Restharnproblematik - wer weiß Rat?

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Hallo zusammen,

ich hatte im September eine Restharnsonographie. Dabei stellte man noch 195 ml Harn nach forcierter Entleerung fest. Man sagte mir, dies sei zuviel.

Ich drücke immer schon so fest es geht, um die Blase möglichst leer zu kriegen. Es ist zum kotzen, da mir auch schon 2-3 mal kleine "Unfälle" – zum Glück zuhause – passiert sind, weil ich es nicht rechtzeitig bis aufs Klo geschafft habe (Reizblase). Manchmal muss ich nach 5 Minuten schon wieder. Ständiger Harndrang und häufige Harnweginfekte machen mir auch zu schaffen. Mit Cranberry, Cystinol-akut-Kapseln u.a. geht es manchmal aber auch wochenlang gut. Ich trinke auch ausreichend. Einlagen mag ich noch nicht tragen.

Der Urinstatus zeigte Nitrit positiv, Bakterien 5437/µl. Wurden da die Anzahl der Bakterien gezählt?

Wer kennt solche Probleme und weiß Rat? (gerne auch über PN)
Herzlichen Dank.

Liebe Grüße
vom Zornröschen

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Antworten

  • Hallo!

    Ich habe dir eine PN geschickt. Hast du schon mal daran gedacht, dass es mit der HSP zu tun haben könnte?

    Gruß, Katrin
  • MyHandicap User
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    Liebes Zornroeschen,

    ich hoffe, Du erhältst noch weitere Rückmeldungen aus der Community.

    Was haben denn Deine Ärzte zu dem Befund gesagt? Welches Vorgehen schlagen sie vor?
  • MyHandicap User
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    Liebe Katrin,
    herzlichen Dank für Deine PN. Ich habe Dir eine zurückgeschickt.

    Justin, leider habe ich keine weiteren Rückmeldungen erhalten. Verständlich – Tabuthema, eben.

    Die Ärzte rieten mir zur Kontrolle. Da ich aber auch oft wochenlang keine bzw. nur kleine Probleme habe, wäre dann das Ergebnis wohl dann eher nicht behandlungsbedürfig. Beim Urologen wartet man oft wochenlang auf einen Termin und bis dahin hat sich das Problem meist schon (zumindest vorübergehend) wieder von selbst bzw. mit Hausmittelchen erledigt. Der Aufwand für Arztbesuche ist für mich auch nicht problemlos zu bewältigen.

    Das Problem bei den Restharnbestimmungen liegt auch darin, dass jeder Arzt eine andere Methode hat. Der eine will, dass man erstmal mit voller Blase erscheint, um das Volumen zu messen; der nächste schickt den Patienten erstmal auf die Toilette zur Entleerung der Blase. Bis man dann wieder auf der Pritsche liegt, kann ja wieder Harn in die Blase nachgelaufen sein. Somit erklärt sich vielleicht der hohe Wert bei der letzten Untersuchung. Im Sitzen merke ich den Drang oft nicht so sehr, aber wenn ich dann aufstehe, muss ich mich beeilen. Manchmal hilft auch, mit einer Hand "unten" gegenzudrücken.

    Komisch fand ich allerdings, dass ich die recht hohe Bakterienanzahl gar nicht bemerkt habe (kein Brennen beim Wasserlassen). Hängt wohl alles mit dem Fortschreiten der HSP zusammen. Manchmal "kneift" es auch in den Nieren.
    Mal gucken, wie es "weiterläuft".

    Sorry fürs Ansprechen des Tabuthemas.

    Lieben Gruß

  • MyHandicap User
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    Schon mal Kürbiskerne probiert?ZB Granufink,bei Männern soll das helfen,leider selber zahlen.LG Erich
  • MyHandicap User
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    Zornroeschen hat geschrieben:
    .....Sorry fürs Ansprechen des Tabuthemas.

    liebes zornröschen

    meinst du das ironisch?

    ich finde dieses thema so wichtig und es wäre schade wenn sich jemand schämen sollte sich dazu zu äußern. 😢

    da ich fast immer im rollstuhl sitze trage ich bei längeren "ausflügen" usw. dickere einlagen. oft gibt es ja gar keine behindertentoiletten.

    deshalb glaube ich eigentlich nicht, dass andere es nicht auch ebenso machen.

    warum soll ich dies nicht offen "zugeben"? 😺

    für mich ist es absolut KEIN tabuthema!!!

    liebe grüße
    rosi
  • MyHandicap User
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    Hallo,ich habe auch Vorlagen,da Querschnitt beim bücken oder so drückt es schon mal was rausWenn ich keine Toilette so schnell finde nehmen die ca 100 Ml auf.Lg Erich
  • MyHandicap User
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    Hallo Zornröschen

    Vorweg: Treffen sich zwei Querschnittgelähmte geht es spätestens nach einer Viertelstunde um das Thema „kacken und pissen“ (sorry). Ist nun mal beides eine Großbaustelle.

