Kfz Beihilfe zum erreichen des Arbeitsortes

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Hallo,

vielleicht kann mir hier schonmal jemand weiter helfen, denn mittlerweile bin ich wirklich total verzweifelt, wegen der ganzen Bürokratie. Womöglich hat jemand von Euch ja selbst schon diese Erfahrung gemacht und weiß Rat.

Ich hatte im Alter von 5 Jahren einen schweren autounfall, den ich knapp überlebte, aber wodurch ich meinen rechten unterschenkel verlor. Ich trage seit dem eine Prothese und bin 70 % schwerbehindert. Als ich 16 war, und gerade ins Berufsleben eintreten wollte brach eine posttraumatische belastungsstörung bei mir aus, die ich wohl schon seit dem unfall hatte, aber bis dahin ging es mir weitestgehend psychisch gut. Von da an jedoch nicht mehr. ich musste viele Jahre therapie machen und schaffte es nicht so recht in das berufsleben einzusteigen. Umso glücklicher war ich, als sich die jahre lange therapie auszahlte und ich endlich wieder arbeitsfähig war. letztes jahr schaffte ich dann den Abschluss meiner umschulung und suchte ca. 6 Monate lang nach einer Anstellung. Es kam mir schon fast so vor als wäre es aussichtslos, dass mich überhaupt jemand einstellte, denn einige Arbeitgeber, wenn nicht sogar alle, waren wegen meiner behinderung sehr skeptisch. Obwohl ich einen Job im büro gesucht habe und diesen ohne weitere ausüben kann. Ich bat auch das Arbeitsamt, mir stellenangebote zuzuschicken, was die Agentur auch tat und bei einer davon hatte ich sogar glück. ich wurde eingestellt. zunächst war ich natürlich froh darüber, aber der Weg zur arbeit stellt für mich ein unüberwindbares problem dar.

ich arbeite vollzeit und pendel fast drei stunden am tag mit insgesamt zwei zügen und fünf bussen (hin- und rückweg). da es keine direkte verbindung zu meinem arbeitsort gibt, muss ich umwege auf mich nehmen und für den weg von 22 km 1 std. und 45 Min. auf mich nehmen. hin und zurück macht das dann fast 3 stunden am tag, ganz zu schweigen von der körperlichen anstrengungen, dass ich von einem bus zum nächsten hetzen muss und zur bahn, inklusive wartezeiten, in denen ich meist auch noch stehen muss. insgesamt sind die wartezeiten nicht lang, aber für mich ist es schon sehr anstrengend. hinzu kommt, dass ich taxikosten in kauf nehmen muss, um die arbeit pünktlich zu erreichen, wenn die bahn oder einer der busse verspätung hat, weil der letzte bus, mit dem ich zur arbeit fahre, erst 2 stunden später wieder fährt. Mittlerweile habte ich massive probleme mit meinem Bein. offene wunden etc. aber ich quäle mich jeden tag zur arbeit, weil mir dieses chance sehr wichtig ist und ich auf keinen fall ständig ausfallen will. Letztendlich müsste ich das auch nicht, wenn das problem mit der beförderung nicht wäre. Termine zur prothetischen versorgung und andere anliegen kann ich kaum wahrnehmen. dafür muss ich aufgrund der langen fahrzeiten immer urlaub nehmen und soviel urlaub wie ich da bräuchte hat kein mensch.

