Nachamputation

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Hallo Leute!

Seit einiger Zeit beschäftigt mich ein Thema sehr. Mir fehlt seit Geburt ein Fuß. Früher war das nie das Problem, aber im Laufe der Zeit hat sich mein Stumpf verformt und das Stumpfende wird immer empfindlicher. Dazu kommt, dass der Stumpf eine blöde Form hat und keine Prothese so richtig gut passt.

Nun steht die Idee im Raum den Stumpf zu kürzen.
Grundsätzlich bin ich dabei. Nur dass ich keine Ahnung habe wie das abläuft und natürlich auch Angst habe.

Hat jemand von Euch schon so eine oder ähnliche OP gehabt?

Die meisten Gedanken mache ich mir wie wirds nach der OP. Hab ich Schmerzen, wie schnell verheilt alles, wann kann ich wieder in eine Prothese schlüpfen, wann kann ich wieder so gut (oder hoffentlich besser) gehen? Das Schlimmste ist dass ich nicht weiß wie es sich anfühlen wird, und das es nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Worauf ich mich am meisten freue ist dass ich dann mehr Platz für Füße habe die mehr können als die die ich bisher gehabt habe. Bisher war mein Stumpf zu lange und ich konnte nur ganz flache Füße tragen.

Würde mich freuen wenn Ihr mir ein bisschen Input geben könnt. 😀

LG
Aeo



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  • swisswuff1
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    Aeo hat geschrieben:
    Hallo Leute!

    Seit einiger Zeit beschäftigt mich ein Thema sehr. Mir fehlt seit Geburt ein Fuß. Früher war das nie das Problem, aber im Laufe der Zeit hat sich mein Stumpf verformt und das Stumpfende wird immer empfindlicher. Dazu kommt, dass der Stumpf eine blöde Form hat und keine Prothese so richtig gut passt.

    Nun steht die Idee im Raum den Stumpf zu kürzen.
    Grundsätzlich bin ich dabei. Nur dass ich keine Ahnung habe wie das abläuft und natürlich auch Angst habe.

    Hat jemand von Euch schon so eine oder ähnliche OP gehabt?

    Die meisten Gedanken mache ich mir wie wirds nach der OP. Hab ich Schmerzen, wie schnell verheilt alles, wann kann ich wieder in eine Prothese schlüpfen, wann kann ich wieder so gut (oder hoffentlich besser) gehen? Das Schlimmste ist dass ich nicht weiß wie es sich anfühlen wird, und das es nicht mehr rückgängig zu machen ist.

    Worauf ich mich am meisten freue ist dass ich dann mehr Platz für Füße habe die mehr können als die die ich bisher gehabt habe. Bisher war mein Stumpf zu lange und ich konnte nur ganz flache Füße tragen.

    Würde mich freuen wenn Ihr mir ein bisschen Input geben könnt. 😀

    LG
    Aeo





    Wegen Fussmodellen keine Ahnung.

    Was die Amputation angeht - das ist wie jede Amputation. Sicher ist es bei allen etwas anders.

    Bei mir dauerte es ewig, bis es geheilt war. Offenbar aber ist jeder Stumpf von der Durchblutung einfach schlechter als alles andere und das war / ist bei mir nicht anders. Es dauerte etwa 5-6 Wochen, mit langsamem Zuheilen und alle 2 Tage Wunde auskratzen / reinigen, bis es zu war. Das aber ist offenbar nicht selten, dass es einfach ewig dauert.

    Es tat nach der Amputation die ersten drei Wochen sehr weh; die allererste Woche hatte ich eine Morphiumschmerzpumpe die ich sehr fleissig brauchte. Dann ging es einigermassen. Etwa 1 Jahr lang tat es am Stumpf doch stark weh. Es war sagen wir mal ziemlich empfindlich und ein echtes Problem. Seither ist die Empfindlichkeit weniger ein Problem, Liegestuetzen und stark Druecken geht nicht aber Tasche tragen oder Kisten schleppen schon. Allerdings ist die Durchblutung bei mir schlecht (sonst habe ich keine Durchblutungsstoerungen oder Erkrankungen, nur der Stumpf ist immer blau und eiskalt) und deswegen tut der kaputte Arm meist weh, allerdings nur wenig stark. Ich habe inzwischen fast permanent Phantomschmerzen die aber meist so gering sind dass man sie gut vergessen kann. Ueber die letzte 1 1/2 Jahre wurden die Phantomschmerzen langsam immer mehr. -- Gelegentlich wird es schlimm, dann ist es meist weil der Stumpf ganz unterkuehlt ist, weil ich ihn angeschlagen oder verletzt habe, oder weil es mir schlecht geht oder aus irgendeinem Grund den ich nicht kenne. Das passiert relativ haeufig, dass es stark weh tut und ich nehme keine Medikamente, man gewoehnt sich eigentlich auch daran. Die Art Schmerz ist so gleich und immer dasselbe, die Intensitaet so konstant, dass sich das Hirn bei mir irgendwie um diesen Schmerz wickelt und es nicht mehr als absoluten Alarm ansieht.

