Fristlos gekündigt vor Ablauf der Probezeit

Meine Odyssee II

Am 30.08.2010 begann ich meine Ausbildung bei RWE. Die ersten vier Tage (bis 02.09.) fuhren wir nach Wanderath zur Einführungswoche. In dieser Zeit begleitete mich mein Vater als Arbeitsassistenz, da er eh für die pflegerischen Leistungen mitkommen musste. Nach dieser Fahrt (am 03.09.) hatte ich ein Gespräch mit meinen Ausbildern, in dem mir vorgeworfen wurde, ich hätte gegen den Ausbildungsvertrag verstoßen, da ich am 1. Tag ohne Arbeitsassistenz erschienen bin.

Dabei war mein Vater als Arbeitsassistenz da; denn es ist nirgends festgelegt, wer der Assistent sein soll. Laut LVR kann diese Tätigkeit auch von einem Familienangehörigen übernommen werden. Außerdem ist es meine alleinige Entscheidung, da ich mit ihm zurechtkommen muss und RWE nichts mit dessen Organisation zu tun haben wollte. Dies steht sogar im Lehrvertrag.

Sie hatten sogar am ersten Tag  überlegt, ob sie mich aufgrund des „Vertragsbruchs“ die Ausbildung überhaupt starten lassen sollen.

Vom 06.09. – 17.09. fanden dann für alle Azubis Einführungsseminare im Ausbildungszentrum statt. Am 17.09. hatte ich noch ein Gespräch mit den Ausbildern, in dem sie mir viel Spaß beim ersten betrieblichen Einsatz (ab 20.09.) wünschten und mir erklärten, dass ich bei Problemen jederzeit zu ihnen kommen kann/soll.

Nach zwei Wochen in der Poststelle des Betriebes kam mich meine Ausbilderin besuchen, sie wollte wissen, wie es so im Betrieb läuft. Gleichzeitig bemängelte sie aber auch, dass ich nicht alle mir zur Verfügung gestellten Hilfsmittel (elektr. Tacker, Locher) benutze. Auf meine Erklärung, dass ich diese in der Abteilung nicht benötige, ging sie gar nicht ein: vor ihren Augen musste ich mir ein Verlängerungskabel besorgen und die Geräte aufbauen, was meiner Meinung einer Schikane glich. Erst mein Ausbilder der Abteilung konnte sie besänftigen und verständlich machen, dass ich die Geräte wirklich nicht benötige und daher auch nicht aufbauen muss. Des Weiteren kritisierte sie, dass ich die Geräte (z.B. Frankiermaschine) nicht von alleine bedienen kann, da sie vom Rollstuhl aus nicht zu erreichen sind. Deshalb verlangte sie von mir, dass ich Gebrauchsanweisungen für diese anfertige, was meiner Meinung nach unnötig ist, da ich in dem Moment, wo mir die Maschine erklärt wurde, die Bedienung merkte bzw. mir Notizen machte. Es erweckte in mir den Anschein, als würde sie mir nicht vertrauen, dass ich mir die Bedienung merke, trotz dass ich die Maschine nicht allein bedienen kann.

Zwei Tage später kam sie erneut vorbei, mit der Absicht, dass ich meine Telefonanlage (Headset) aufbaue. Hierfür musste ich mir ein extra Telefon zum Anschließen besorgen. Das war kein Problem für mich. Auch nicht wenn man beachtet, dass ich in den zweieinhalb Wochen in der Poststelle das Telefon nicht einmal benutzen musste. Das einzige, was mich verwundert hat, war, dass ich das Telefon beim dreiwöchigen Abteilungswechsel immer mitnehmen musste, selbst wenn der „Azubi-Schreibtisch“ normalerweise kein Telefon hatte. Wieso musste ich mir immer extra einen Telefonanschluss legen lassen, wenn die anderen Azubis doch auch keinen hatten bzw. haben mussten?

Ein weiteres Thema war die Versicherung meiner Arbeitsassistenz. Hierfür wollte meine Ausbilderin unbedingt ihren Arbeitsvertrag, den sie mit der Lebenshilfe e.V. abgeschlossen hat, einsehen. Auf die Erklärung, dass der Vertrag nicht einfach so an Dritte weitergegeben werden darf, ging sie nicht ein und verharrte unkooperativ auf ihrer Meinung. Erst als ihre Vorgesetzte sich einschaltete und sich bereit erklärte mit der Lebenshilfe diesbezüglich in Verbindung zu treten, konnte dies geklärt werden.

Am 02.11. wollte mein Abteilungsausbilder mich zwischenbewerten. Dazu hat er den üblichen Azubi-Bewertungsbogen genommen. Allerdings hatte er Probleme bei der Bewertung, da es ihm schwer fällt, zu unterscheiden, welche Aufgaben meine Assistenz von alleine erledigt und was sie auf meine Anweisung hin macht. Ich habe erklärt, dass alles, was meine Arbeitsassistenz macht, auf meine Anweisung geschieht. Des Weiteren erklärte er mir, dass man seiner Meinung nach für meine Bewertung einen extra Bewertungsbogen entwickeln müsste.
Am selben Tag hatte ich auch ein Gespraech mit meinen Ausbilderinnen, in dem sie mir sagten, dass sie auf Grund der schlechten Bewertung mit meiner Leistung unzufrieden seien. Des Weiteren haben sie Probleme mit der Arbeitsassistenz.
Am darauf folgenden Tag habe ich mich an die Behindertenvertretung gewendet, damit diese mir weiterhilft. Sie hat für den 10.11. ein Gespräch vereinbart, an dem meine Ausbilderinnen, der Betriebsrat, der Behindertenvertreter, der Integrationsfachdienst und ich anwesend waren.
Am 18.11. wurde ich fristlos und ohne Angabe von Gründen vor Ende der Probezeit entlassen.