Das Arbeitsamt gewährte mir 6 wochen eine fahrt mit dem taxi, welche jedoch nur die letzten zwei km betraf. Damals glaubte ich noch, das Pendeln vorrübergehend bewerkstelligen zu können und beantragte daher nur für die letzten zwei km, wo der bus so schlecht fährt, die fahrtkosten. Doch die sind nun lange vorbei. ich arbeite seit februar dort und möchte die stelle natürlich auch behalten. Auf nachfrage beim Arbeitsamt, ob ich denn beihilfe für einen führerschein bekommen könnten wurde mir wortwörtlich gesagt, "es interessiert ja auch keinen wie ich zur arbeit komme". Leider hatte ich und habe ich momenten nicht die energie, um sämtlichen ämtern der welt laufend auf die füße zu treten, um vielleicht eine unterstützung zu bekommen. ich meldete mich also aus freien stücken bei einer fahrschule an, von der ich glaubte, dass sie ein fahrzeug für mich zur verfügung haben. Darauf musste ich dann drei monate warten -.- aber das ist ein anderes thema.
das straßenverkehrsamt hat meinen antrag für den führerschein seit märz 2015 und hat es erst jetzt, nachdem ich unzählige male hinterher telefoniert habe, geschafft das ganze an den tüv weiterzuleiten. nun soll ich zu einer fahrprobe die mich mal eben so 445 euro kostet (tüv u. fahrlehrer). meine fahrschule ist die teuerste hier in der stadt, aber da es keine andere hier gibt, die ein auto mit linksgas zur verfügung hat, hab ich keine wahl. Kosten für die Anschaffung eines Autos und den umbau habe ich auch schon hinter mich gebracht. Für all das musste ich einen kredit aufnehmen, da ich es anders nicht hätte bezahlen können und ich damals, als ich eingestellt wurde, auch nur eine woche zeit hatte, um mich darum zu kümmern, wie ich zur arbeit komme.
Ja, im besten fall hätte ich den antrag auf beihilfe vor der anschaffung des autos, den umbau und den führerschein gestellt, aber ich sollte ja nunmal am 15. februar mit der arbeit beginnen und nicht erst vier jahre später, die das amt ja scheinbar braucht, um gewisse sachen zu bearbeiten.

nun geht mir das ganze sowohl körperlich als auch seelisch an die substanz und ich frage mich, wieviele steine mir noch in den weg gelegt werden, nur um ein normales leben führen zu können, welches ja durchaus möglich wäre. heute hab ich erfahren, wieviel mich die fahrprobe kostet, was ein erneuter schlag ins gesicht war.

Hat jemand von euch schon erfahrungen damit gemacht, ob man die kfz beihilfe auch nachträglich bekommen kann oder das ganze von der steuer absetzen kann? ich hab einiges gelesen, aber ich bin mir nich sicher, ob ich überhaupt etwas wieder bekomme, für den führerschien, den umbau und das auto. selbst wenn es nur ein teil wäre, z.B. die kosten die mir wegen der behinderung zusätzlich entstanden sind, wäre ich schon etwas beruhigter. Im moment hab ich eher das gefühl, dass der führerschein für behinderte ein fass ohne boden ist.

Sorry, dass es so lang geworden ist, ich hab etwas weit ausgeholt.

Antworten

  • MyHandicap User
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    Hallo sammy,
    durch den Antragswulst mußt du durch, zuständig ist die Rentenversicherung.
    Vielleicht hilft dir der Link etwas weiter.
    http://www.myhandicap.de/mobilitaet-behinderung/behindertenfahrzeuge/kauf-finanzierung/kfz-hilfe-behinderte-menschen/
    Formulare bekommst du hier:
    http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/04_formulare_und_antraege/01_versicherte/03_reha/_DRV_Paket_Rehabilitation_Kraftfahrzeughilfe.html

    Ich habe aber leise Zweifel ob du nachträglich deine Kosten erstattet bekommst.
    Heidi
  • MyHandicap User
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    Hi Sammy,

    Ich fahre auch mit Links-Gas, schon seit 37 Jahren. Kenne daher die Anträge für die Kfz Beihilfe, das ist wirklich ein ordentlicher Aufwand. Amtliche Bescheinigung vom Vermessungsamt/Stadtbauamt wie weit es von meiner Wohnung zur Haltestelle ist usw., da wartet man Wochen darauf. Ich habe es noch nie fertiggebracht einen Antrag schneller als in 12 Monaten durchzubekommen. Entscheidend ist das Datum der Antragsstellung und das muss vor irgendwelchen Ausgaben sein.
    Mir ging recht überraschend mal ein Auto kaputt, an einem Samstag. Erster Gedanke, wie komme ich am Montag zur Arbeit. Daher habe ich mich ganz schnell um einen Neuen bemüht inkl. Umbau und erst nachträglich den Antrag gestellt. Das war mein dritter Antrag, daher eigentlich war klar, dass ich Beihilfe bekomme. Nach 12 Monaten eine Ablehnung im Widerspruchsverfahren - verspätete Antragsstellung.