    Mein Stumpf ist nur bedingt formstabil, was aber normal ist. Dann muss man schauen, wenn die Prothese zu weit wird und es lockere Stellen hat, dass man dann mal einen neuen Schaft bekommt oder wenigstens den alten enger macht. Das ist aber normal, dass man nachschauen muss.

    Kuerzen kann man alles. Meinen Stumpf koennte man kuerzen damit er nicht immer so blau ist und weh tut, da die Durchblutung mies ist und bei einem kuerzeren Stumpf mit besserer Muskel-Bedeckung viel besser waere. Vielleicht waeren die Schmerzen besser, vielleicht nicht - ich studiere darueber nicht nach. Denn, ich bin ich, das ist mein Koerperteil und nur wegen der Eiseskaelte und Empfindlichkeit gebe ich die paar Zentimeter Armstumpf nicht her. Es ist bei mir auch so - mit einem kuerzeren Armstumpf koennte ich auch ein motorisiertes Handgelenk tragen und haette ein paar Moeglichkeiten mehr was Prothese angeht. Aber soweit kommt es gerade noch, dass ich fuer Prothesenteile meine Anatomie hergebe. Nein, das bleibt erstmal schoen so, und dann sollen die Techniker schauen dass was nettes draufpasst. Der Orthopaede hatte mir bei der Amputation den Stumpf absichtlich lang gelassen, er meinte, ist zwar schlecht durchblutet und heilt erstmal nicht gut aber nachher ist es einfach praktischer.
  • Liebe Aeo,

    herzlich willkommen bei uns im Forum!

    Ich habe unseren Fachexperten für Amputationen gebeten, sich um Dein Anliegen zu kümmern. Bitte habe bis zur Beantwortung noch ein wenig Geduld.

    Lieben Gruß,

    Tom
    MyHandicap
  • marry1
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    Hallo Aeo,
    ich habe z.B. eine Oberschenkelamputation hinter mir, wurde zweimal danach noch dran rumgeschnippelt und rumgefeilt.
    Klar Schmerzen hat man nach jeder OP, aber ich denke jeder Mensch ist sicher auch unterschiedlich schmerzempfindlich. Mir haben normale Spritzen über Wasser gehalten.
    Ich denke aber das du nach der OP sicher besser laufen kannst wie jetzt, da du ja dein Knie mitbenutzen kannst. Habe schon viele Menschen kennengelernt denen nur der Fuß fehlte und die konnten super laufen.
    Mit dem Verheilen ist es sicher auch personenbezogen unterschiedlich. Bei mir ging das relativ schnell ohne irgendwelche Schwierigkeiten, kein Auskratzen oder irgendwas anderes.
    Die Phantomschmerzen hat sicher auch jeder auch ich, habe gelernt damit zu leben, brauch da auch keine "Meduzin" 😀. Es sind ja auch keine Dauerschmerzen, die kommen wann sie Lust haben und gehen auch schnell mal wieder, also im Rahmen.
    Ratschläge oder so kann man da schlecht geben, aber wenn ich persönlich dadurch besser laufen könnte, dann wär ich ganz bestimmt diesen Weg gegangen.

    LG Marry
  • viktor56
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    Hallo Aeo

    Ich denke, es ist wichtig, dass du dich gut informierst über die Vor- und Nachteile einer OP. Hole dir auf jeden Fall eine Zweitmeinung von einem orthopädischen Arzt ein. Es ist auch nützlich, wenn du das Ganze mit einem guten Prothesenbauer besprichst. Als Unterschenkelamputierter hast du ohnehin bessere Möglichkeiten in der Bewegung, weil du das Kniegelenk hast.

    Grundsätzlich ist eine solche OP kein komplizierter Eingriff. Du musst die Vor- und Nachteile für dich gut abwägen. Welche Verbesserungen soll es dir im Alltag bringen? Was möchtest du nach der OP alles körperlich machen können? Welche Einschränkungen (z.B. Phantomschmerzen) bist du bereit, in Kauf zu nehmen, und für wie lange?

    Zu diesen Fragen solltest du Antworten haben, die du dann den medizinischen Fachpersonen präzise erläuterst. Viele operative Eingriffe bringen nicht das gewünschte Resultat, weil die Vorstellungen unklar sind... Deshalb bring deine Vorstellungen selbstbewusst und klar ein 😉

    Herzliche Grüsse
    Viktor
  • Hi! Danke Euch für Eure Antworten.

