Ist ein Arbeitnehmer mit Behinderung 290 Euro wert?

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Liebe User,

ab dem 1. Januar 2012 wurde die Ausgleichsabgabe erhöht. Seitdem müssen Firmen ab einer Größe von 40 Mitarbeitern für jeden unbesetzten Schwerbehindertenplatz bis zu 290 Euro entrichten. Mehr zu den Änderungen an der Ausgleichsabgabe erfahrt Ihr in diesem Artikel:

http://www.myhandicap.de/ausgleichsabgabe-arbeitnehmer-arbeitgeber-behinderung.html

Haltet Ihr die Ausgleichsabgabe nun für hoch genug? Oder würden höhere Summen zu so genannten "Quotenbehinderten" führen, ohne dass die Unternehmen - was wünschenswerter wäre - ein echtes Interesse an behinderten Mitarbeitern haben? Wie könnten Arbeitgeber besser motiviert werden, mehr Menschen mit Handicap einzustellen?

Uns interessiert Eure Meinung!

Tom
MyHandicap

Antworten

  • Hallo Tom,

    ich sage das schon seit etlichen Jahren. Die Firmen die keine Schwerbehinderten einstellen, sollten eine Ausgleichsabgabe in Höhe eines Durchschnittsgehaltes zahlen müssen. Dann würden sich die Firmen vielleicht überlegen, doch mal einen Schwerbehinderten einzustellen, das tut dann mehr weh, als ca. 300€. Große Firmen wie z.B. die Autofirmen holen sich doch die Ausgleichsabgabe über die Kunden wieder, indem Sie einfach mal die Autos teurer verkaufen, also die Verkaufspreise erhöhen. Bei kleineren Firmen könnte man ja weniger Geld verlangen, wenn ein Durchschnittsgehalt zuviel ist, aber das dann bitte auch nach festgelegten Richtlinien, und nicht wie das Gießkannensystem. Du zahlst das, weil ich mit Herrn X seit 100 Jahren Tennis(Golf) etc. spiele, und Firma A zahlt das, weil ich davon keinen kenne.

    Hier in meiner Behörde, in HH-Altona, im Bezirksamt gibts rund 1000 Angestellte, Beamte und Arbeiter, davon sind ca. 100 Leute, also um 10% Schwerbehindert. Nicht überall können Schwerbehinderte eingesetzt werden, wie z.B. als Gärtner, einen Rollstuhlfahrer einzustellen ist etwas schlecht. Im Büro kann man aber gut und gerne Rollifahrer einsetzen, kommt halt auch immer darauf an, um was es für einen Job geht.
  • surfer
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    Hallo Leute,

    Hierzu die neusten Zahlen und Fakten aus der VDK -Zeitung 4/2012,S.1.

    Über 137.000 Betriebe mit Beschäftigungspflicht haben die Quote nicht oder nur teilweise erfüllt.
    Arbeitslosenquote bei Behinderten 14,9% fast 3 Mal soviel wie normal,78000 gemeldet, 9,7% anerkannte Behinderungen in der Bevölkerung, nur 4% von Geburt an.
    Über 37.000 davon haben keinen Behinderten im Betrieb.
    60% vor allem in der Wirtschaft zahlen lieber.
    Förderung und Hilfen liegen ui größeren Teilen im Ermessen der Jobcenter, die von der Regierung Sparkurs auferlegt haben.

    LG

    Surfer
  • Moin,

    Also 299,- Euro sind meines Erachtens nach zu wenig. Aber es zeigt deutlich wie Arbeitgeberfreundlich unsere derzeitige Regierung ist. Seit Jahren müssen die Arbeitnehmer dafür bluten, daß die Firmenmanager sich die Taschen vollstopfen können. (Ich muß mich zügeln, sorry. Zurück zum Thema.)

    Die Abgabe sollte mindest die Höhe von 6 Netto-Monatsgehältern betragen, das eigentlich für den Mitarbeiter vorgesehen war. Sprich: Entweder ihr stellt einen Behinderten ein, oder ihr zahlt das dafür eingesparte Geld komplett an eine gemeinnützige Sache.

    ciao

    chrony
  • Der Betrag wäre zumindest für kleine Betriebe hoch genug. Allerdings muss man erst ab einer bestimmten Betriebsgröße überhaupt Schwerbehinderte einstellen und kleine Betriebe werden auch kaum kontrolliert.

    Kommt dann doch mal einer vom Amt, heißt es, es habe sich keiner mit einer Behinderung beworben. Das ist zwar wenig glaubhaft, aber es ist auch schwer, das Gegenteil zu beweisen.

    Neben den üblichen Klischees über Menschen mit Behinderung, kreist bei vielen AGs sicher auch noch das Märchen der Unkndbarkeit schwerbehinderter menschen rum. Diese haben somit Angst, dass sie einen solchen mitarbeiter nur schwer los werden. Hier wäre dringend Aufklärungsarbeit gefordert.
  • marry1
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    Ich glaube kaum das sich durch die Erhöhung der Ausgleichsabgaben irgendwas ändern wird.
    Es gibt einfach zu viele Arbeitgeber wo Behinderte nicht ins Firmenprofil passen, sei es so wie Wolfgang schon sagte, wegen der Annahme der "Unkündbarkeit", wegen der Repräsentation der Firma, wegen Vorurteile bezüglich der Arbeitsleistung von Behinderten usw. Leider gibt es nur eine kleine Handvoll von Arbeitgebern die sich mit dem Thema auseinandersetzen und auch wissen, was Behinderte leisten können.

    Ich glaube, wenn die Ausgaben sehr hoch wären und so manch Arbeitgeber sich dann doch überlegt, Behinderte einzustellen, was dann? Es wird viele Behinderte geben, die trotz entsprechender Ausbildung in den wenigsten Fällen die Möglichkeit bekommen sich weiter zu entwickeln entweder weil der Arbeitgeber Ihnen einfach nichts zutraut oder weil der Behinderte froh ist überhaupt arbeiten zu können und sich garnicht traut irgendwelche Ansprüche zu stellen.
    Klar gibt es Gesetze zur Förderung, aber eben nur auf dem Papier, jedenfalls in den meisten Fällen.

    Das ist meine Meinung und leider auch meine Erfahrung die ich in vielen Jahren sammeln konnte.

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