    Schon als ich dein Eingangsposting erst recht das zweite gelesen habe, hab e ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Wirklich die Methode Pressen und drücken ist asbach uralt. Bei traumatischen Querschnittlähmungen wird diese Methode seit Ende der 70er nicht mehr angewandt, einfach deshalb weil sie nicht gut frunktioniert. Normalerweise ist der Blasenschließmuskel im Ruhezustand „zu“, muss also durch einen Nervenimpuls geöffnet werden, damit die Sache läuft. Bei der Druck und Press Methode wird ein so hoher Blaseninnendruck erzeugt, dass der Schließmuskel übertrumpft wird. Allerdings bei einer nahezu leeren Blase lässt sich auch kein Druck erzeugen. Ergebnis: Große Restharnmenge (mehr als 50 ml sollten es nicht sein). Und dieser Restharn (Bodensatz) fängt an zu gammeln, d.h auch die häufigen Infekte.

    Bessere Methode Triggerblase

    Ist zwar auch nicht mehr state of the art funktioniert aber insbesondere bei inkompletten Querschnittgelähmnten recht gut, vor allem wenn ein gewisser Spasmus vorhanden ist. Spasmus wird ja durch rückenmarkseigene Reflexbögen ausgelöst. Bsp. Kniescheibenreflex – Hämmerchen klopft unter das Knie – Impuls geht ins Rückenmark und löst dort über einen Reflexbogen einen Nervenimpuls zum Bein aus – Unterschenkel streckt sich. Die Blasenfunktion ist auch sehr stark reflektorisch gesteuert. Und da gibt es einen angelernten Reflex. Durch leichtes Klopfen mit den Fingerspitzen auf die Blase ist der Auslöser (entspricht dem Hämmerchen am Knie) im Rückenmark führt dies über einen Reflexbogen zu einem Nervenimpuls Richtung Blase. D.h der Schließmuskel öffnet sich und die Blasenmuskulatur zieht sich zusammen. Es gibt QS die selbst bei nur 80-100ml Harnmenge dioe Blase durch „klopfen“ entleeren können und dann einen Restharn von 20-30 ml haben..
    Zwei Probleme dabei: 1. Dieser angelernte Reflex erfordert mehrere Wochen konsequentes Blasentraining bis er funktioniert. Blasentraining heißt jedes mal wenn sich die Blase meldet mehrmals leicht auf die Blase klopfen, am Besten zeitgleich wenn es sowieso läuft. Nach mehr oder weniger langer Zeit reicht das Klopfen aus damit das Rückenmark den Impuls „Wasser marsch“ zur Blase auslöst. Das ist wie mit den Pawelowschen Hund. Dem zeigte man einen Leckerbissen, ihm lief der Speichel im Mund zusammen, gleichzeitig ertönte eine Klingen. Später reichte es zu klingeln und er hatte Speichelfluß, obwohl beides nichts mit einander zu tun hat.

    2. Problem die Beckenbodenmuskulatur hängt am gleichen Reflexbogen. D.h oben macht die Blase Druck unten hällt der Beckenboden zu. Dies kann zu ungesunden Druckerhöhungen in der Blase führe. Viele QS reagieren dadurch mit Blutdruckspitzen bis 200 zudem kann es über etliche Jahre hinweg zu Schäden an der Blasenwand führen. (Die Druk-Press-Methode sicherlich auch)
    Wie die Druckverhältnisse und Nervenableitungen sich verhalten lässt sich durch eine urodynamische Messung feststellen. Das ist aber eine Untersuchung die der normale Urologe nicht durchführen kann. Allerdings bei Querschnittgelähmnten standard und sollte auch alle paar Jahre wiederholt werden. Daher einfach mal im nächsten Querschnittzentrum anrufen, die Probleme schildern und fragen mit welchem Urologen die zusammenarbeiten. Da selbst die das auch nicht tag täglich machen mag ein Termin etwas dauern, sollte aber per Überweisung vom Haus/Frauenarzt möglich sein.

    Wegen den Blutdruckspitzen ist man bei QS von dieser Methode abgekommen. Heute kathetern sich die meisten. Vorteil keine Blutdruckspitzen und eine richtig leere Blase. Mehrmals am Tag einen Blutdruck von 200 mag selbst bei einem jungen Menschen kaum angehen und vorallem schädigt es die Gefäße.

    wg Blaseninfekt

    Bei häufigen oder gar chronischen Infekten zwickt und brennt es nicht mehr. Macht die Sache aber nicht besser,weil die Bakterien sind vorhanden. Normalerweise ist Urin bzw. die Blase steril. Da sollten keine Bakterien sein. Es besteht dann einfach die Gefahr dass diese die Harnleiter nach oben steigen und eine Nierenentzündung ist eine ganz üble Sache. „Manchmal zwickt die Niere“ ist ein böses Alarmsignal.