    @Swisswuff: Tut mir leid, dass es bei Dir so gelaufen ist. Du hast mir mit Deiner (ersten) Antwort schon etwas Angst gemacht, vorallen weil es bei Dir um einen Arm ging und nicht um ein Bein. Ich muss/will ja möglichst schnell wieder drauf gehen können.
    Vorallem die Sache mit dem Auskratzen... uahhh, daran will ich garnicht denken.

    @Marry: Danke Dir! Du hast mich schon wieder Mut gemacht. 😀 Ich hab ständig Kopfschmerzen, teilweise richtig brutale. Wenn mir was anderes wehtut juckt mich das nicht so sehr. Bisher ist auch alles ziemlich schnell verheilt was irgendwie offen war.
    Wie schnell konntest Du nach der OP eine Prothese tragen?
    Hab mir gestern den Fuß angesehen, den ich kriegen kann wenn ich diese OP hinter mir habe. Der ist echt super. Wenn ich mir davon die Videos so im Internet ansehe, würde ichs am liebsten direkt heute hinter mich bringen. 😀Das ist schon wesentlich besser als die Füße die ich bisher hatte.

    @Viktor: Dein Input hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Tatsächlich gibts noch einige Dinge die noch ziemlich ungeklärt sind, wo ich denke die werden "bestimmt" so und so sein. Da sind sicher welche dabei die ich doch mal ganz genau wissen möchte. zB. ob ich danach irgendeinen Silikonstrumpf bis zum Oberschenkel kriege, das möchte ich nicht. Spätestens oberhalb vom Knie soll die ganze Sache aufhören, sonst fühl ich mich doch ziemlich eingeschränkt. Bin es bisher so gewöhnt das die Prothese am Knie aufhört und so soll es bleiben. 😀


    Mein Stumpf ist schon sehr lang. Ich würd jetzt mal 25-30cm (ab unterhalb der Kniescheibe) schätzen. Es sollen nur 5-7cm weg.
    Was ich noch nicht geschrieben hatte, ist dass sich um mich rum ein Team gebildet hat aus Orthopäden/Sportmediziner, meinem Physiotherapeut, meinem Prothesenbauer und einem plastischen Chirurgen. Das ist ganz lustig, da einer mir den anderen empfohlen hat und hinterher rauskam dass sie auch die anderen von früher kennen. Die Kommunikation zwischen ihnen ist sehr gut. Sowas hab ich bisher noch nicht bei Ärzten erlebt. Bisher war ich nur bei total unmotivierten Orthopäden gelandet die mich so schnell wie möglich wieder aus ihrer Praxis haben wollten.
    Mit jedem einzelnen (ausser dem Chirurgen) hab ich schon lange Gespräche geführt und alle haben sich viel Zeit genommen um selbst über die Sache nachzudenken und mir dann Rede und Antwort zu stehen. Nur einige Fragen hab ich sicher noch nicht gestellt, die müssen einem ja auch erstmal einfallen.

    Solange ich mich nicht 100% aufgeklärt und bereit fühle, werde ich es nicht machen. Aber ich denke ich bin nah dran. 😀 Die Entscheidung ist für mich eigentlich schon gefallen. Ich möchte eben nur später keine bösen Überraschungen erleben müssen. Davor hab ich am meisten Angst. Vor Phantomschmerzen hätte ich auch Angst, wobei mir gesagt wurde dass das Risiko sehr gering ist, weil ich ja noch nie einen Fuß hatte, und da nur wenig gekürzt wird. Ich hab keine Ahnung wie schlimm Phantomschmerzen sein können, aber ich glaube/hoffe, dass sie sich bei mir im Rahmen halten würden, wenn ich welche hätte.

    Mir ist es auch wichtig einfach zu wissen was mich nach der OP erwarten, eben Schmerzen, wie schnell ich wieder gehen kann... ich denke da fragt man am besten Leute die es selbst schon hinter sich haben. 😀


    Vielen Dank erstmal für Eure Antworten!
    Wenn noch jemand was dazu schreiben möchte würde ich mich sehr freuen!

