Liebe sushi3105,
wenn Deine Tochter, so wie Du beschreibst, im Moment in einer Verfassung ist, die sogar eine Zwangseinweisung nötig gemacht hat, dann können wir wohl davon ausgehen, dass ihre Welt aktuell total aus den Fugen geraten ist. Wir professionellen Helfer sprechen da von einer Krise. Und die scheint ja im Fall Deiner Tochter sogar bis hin zu Selbstverletzung und evtl. auch Suizidgedanken, die vor allem bei schwerer Depression immer mal wieder auftreten können, zu reichen. Ein Aspekt so einer Krise ist, dass viele Dinge in dieser Zeit ganz anders, oft auch zu schlimm/negativ gesehen werden. Einen ausgewogenen Blick auf Sachverhalte zu werfen, das ist den Betroffenen nicht immer möglich. Vielmehr schwanken sie sehr zwischen den Extremen. So wie Du auch Deine Tochter beschreibst (also die Briefe, in denen sie Sehnsucht nach Dir/euch bzw. Ablehnung ausdrückt). So schwer das für die Angehörigen auch auszuhalten sein mag, es ist sehr wichtig, dass man das Schwanken in dieser Krisenphase nicht auf die Goldwaage legt. Was ich damit sagen will: Deine Tochter wird vielleicht Dinge sagen, die sie so extrem gar nicht wirklich vertritt… sobald sie in einer ruhigeren Phase darüber nachdenken kann. Dann wäre es wichtig, dass Du, auch wenn Dich das verletzt, als eben die Partei, die nicht in der Krise steckt und gerade den klareren Blick und die weniger chaotischen Emotionen hat, auf eine ruhige und gefasste Art reagierst. Ich denke, dass auch in der Klinik, in der Deine Tochter ist, die betreuenden PsychologInnen und ÄrztInnen sicher Familiengespräche, wenn die Zeit dafür reif ist, anbieten werden. Da kann man dann anfangen, Dinge zu klären.
Ein wichtiger Hinweis noch: manchmal trauen sich Menschen aber auch erst in einer Krisen-Phase, Dinge zu sagen, die sie vorher aus den unterschiedlichsten Gründen nicht sagen konnten. Egal wie extrem formuliert… in den Aussagen Deiner Tochter wird sicher ein wahrer Kern stecken und den gilt es, gerade jetzt, ernst zu nehmen. Sie spricht Dinge an, die ihr zu schaffen machen. Diese Ansprechen kann aber genau der erste Schritt in eine gute Veränderung sein, den ihr braucht, um als Familie wieder zusammenfinden zu können. Auch wenn das Zeit und Nerven und Schmerz kosten kann.
Freundliche Grüsse