    Ich bin ja seit 34 Jahren inkomplett querschnittgelähmnt und „arbeite“ auch noch mit der Triggerblase. Allerdings hatte ich die letzten 10 Jahre keinen Infekt, Restharn ist deutlich unter 50 ml und mein Blutdruck verändert sich auch kaum. Trotz allem Blase/Nierenfunktion ist ein Thema worauf ich gut achte und gut informiert bin. Grund ist auch der , bei langjährigen QS tritt eine bestimmte Art des Nierenkrebs im Gegensatz zur Normalbevölkerung gehäuft auf. Woran das genau liegt weiss man nicht, aber deshalb sollte Blasen/Nierenfunktion im grünen Bereich sein und wenn es sein muss durch kathetern. Nicht zuletzt ich war nach 15 Jahren das erste mal wieder in meiner alten Rehaklinik. Die erste Frage war in Richtung Blasenmanagement und obwohl ich die Triggermethode verwende hieß es „was dass so jemand wie sie heute noch rum läuft, dass hätten wir nicht gedacht“. Deine Druck Press Methode ist wirklich asbach-uralt.

    Daher vielleicht die Triggermethode in Erwägung ziehen und eine urodynamische Messung machen lassen. Das ist ein standardisiertes Verfahren, die Ergebnisse sind vergleichbar und da wird genau gemessen wie die Druckverhältnisse sind bzw. sich der Blutdruck verhält.


    so ist etwas lang geworden, aber soll niemand kommen wg fehlender Rückmeldung 😛

    Klaus
  • MyHandicap User
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    Hallo Zornroeschen,

    dieses Thema ist ganz natürlich und wichtig und deshalb nichts, was Dir leid tun müsste.

    Danke an Klaus für diese tolle und ausführliche Rückmeldung 😀

    Dir weiterhin alles Gute, liebes Zornroeschen!
  • MyHandicap User
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    Lieber Klaus,

    auch von mir ein ganz herzliches Dankeschön und einen dicken Schmatzer (aber nur auf die Wange).
    Ich werde das mit dem Abklopfen der Blase ausprobieren (vorher nie davon gehört).

    Auch an alle anderen vielen Dank für Eure Offenheit.

    Liebe Grüße
    Manu 😉
  • MyHandicap User
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    RosiHH hat geschrieben:
    Zornroeschen hat geschrieben:
    .....Sorry fürs Ansprechen des Tabuthemas.

    liebes zornröschen

    meinst du das ironisch?

    ich finde dieses thema so wichtig und es wäre schade wenn sich jemand schämen sollte sich dazu zu äußern. 😢

    da ich fast immer im rollstuhl sitze trage ich bei längeren "ausflügen" usw. dickere einlagen. oft gibt es ja gar keine behindertentoiletten.

    deshalb glaube ich eigentlich nicht, dass andere es nicht auch ebenso machen.

    warum soll ich dies nicht offen "zugeben"? 😺

    für mich ist es absolut KEIN tabuthema!!!

    liebe grüße
    rosi


    Hallo Rosi,

    hast Du das Buch der Lokus nicht? Da stehen die ganzen Behinderten-WC'S drin, im In- und Ausland. Sonst gibts hier einen Link für Dich und die anderen:

    http://www.cbf-da.de/shop.html?page=shop.browse&category_id=6

    LG Sanne
  • MyHandicap User
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    hallo sanne

    doch das buch habe ich. danke für den hinweis. 😉

    dennoch sind die behi-wcs häufig so weit voneinander entfernt und
    außerdem gibt es sehr viele lokale mit toiletten im keller.... 😺

    bisher ist alles ja noch gut gegangen - aber diese einlagen geben mir das gefühl der sicherheit.


    hallo zornröschen

    ich denke hier gibt es doch evtl. noch "gesprächsbedarf".
    vielleicht kannst du die bewertung (100 %) vorübergehend noch mal runtersetzen?


    lg rosi
  • MyHandicap User
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    danke zornröschen 😉

    bin gespannt ob sich noch betroffene melden

    lg
    rosi
  • MyHandicap User
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    Muss schon sagen,mit meinen Kathetern bin ich echt unabhängiger.Wenn mein Auto in der nähe ist kann ich dahin,ansonsten findt sich immer eine Ecke.
  • MyHandicap User
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    Magic hat geschrieben:.....ansonsten findt sich immer eine Ecke.

    sorry - ecke finden WO? 😳

    frauen können sich nicht einfach in eine ecke setzen -
    abgesehen davon, wenn sie gar nicht aus ihrem rolli raus können. 😺


  • MyHandicap User
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    Habe ja auch von mir geschrieben.Erich
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