Ich bin zwar in der Schweiz, habe aber bisher in jeder Bewerbungsphase Diskriminierung erfahren:
Ich bin Autistin und habe meine Ausbildung im 2. Arbeitsmarkt gemacht. Wenn potenzielle Arbeitgeber aus dem 1. Arbeitsmarkt den Namen meines Ausbildungsortes googeln, ist sofort ersichtlich, was das für ein Ort ist.
Nach der Ausbildung war ich 10 Tage arbeitslos. Das tönt nicht nach viel, wenn man aber bedenkt, dass der Ausbildungsort einen Vollzeitmitarbeiter hat, dessen Aufgabe es ist, mit den Lernenden eine Anschlusslösung zu finden (und Arbeitslosigkeit ist hier nicht als Anschlusslösung gemeint), dann ist das doch viel. Also selbst mit Hilfe bei der Jobsuche hat es erst spät geklappt. Fairerweise muss ich hier erwähnen, dass ich einen Klinikaufenthalt plante und deswegen einen Job für rund zwei Monate suchte, was die Möglichkeiten schon sehr einschränkte.
Nach rund eineinhalb Jahren bei meinen jetzigen Arbeitgeber war eigentlich geplant, dass meine Stelle aufgrund Umstrukturierung abgebaut wird. Während fünf Monaten war ich also intensiv auf Stellensuche, während rund zweieinhalb dieser Monate erhielt ich dabei Unterstützung in Form eines Coachings. Ohne Erfolg. Meine Coaching-Person hat mehrere Strategien ausprobiert. Ich wurde oft zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, danach jedoch stets abgelehnt.
Auffällig war in dieser zweiten Bewerbungsphase, dass ich trotz meiner bereits gesammelten (ersten) Berufserfahrung im 1. Arbeitsmarkt in den meisten Vorstellungsgesprächen auf meinen Ausbildungsort angesprochen wurde. Oft wurde ich auch nach dem Grund gefragt, weshalb ich die Ausbildung dort gemacht habe. Ich war also gezwungen, meine Behinderung offenzulegen, auch wenn ich dies nicht in allen Fällen wollte.
Meistens geben Unternehmen den genauen Grund für eine Absage nicht bekannt. Es gab bei mir aber in zwei Fällen (schriftliche) Absagen, die sich auf Autismus bezogen. In einem Fall war es sogar so, dass die Absage zunächst nur an meine Coaching-Person ging und erst mit einigen Tagen Verzögerung an mich. In diesem Fall wurden auch mir und meiner Coaching-Person unterschiedliche Dinge erzählt. Der Coachig-Person gegenüber wurden Bedenken bezüglich meiner Behinderung geäussert, mir gegenüber jedoch nicht. Auch nicht auf meine Nachfrage hin.
Der Plan meines Arbeitgebers hat sich glücklicherweise geändert, sodass meine Stelle schliesslich doch bestehen blieb. Jetzt kann ich nur hoffen, dass dies weiterhin so bleibt und es nicht demnächst wieder eine Planänderung diesbezüglich gibt. Denn besonders diese kürzliche Bewerbungsphase hat mir bewiesen, dass ich im 1. Arbeitsmarkt grundsätzlich nicht erwünscht bin.