Chronische Schmerzen, was hilft euch?

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Hey Leute!
Ich bin gelernte Krankenschwester und mache derzeit eine Zusatzausbildung im Querschnittbereich.
Wir haben die Aufgabe bekommen eine Projektarbeit zu schreiben die sich auf das Thema "Chronische Schmerzen" bezieht. Ein heikles Thema was ich so aus meinem Krankenhausalltag weiß :-/
Meine Frage an euch Leidtragenden, die sich damit rumschlagen müssen, was hilft euch (hat euch geholfen), was macht ihr und wie bewältigt ihr euren Alltag? Mich interessiert alles was NICHT mit Medikamenten zu tun hat.
Ich freue mich über eure Erfahrungsberichte!!!

Grüßle
Sybs

Antworten

  • hallo liebe Kollegin,

    herzlich willkommen in MyHandicap.Ich werde mal überlegen, was ich dir für Informationen geben kann zum deinem Thema. Im Moment wenig Zeit 😀 Achja und wunder dich nicht, wenn du erstmal bisschen "mecker" bekommst von den Usern hier, weil du :"Leidtragenden, die sich damit rumschlagen" geschrieben hast.. Aber ..we will see.

    LG Thomas

  • Liebe Sybs
    Mir haben Cranio sacral und shiatsu geholfen , leider lässt die Wirkung nach ein paar Stunden auch wider nach .
  • Sybs hat geschrieben:
    Hey Leute!
    Ich bin gelernte Krankenschwester und mache derzeit eine Zusatzausbildung im Querschnittbereich.
    Wir haben die Aufgabe bekommen eine Projektarbeit zu schreiben die sich auf das Thema "Chronische Schmerzen" bezieht. Ein heikles Thema was ich so aus meinem Krankenhausalltag weiß :-/

    Meine Frage an euch Leidtragenden, die sich damit rumschlagen müssen, was hilft euch (hat euch geholfen), was macht ihr und wie bewältigt ihr euren Alltag?

    Mich interessiert alles was NICHT mit Medikamenten zu tun hat.
    Ich freue mich über eure Erfahrungsberichte!!!

    Grüßle
    Sybs



    Hi "Grüßle-Sybs",
    was lässt dich vermuten, dass wir alle die Fachleute für chronischen Schmerz sind?
    Ich zum Beispiel könnte bestenfalls als Canabis-Berater herhalten, der das umstrittene Kraut im medizinischen Einsatz historisch anleuchten durfte, aber dazu gibt es viel kompetentere Anlaufstellen. Chronische Schmerzen krieg ich immer nur bei unausgegorenen ungeschickten Fragen 😉

    Wie wär´s denn, wenn du konkreter fragst, zu welchen Befunden du Eigenerfahrung oder "Hausmittel" suchst?

    nix für ungut und lg
    ppiet



  • Einen guten Morgen

    Ich habe seit 2006 Morbus Bechterew und brauchte sehr lange um damit fertig zu werden.
    Meine Familie unterstüzt mich sehr bei der täglichen Arbeit.Familie und richtige Freunde die einen unterstützen sind das wichtigste überhaupt. Erfolge die man erringt, werden in einem ganz anderen Licht gesehen.
    Informationen zu dieser Erkrankung sind natürlich sehr hilfreich.
    Ein sehr guter Freund hat mir folgenden Tip gegeben- wenn du mir deiner Erkrankung du reden kannst hast du sie auch verstanden. 😕
  • Hallo Sybs und sei uns herzlich Willkommen im Forum.

    Ich habe chronische Muskel(schmerzen). Da ich nicht immer zur "Chemiekeule" greifen will, mache ich fast täglich Übungen am Motomed (sponsert by AOK) und gehe 2x wöchentlich für etwa 30 Minuten in die (eigene) Infrarotkabine.

    Bei der Bewältigung meines Alltags bin ich größenteils auf die Unterstützung meines Partners und Freunden/Bekannten angewiesen.

    Liebe Grüße
    von mir

    @Thomas, weshalb stört Dich der Begriff "Leidtragende"? Wo sie Recht hat, hat sie Recht. 😢
  • Hallo in die Runde und vielen Dank für eure Beiträge!!! 😀

    Ich möchte hier keinen Unmut verbreiten oder Unruhe stiften und ppiet, ich gehe auch nicht davon aus, dass ihr alle Fachleute für chronische Schmerzen seid, was im Gegenzug die Frage aufwirft, was dich dazu veranlasst zu meinen dass ich das meine 😉

    Ich dachte lediglich dass hier im Forum für Menschen mit Handicap vielleicht der ein oder andere ist, der weiß was es heißt chronische Schmerzen zu haben (was ich selbstverständlich keinem wünsche!!!) Primär interessant für mich ist der Bereich Wirbel- und Rückenmarksverletzte. Mich würde interessieren was ihr macht um dem Schmerz ohne Medikamente entgegenzuwirken. Sei es mit Sport, Krankengymnastik, Psychotherapie, Entspannungstechniken, etc. Der Berich umfasst so viele Möglichkeiten was sich in den Fachliteraturen auch wunderbar effektiv und hilfreich liest, was dann im Alltag aber leider ganz anders ist.