    LG
    Aeo

  • marry1
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    Hallo Aeo,
    na ja ich hatte so November noch eine OP und so Ende Februar, Anfang März meine Prothese, muß dazu sagen, der hat sich ziemlich Zeit gelassen mit bauen, also ich hätt das Teil dann sicher schon früher gehabt.
    OK es liegt ja auch schon etwas zurück, heut sind die sicher schneller, jedenfalls was ich so im Unfallkrankenhaus gesehen hab, die wurden ja gleich im Krankenhaus damit versorgt und haben da auch gleich laufen gelernt. Bei mir war es komplett anders, war nach der Op schnell wieder zu Hause und lief eben solang auf Krücken, als ich das Teil bekam hatte ich keine Gehschule oder so, mußte mir das im Prinzip selbst beibringen.
    So wie die das jetzt machen ist es richtig super und du weißt ja, es liegt immer in der eigenen Hand wie schnell man wieder auf die Beine kommt.
    Tut mir leid, dass ich dir das nicht genauer sagen kann, aber vor der Wende war es noch nicht so ausgereift wie jetzt, denke ich.

    LG Marry
  • Lieber Aeo,

    Nachanputationen sind für Chirurgen immer ein schwieriges Kapitel, denn die Operation ist nicht korrigierbar. Von daher muß die OP richtig vorbereitet werden. Dazu gehört zum einen, dass der Patient zu diesem Schritt bereit ist und alle nötigen Informationen und Konsequenzen kennt. Ich empfehle, in diesem Fall immer das Gespräch mit einem Arzt im besten Fall dem operierenden und dem Orthopädietechniker zusammen zu führen. Mit beiden sollte über die Höhe der Amputation gesprochen werden, denn die ideale Amutationshöhe für den Chirurgen muß nicht die beste Länge für die spätere Prothesenversorgung sein und die ist schließlich entscheidend für den gesamten weiteren Verlauf.

    Nun ist es sehr schwierig eine solche Einrichtung zu finden in der die Zusammenarbeit von Arzt und Techniker so ineinander greift, die Mühe lohnt sich allerdings.
    Egal wer die OP hinterher durchführt man sollte im Vorfeld so viele Informationen wie möglich sammeln, d.h. sich beim bisherigen Techniker über die mögliche Prothesenversorgung erkundigen, mögliche Prothesenfußversorgungen in Ruhe erklären lassen etc.

    Ebenso wichtig ist sich mehr als eine ärztliche Meinung einzuholen und sich bei den in Frage kommenden Krankenhäusern in der Ambulanz vorzustellen, denn man muß das Bein in jedem Fall sehen um eine gute Amputationshöhe festzulegen, da es sich bei Ihnen um eine angeborene Fehlbildung handelt sollte auch weitere Diagnostik durchgeführt werden, etwa ein Röntgenbild des Beines/Stumpfes, ggf. eine Gefäßdarstellung. Erst danach sollte die eigentliche OP festgelegt werden und Sie überalle Konsequenzen aufgeklärt werden, meiner Ansicht nach, ist auch hier die Meinung eines Orthopädietechnikers wichtig, er sollte Ihnen vor der OP eine Aussicht über die spätere Prothesenversorgung machen.

    Jeder Pat. reagiert auf eine Amputation unterschiedlich, man kann vorher nicht genau sagen, wann der Patient wieder auf die Beine kommt. Wichtig ist sich aber auch hier im Vorfeld zu erkundigen, wo man bei sich vor Ort die ambulante Physiotherapie machen kann, wer die Orthopädietechnische Versorgung übernimmt und wie man alle Termine organisiert und erreicht. Bis man nach einer Amputation wieder richtig auf den Beinen ist, bis die Prothese sitzt und alle möglichen Nachbesserungen erledigt sind, sollte man mindestens 12-14 Wochen planen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Insa Matthes
  • Lieber Aeo,

    eine stumpfverbessernde Operation ist immer eine ganz individuelle Angelegenheit - kein Stumpf ist gleich wie der andere. Die Wundschmerzen sind in der Regel erträglich und beherrschbar, sie klingen auch bald ab. Wesentlich schwieriger ist die Prognose, wenn bei der Stumpfkürzung auch Nerven durchtrennt und gekürzt werden müssen. Dann besteht ein Risiko für Phantomschmerzen die in ca. 10% auch bei optimaler Therapie nicht befriedigend verbessert werden können und auch im ungünstigen Fall ein Leben lang anhalten können. Um eine korrekte Antwort geben zu können, braucht es noch mehr Informationen über den Stumpf (Foto, Röntgenbild), auch muss vor einer solchen Operation geklärt sein, ob von Seiten der Prothesenversorgung alles ausgeschöpft wurde. Bei schlechten Stümpfen ist die chirurgische Stumpfkorrektur häufig die einzige Möglichkeit wieder einen versorgbaren und belastbaren Stumpf zu erzielen, selbstverständlich muss die Durchblutung immer vor einem solchen Eingriff geprüft werden den ohne genügende Sauerstoffversorgung ist keine eilung zu erwarten.

    Mit freundlichen Grüssen
    Thomas Böni