Botox bei Tetraspastik, Wie ist das Risiko?

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  • Hallo Surfer,

    ich habe dazu dieses hier gefunden:

    Nebenwirkungen der Botulinumtoxintherapie können vorübergehende Muskellähmungen aufgru d einer zu hohen Initialdosis auftreten, die je nach Ort der Injektion mit Schluckstörungen, Herabhängen der Augenlidern oder Doppeltsehen einhergehen.
    Diese Nebenwirkungen können auch durch eine Diffusion des Toxins in benachbarte Muskelgruppen verstärkt werden.
    Dieses Risiko lässt sich durch vorsichtiges Aufdosieren, die Verteilung der Dosis auf mehrere Injektionsstellen in den einzelnen Muskeln sowie durch eine Reduktion des injizierten Volumens vermindern.
    Im Allgemeinen wird die Therapie jedoch gut vertragen, die Patienten sind mit der Behandlung zumeist zufrieden und die selten auftretenden unerwünschten Nebenwirkungen werden toleriert.

    LG.
    Urmelchen
  • Hallo Surfer,

    Botox z.B. (BoNT-A) wurde in der Klinik in der ich mal tätig war ( Neurol.Frühreha) sehr häufig eingesetzt und zwar mit guten Ergebnissen.
    Wichtig wäre zu wissen wo bei dir Botox gespritzt werden soll. Botoxgaben alleine gibt es höchstens in der Schönheitschirurgie. Patienten mit hoher Spastizität benötigen eine multidisziplinäre therapeutisch Behandlung ( Physiotherapie,orthetische Versorgung, ggf. chirurgische Versorgung, muskelrelaxierende Medikation z.B. Baclofen)

    Nur in dieser Verbindung macht eine Behandlung mit Botox erst Sinn.
    Die Dosierung ist schlecht zu bestimmen und fordert ein hohes Maß an Erfahrung.

    Meinst du mit Risiken die Nebenwirkungen von Botox?

    Gelegentlich gibt es an der Einstichstelle kleine Rötungen die schnell wieder abklingen. Allergische Reaktionen habe ich in der Klinik nie erlebt. Das Botulinumtoxin wird im allgemeinen sehr gut vertragen. Vielleicht kannst du deine Frag zum Thema Risiko bisschen ausführlicher beschreiben ( was deine Sorge ist).
    LG Thomas
  • Hallo,

    bei der Behandlung mit Botox ist es tatsächlich wichtig, zu einem erfahrenen Arzt zu gehen, der die Behandlung regelmäßig durchführt. Es muss nämlich darauf geachtet werden, dass man die richtige Menge Botox spritzt. Diese ist unter anderem auch vom Körpergewicht des Patienten abhängig.

    Zudem ist zu beachten, dass Botox bei regelmäßiger Anwendung über einen langen Zeitraum an Wirksamkeit verlieren kann (Bildung von Resistenzen). Grundsätzlich gibt es daher zwei Behandlungsstrategien:

    1. Man spitzt die volle zulässige Menge Botox und nimmt in Kauf, dass sich möglicherweise schneller Resistenzen bilden und Botox nicht ganz so viele Jahre verwendet werden kann. Der Vorteil ist, dass die größere Menge Botox auch einen besseren Effekt haben kann und man so in der Physiotherapie mehr Trainingserfolg haben kann.

    2. Man spritzt eine etwas geringere Menge Botox, sodass man die Behandlung öfter wiederholen kann. Der Nachteil ist hier, dass die Verbesserung durch die Einzelbehandlungen möglicherweise etwas geringer ausfällt.

    Wie schon Breather geschrieben hat, ist es wichtig, regelmäßig Physiotherapie zu machen, da Botox das regelmäßige Training nicht ersetzen kann. Vielmehr würde ich dir raten, das Training nach der Botox-Behandlung (insbesondere während der ersten 2 Monatew) stark zu intensivieren. Da bei einer Spastik die Muskelspannung durch Botox reduziert werden kann, lassen sich in der Krankengymnastik oft größere Erfolge erzielen. Zwar können die Verbesserungen abnhemen, wenn das Botox seine Wirkung verliert (und die Spastik wieder zunimmt), jedoch lässt sich eine Verbesserung über das Ausgangslevel hinaus durch regelmäßiges Training häufig erreichen.