    ppiet, ich weiß nicht wie ich das ganze nun besser eingrenzen soll um die Frage verständlicher zu machen und um dir keine Schmerzen zu bereiten 😉

    Nichts für ungut und lg

    Sybs

  • hi hi, sybs, hast ja recht ... 😉

    mit dem Stichwort "Wirbel- und Rückenmarksverletzte" ist die Eingrenzung ja nun klarer. Vielen Dank für die Präzisierung.
    Und natürlich sind in einem Forum wie diesem jede Menge kompetente Menschen für Schmerz anzutreffen.
    Bei Nierenproblemen hätte ich Eigenerfahrung beisteuern können. Ich les´ hier jetzt erstmal weiter mit.

    lg
    ppiet


  • Hallo sybs,

    gut das Du die Eingrenzung gemacht hast !!

    Ich kenne sowohl den Klinischen als auch den außerklinischen Bereich was die nicht-medikamentöse Behandlung chronisch-neuropathische Schmerzen angeht. Sie zählen zu den häufigsten Komplikationen bei einer Querschnittslähmung. Für die Betroffenen stellt dies eine massive Einschränkung der Lebensqualität dar (von dem eigentlichen Handicap mal abgesehen). Gerade die Behandlung neuropathischer Schmerzen, ist nur schwer mit Medikamenten anzugehen. Hier sind die von dir bereits angegebenen Maßnahmen sinnvoller.

    Chronisch-neuropathische Schmerzen stehen oftmals im Zusammenhang mit dem "Lernprozeß" des geschädigten Rückenmarks das sich an seine Ursprüngliche Aufgabe "erinnert" und eben deshalb diese Schmerzsymptomatik auslöst.

    Gerade die Stärke der Schmerzen lösen eben einen schnellen Einsatz von Schmerzmitteln aus, ohne die eigentliche Ursache anzugehen.

    Zu deiner eigentlichen Frage... wie oben erwähnt kenne ich aus berufl. Gründen die Behandlung von cronisch-neuropathischen Schmerzen, sowohl aus klinischer und außerklinischer Sicht. Die Unterschiede sind nur minimal.

    Zur nicht-medikamentösen Behandlung stehen nachstehende Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung:
    -Akupunktur
    -Basale Stimulation
    -Taping (gemeint ist Kinesiotaping)
    - Autogenes Entspannungstraining
    -warme bis heisse Entspannungsbäder / Wickel (im betroffenen Schmerzbereich Ausgehend von der Läsionshöhe
    -Elektrostimulation

    um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen. Welche Maßnahmen wann greifen, kann ich dir leider nicht sagen. Ausprobieren ist hier wohl das Mittel der Wahl.
    Validierte Untersuchungen dazu kenne ich leider keine.

    Mehr fällt mir jetzt nicht ein, was ich dir noch mitteilen kann. Hoffentlich gibt dir mein Beitrag neue Ansätze für deine Aufgabe.

    LG Thomas

    @ Zornröschen..mich stört die Bezeichnung "Leidtragende" nicht ..guggst du was ich geschrieben habe !









  • swisswuff1
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    Breather hat geschrieben:Achja und wunder dich nicht, wenn du erstmal bisschen "mecker" bekommst von den Usern hier, weil du :"Leidtragenden, die sich damit rumschlagen" geschrieben hast.. Aber ..we will see.


    Du kennst Dich gut aus! Selten las ich einen besser informierten Beitrag!!!
  • swisswuff1
    Optionen
    Bei mir addieren sich Schmerzen an der Haut am kaputten Arm (Verletzungen durch dauernde Aktivitaet; gestern etwa Kueche aufraeumen und putzen, dann aber alles was man anpackt), Schmerzen im Stumpf ohne weitere Aktivitaeten (chronische Stauung) und Phantomschmerzen. Diese gehen auch ineinander ueber, also wenn ich gerade den Stumpf in irgendein Teil reingehauen habe und dann nicht aufpasse wegen der Stauung, dann werden auch die Phantomschmerzen rasch noch staerker.

    Erstens versuche ich den effektiven Schaden zu behandeln. Man ist ja aktiv, und weil man nicht fuer Aktivitaet gebaut ist, geht immer wieder was kaputt dabei. Das ist eine Abwaegung die muss jeder fuer sich machen, aber, lieber ich mache was und nachher schauen als ich bin aus Angst inaktiv. --- Also letzten Sommmer hatte ich eine recht grosse Verbrennung von einer Herdplatte. Zweimal gab es auch Frostbeulen, einmal nach 2 Tagen Skifahren bei -15 Grad oder kaelter. Ich hatte auch schon oefters teils sehr stark brennenden Ausschlag wegen der Prothese meistens. Schlecht auch ist Sonnenbrand. Da die Haut am Stumpf stark empfindlich ist, vermutlich wegen der Prothese, passiert dort irgendwie alles schneller und aerger als sonst am Koerper. Dem ist auch mit Feuchtigkeitscreme kaum beizukommen. Also: schneller Sonnenbrand, schneller ein Ausschlag wegen einem Putzmittel, etc. also muss man rasch reagieren wenn was passiert da der ganze Schmerzkuchen ja dranhaengt!!! Weitere sehr starke Schmerzen entstehen wegen der Asymmetrie bei mir im Schultern- und Nackenbereich. Das sind so Verspannungen wie sie viele Leute haben. Da ist das uebliche zur Behanldung dann Sport, Ausgleich, Uebungen, dann aber auch mal Alkohol oder / und Entzuendungshemmer, heisse Badewanne, Wellness und Massage.

