesnunterhalts".

    Wir hatten in diesem Forum auch in den letzten Monaten einige ähnliche Anfragen, die vielleicht für Dich von Interesse sind. Einfach mal "Studium" in die Suchmaske eingeben und dich durch dich Ergebnisse klicken.

    Kurz zusammengefasst:

    - Es gibt einige Vergünstigungen für Studierende mit Behinderungen, z. B. Erlass der Semestergebühren an vielen Unis, ggf. verlängerter Prüfungsfristen.

    - Bei der Studienfinanzierung gibt es besondere Förderungen im Wesentlichen nur bei behinderungsbedingtem Mehrbedarf, der bei Dir, wie xxxx schon schrieb, wohl nicht vorliegen dürfte.

    - Das heißt, Du hast, da BaföG nicht mehr möglich ist, die Möglichkeit, Dich für eine Stipendium zu bewerben - einige Infos zu Stipendien spezielle für behinderte Studierende: http://www.myhandicap.de/stipendium-studenten-behinderung-foerderung.html. Ob das bei einem einmal abgebrochenen Studium ausssichtsreicht ist, kann ich nicht beurteilen. Es gibt daneben auch die Mögilchkeit einen Studienkredit aufzunehmen. Andere Sozialleistungen (ALG etc). gibt es nur in sehr begrenzten Ausnahmefällen, siehe dazu die o.g. Broschüre.

    Ansonsten würde mir noch einfallen, ob Du vielleicht ein Fernstudium aufnehmen könntest. Da kann mensch sich die Zeit dann freier einteilen, als bei einem Präsenzstudium - vielliecht könntest Du das dann doch neben den Jobs, die Du aufs Auge gedrück bekommst, nach und nach machen?


    Lieben Gruß, ananim
  • Nachtrag: Hier gibt es einen Leitfadien mit Stiftungen, die Stipendien (auch) an Studierende mit Behinderungen vergeben, http://www.behindertenbeauftragter.uni-wuerzburg.de/fileadmin/32500250/_temp_/Stipendienfuehrer_verbessert.pdf

    Alles Gute, ananim
  • Hallo Jess, erst Mal herzlich willkommen hier im Forum.
    Du hast ja schon einige Antworten bekommen. Und ich hab jetzt leider nicht die langen Texte durchgelesen, geb ich zu.
    Aber zu deiner Frage, die ja eindeutig ist:

    Eine Depression ist m. E. keine Behinderung.
    Aber in einem Artikel heir bei MyHandicap habe ich folgenen Abschnitt gefinden:

    Zitat! : Schwerbehinderung: Depressionen als dauerhafte Einschränkung

    Als schwerbehindert gelten Menschen, die aufgrund einer Erkrankung dauerhaft und wesentlich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sind. Dies gilt nicht nur für körperliche Erkrankungen, sondern auch für psychische Erkrankungen. Deshalb können von Depression Betroffene unter bestimmten Umständen einen Schwerbehindertenausweis erhalten. Maßgeblich hierfür ist, dass die Depression länger als sechs Monate anhält. Der behandelnde Arzt kann durch ein Gutachten in diesem Fall helfen, dass Betroffene einen Schwerbehindertenausweis beantragen können. Zitat Ende!

    Ich selbst habe in 2002 einen Schwerbehindertenausweis wegen psychischer Probleme bekommen. Hauptsächlich wegen einer mittelgradigen Depression, die eben länger als 6 Monate anhielt und ein paar anderer Faktoren (Klinikaufentlhalt, Beeinträchtigung durch Mobbing).

    Jess, zu deiner Studiumfinanzierung kann ich leider nix schreiben. Da kenn ich mich überhaupt nicht aus.
    Gruß
    Matthias
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