    Bitte bespreche mit dem Arzt genau, wann du dir das Botox in welcher Form und Menge injezieren lässt und welche weiteren Maßnahmen (Physiotherapie etc.) angezeigt sind.
    Hierzu solltest du einen Orthopäden suchen, der eine Botoxsprechstunde anbietet. Eine neuroorthopädische Sprechstunde kann ebenfalls sinnvoll sein.

    Gute Besserung & alles Gute.
    Philipp, MyHandicap
  • surfer
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    Hallo Leute,

    Vielen Dank für Eure Antworten.

    Mit Risiken meinete ich natürlich auch die langfristigen Nebenwirkungen.

    LG

    Surfer
  • Ich selbst bekomme das Botox gegen meine Spastik. Erst gestern hatte ich wieder eine ambulante Bahandlung.

    Bei der ersten Behandlung um Alter von 20 Jahren war ich 2 Tage stationär im KH zur Sicherheit weil die Nebenwirkungen im Erwachsenenalter eher vorkommen, als im Kindesalter.

    Alle weiteren "Sitzungen" alle 3 Monate laufen ambulant und bei mir ohne Betäubung. Die Wirkung ist ne tolle Sache, schon Minuten danach kann man und ich mitansehen, wie die Beine und Arme lockerer werden das wird jeden Tag etwas mehr und hält so gut 8 - 10 Wochen an.

    Die Mengen und Stellen der Injektion werden jedesmal neu besprochen, wenn es Änderungen oder andere Beschwerden gibt, wird schon mal ein Muskel ausgelassen damit das Botox wo anders wirken kann, wo die Spastik starker ist.


    Sollten noch Fragen sein, bitte stellen

    Liebe Grüße

    Mikele
  • Hallo Surfer!

    Für die richtige Dosis und die richtigen Muskeln benötigt man evtl. mehrere Versuche, bis diese gefunden werden. Meine Tochter hat 2009 zweimal Botox bekommen, danach haben wir es gelassen, da nicht die gewünschte Wirkung eintrat / spürbar war.

    Im April auf einem Wochenendseminar des HSP-Vereins wurde gesagt, dass es wichtig ist, dass, wer laufen kann, die ersten etwa 2 Stunden nach der Botoxgabe einen Spaziergang in Begleitung anderer macht, wobei das Tempo egal ist. Es dient dazu, dass sich das Botox in der Muskelatur besser verteilt, als wenn man nach Teil- oder Vollnarkose stramm liegt.
    Es ist auch sinnvoll, die Spritzen mit Hilfe eines Ultraschallgerätes setzen zu lassen, damit sie wirklich dahin kommen, wqohin sie sollen.
    Botox dürfen nur Ärzte spritzen, die dazu berechtigt sind, die eine Schulung durchlaufen haben, denn sonst kann viel falsch gemacht werden. Die Wirkung von Botox hält etwa 3 Monate an, muß dann wiederholt werden. Botox ist ein Nervengift von Schlangen, welches richtig dosiert, gut helfen kann und vom Körper abgebaut wird.
    Über den Verein habe ich Erfahrungen gehört, einige, ähnlich wie wir, sagen nach wenigen Versuchen "Nie wieder", andere sind sehr zufrieden und nennen es "Wundermedizin".

    Das muß aber jeder individuell herausfinden, guten Kontakt zum Arzt haben und den Körper und seine Signale beobachten und wahrnehmen.

    Mit Botox kann man Muskelgruppen ganz gezielt ansteuern, mit Baclofen kann es passieren, dass auch Muskeln locker werden, die es nicht werden sollen, weil es im ganzen Körper wirkt.
    Das Einsetzen einer Medikamentenpumpe soll gut überlegt sein, es ist ein operativer Eingriff, der wiederholt werden muß, wenn der Akku nach etwa 7 Jahren verbraucht ist oder der Schlauch verrutscht oder abgeknickt ist, so dass das Medikament, z.B. Baclofen in Flüssigform nicht mehr dort ankommt, wo es soll.
    Auch die Pumpe war schon mal angedacht für meine Tochter mit starker Paraspastik, ein Facharzt riet uns davon ab. Als wir ihr Baclofen in Tablettenform mal testweise etwa 6 Wochen gaben, was völlig anders dosiert wird, als wenn es per Pumpe dosiert wird, ist sie am Tisch eingeschlafen, mit dem Kopf im Essen oder im Schulheft gelandet. Wir haben es sofort abgesetzt, waren froh, keine OP gemacht zu haben. Sie kann sich den Eingriff später selber überlegen, wenn sie volljährig ist.

    Gruß, Katrin