    Zweitens, mental, Ablenkung. Ich habe mir (mentale) Trainings gesucht, von Leuten die sich da auskannten, wie ich Schmerzen ausblende, wie ich lerne sie nicht in meiner Wahrnehmung zu behalten. Das geht wirklich. Es funktioniert recht gut. Ich habe mich einfach drum gekuemmert und das auch aktiv gesucht, diese Art Beratung habe ich eine Zeit lang verfolgt. Die Schmerzen sind ja nun weiterhin in voller Staerke "da", fallen mir aber nur auf wenn mich jemand daran erinnert. Auch hilft es dabei, sich dessen bewusst zu sein, wie unglaublich unwichtig diese Schmerzen sind. Denn Schmerzen, etwa Zahnweh oder so, die neu auftreten, haben ja oft eine sinnvolle Alarmfunktion, sie wollen uns auf wichtiges hinweisen. Dann sollen wir uns Sorgen machen und nervoes werden, dann ist das sehr gut so! Aber das ist beim besten Willen bei Stumpf- oder Phantomschmerzen nicht so, die sind weitgehend nutzlos, haben nicht die grosse biologische Bedeutung. Also braucht es im Hirn fuer Schmerzen eine Art Spamfilter, und das geht recht gut in meiner Erfahrung.

    Drittens, weglassen von unnoetigen Ausloesern. Ich habe z.B. sehr starke sog. synaesthetische Phantomschmerzen. Schaue ich mir etwa einen tollen chinesischen epischen Schlachtfilm an wo sich die Leute gegenseitig in Zeitlupe Schwerter in den Leib rammen, so flammen die Phantomschmerzen sehr sehr stark auf. Bereits die Vorstellung daran (jetzt) tut etwas weh. Gleichzeitig funktioniert dies auch als Reizverstaerker so dass ich fuer andere Leute eher lahme Krimis schon sehr spannend finde, da dauernd mein Arm zu brummen beginnt. Insofern passe ich meine selbst beeinflussbare Reizueberflutung dem an. In anderen Worten, ich schaue mir nicht alles an, was so im Kino gezeigt wird, besonders Gewaltdarstellungen gehe ich aus dem Weg. Fernsehen tue ich eh nicht.

    Viertens, viel Bewegung. Das hilft irgendwie.

    Fuenftens. Chronische Stauung am Stumpf behandeln. Entweder mit einer engen Bandage (unpraktisch) oder mit einem Kompressionsstrumpf (einfacher, anziehen genuegt) oder dann indem ich die Prothese trage (der Schaft ist eng genug, das reicht schon mal fuer vieles, ist nicht perfekt).


    Spiegeltherapie hilft hier nichts. Sie soll laut einer Studie auch nur fuer Leute hilfreich sein, die ihre Phantomsachen bewegen koennen, in ihrer Vorstellung. Das geht hier nicht. Es gibt auch anderes Zeugs das mir nicht viel geholfen hat. Schmerzmittel sind generell uninteressant, da sie Wachheit, Fahrfaehigkeit etc. mitbeeinflussen, teuer sind und derart wenig nuetzen, dass sie insgesamt nicht fuer mich in Frage kommen. Klar hat Cannabis einen tollen Ruf, das hoert man viel --- aber das "straight edge" Gefuehl ist fuer mich besser, und die Sachen mental zu beherrschen hat andere Vorteile. So hatte ich vor ein paar Jahren eine Guertelrose und die ging ohne jede Schmerzmedikation fuer mich vorbei, ohne dass ich darueber gross Schlaf verloren haette (und Guertelrose gilt nicht als besonders schmerzarme Krankheit). Sowas aufs Alter zu beherrschen ist ingesamt in meiner Ansicht viel wert.
  • Hallo Service,


    Service hat geschrieben:
    Einen guten Morgen

    Ich habe seit 2006 Morbus Bechterew und brauchte sehr lange um damit fertig zu werden.
    Meine Familie unterstüzt mich sehr bei der täglichen Arbeit.Familie und richtige Freunde die einen unterstützen sind das wichtigste überhaupt. Erfolge die man erringt, werden in einem ganz anderen Licht gesehen.
    Informationen zu dieser Erkrankung sind natürlich sehr hilfreich.
    Ein sehr guter Freund hat mir folgenden Tip gegeben- wenn du mir deiner Erkrankung du reden kannst hast du sie auch verstanden. 😕


    Hei Kollege, auch ich habe unterm anderem auch MB.

    Das was du da geschrieben hast, da gebe ich dir 100% Recht.

    MLG der wessi


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