    Als nachträglich besteht so gut wie keine Chance. Immerhin den Umbau, wie auch die Mehrkosten für Automatik/Servolenkung kannst du von den Steuern absetzten.

    Klaus
  • MyHandicap User
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    Danke für eure antworten 😀 es ist immerhin ein Trost, dass man nicht allein ist, aber offen gestanden finde ich das eine frechheit von den Ämtern. Ich meine, bei 12 Monaten bearbeitungszeit hab ich meinen Job schon dreimal verloren. Welcher berufstätige mensch soll das denn organisiert bekommen? Ich hab mich wegen meiner Behinderung eigentlich nie bewusst benachteiligt gefühlt, aber jetzt, wo ich arbeiten gehe also aus den leistungsbezügen von alg II raus bin und meinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann, fühl ich mich richtig verarscht. Dann liest man, was man doch alles für tolle rechte hat. Die fahrschule wundert sich auch darüber, dass ich nicht gefördert werde und andere nicht behinderte sagen einem so schlaue Sätze wie "du hast doch so viele Vorteile mit deiner behinderung". Ich frag mich wo die sind. Es kann doch nicht ziel des Staates sein, dass man als behinderter mensch, der voll erwerbstätig ist dann nicht arbeiten gehen kann, weil so ein pipifax dazwischen steht. Das da Dinge, die einem eigentlich laut Gesetz eh zustehen plötzlich keine Relevanz mehr haben, weil man ja den Antrag nicht vorher gestellt hat. Dazu hat man ja nicht immer die Möglichkeit. Ich hab ja erst gar keinen Antrag bekommen können. Das versorgungsamt verwies mich ans Arbeitsamt und die nette Frau vom Arbeitsamt hat mir zwar erzählt, dass es da Maßnahmen gibt, in denen man binnen von zwei Wochen den Führerschein bekommt, aber mir stünde das ja nicht zu, denn es interessiert ja auch keinen wie sie zur arbeit kommt. Wenn ich gekonnt hätte, wäre persönlich hin gegangen, aber ich war ja von 7 - 18 oder 20 uhr (je nach dem, ob ich überstunden machen musste) damit beschäftigt zu arbeiten und die pendlerfahrten zu bewältigen.

    Nehmt meine schimpftirade nicht persönlich, mich regt das alles nur so unheimlich auf. Ich verstehe den Sinn der Kfz Beihilfe nicht, wenn man quasi gar keine Chance hat das in Anspruch zu nehmen.

    Übrigens Heidi, wieso die rentenkasse? Meines Erachtens ist das Arbeitsamt zuständig, ich bin ja voll erwerbsfähig :O

    @Klaus: endlich noch einer mit linksgas 😃 sonst hab ich ja noch keinen kennen gelernt, der auch mit linksgas fährt. An sich is das ja auch keine so große sache, wenn da nich die liebe Bürokratie wäre.
    Ich hab gelesen, dass das auto, was mit Kfz Beihilfe erwerben möchten, dann aber auch bestimmte Dinge erfüllen muss. Is das richtig? So alter, km stand etc.
    Mein auto wäre vermutlich eh nicht bezalt worden, auch wenn ich den Antrag rechtzeitig gestellt hätte. Ich wollte mich bei meinem ersten auto ja nicht gleich so hoch verschulden und ein neuwagen war mir zu viel. Also mit der Erstattung der kosten für das auto rechne ich sowieso nich. Aber der Umbau und teilweise kosten für den Führerschein. Gibt's denn gar keine Chance den Führerschein über außergewöhnliche belastungen in der Steuer geltend zu machen? Ich hab gelesen, dass das unter Umständen möglich ist, aber im Gesetz stehen ja auch soviele rechte, die man eh nie bekommen kann, also wer weiß ob das jemals jemand bekommen hat lol
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