Was mich an der Sache sehr verärgert, ist, dass keiner mir die wahren Gründe nennt. Die Ausbilder sagten einerseits, es läge an mir, andererseits an der Arbeitsassistenz.
Mitarbeiter haben mir aber erzählt, dass die Ausbilder meine Ausbildung unterschaetzt haben, was sie aber niemals zugeben würden.

Antworten

  • Hallo!

    Das hört sich ziemlich nach Schikane an! Hast Du keinen gesonderten Kündigungsschutz?
    Es ist nicht leicth, sowas nachzuweisen. Bei solch hohen Instanzen zieht man oft den kürzeren leider. Ich würde mir eine Erklärung geben lassen und mal protokollieren, was alles abgelaufen ist. Sehr viele Menschen werden in unserer Gesellschaft diffamiert, weil Sie wenig Möglichkeiten haben, sich zu wehren.
    Ich würde jedoch nicht kampflos aufgeben. Ich habe mich bei einem Fall an die Zeitung gewendet und hatte die Krankenkasse angeprangert. Und ich gewann! Da ging es zwar um eine Ablehnung einer Mutter/Kind-Kur, da ich Hartz4 beziehe und wurde aufs übelste diskriminiert und diffamiert. Das Hamburger Abendblatt schrieb eine Kolumne!
    Vielleicht, auch im Interesse anderer "gehandicapten" Menschen, wäre es doch mal für die Gesellschaft interessant, wie wir behindert werden-selbst von Pseudo-toleranter Firmen!
    Ich wünsche Dir alles Gute und viel Erfolg!

    LG

    Simone
  • Kuendigungsschutz hatte ich keinen. War ja noch Probezeit. Um genau zu sein wurde ich 3 Tage vor Ablauf der Probezeit entlassen!

    Ich hatte auch schon überlegt, an die presse zu gehen...
    Auf jeden Fall werde ich zum Anwalt gehen.
  • Liebe viki1211,

    Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen. Reine Schikane und die wollten von Anfang an keinen Behi und haben von Anfang an gesucht um Dich wieder loszuwerden.

    Sehr schwierig das nachzuweisen, aber such einfach mal alles was Du dokumentiert hast.
    Tritt beim VDK als Mitglied in Deinem ein, dann kannst Du kostenlos klagen und die stellen auch den Anwalt.
    Auch hier im Forum gibt es Fachexperten und die Redaktion kann das Anliegen weiterleiten, wenn Du denen über die PM was schickst.

    Viel Glück

    Surfer
  • Hi Surfer,

    Was ist die VDK??

    Lg
  • Hallo viki1211,

    Der VDK setzt sich für die Rechte für Rentner,Behinderte, Kriegsopfer usw. ein und ist einer der größten Sozialverbände Deutschlands.
    Mehr unter www.vdk.de

    Gruß

    Surfer

  • Hallo viki,

    das klingt aber gar nicht gut was mit Dir gemacht wurde. Bereits die Schilderungen über die Ausbilderin sind erschreckend. Ich denke auch das Du dies mit einem Anwalt durchgehen solltest.

    Der VDK ist ein Sozialverband für Behinderte und Rentner.

    Ich wünsche Dir auf jedenfall ganz viel Kraft...

    LG

  • Hallo Viki!

    Beim Lesen Deines Beitrags wurde mir wieder schmerzlich bewußt was mir seit längerem immer wieder begegnet:Kein Gespür für Menschen mit Behinderungen unterschiedlichster Art.

    Dazu kommt mangelnde Gesprächsbereitschaft was mich gelegentlich traurig macht da es niemanden Nutzt jedoch ausgrenzt.

    Ich wünsche Dir weiter viel Kraft und verständnis für Dein Bedürfnis und erarbeitete Talente.LG SENDRINE 😢
  • Und ein Arbeitszeugnis würde ich mir ausstellen lassen.
  • Ein Arbeitszeugnis habe ich nie bekommen!...

    Zur Vorbereitung auf die Ausbildung hatte ich ion maerz ein Praktikum bei denen gemacht. Einen praktikumsbescheid habe ich auch nie bekommen...
  • Es waere nett, wenn sich ein paar Experten dazu äußern könnten ....

  • Hallo viki1211!

    Es ist einfach wiederlich, wie Du behandelt wurdest...Ich bin kein Fachexperte und kann Dir leider keine Tippsn geben.

    Es wundert mich aber, dass es sich bis jetzt noch kein Experte gemeldet hat...(

    Dir alles Gutes!

    Cyber
  • Hallo zusammen ,

    ist ja schön das ihr euch so aufregt wegen der Kündigung.
    Ich finde es auch nicht Ok, wenn ich das so lese aber
    die Schilderung ist doch sehr einseitig und ehe man auf
    den Arbeitgeber eindrischt wäre es aus meiner Sicht wichtig
    auch diese Seite der Medaille zu kennen.

    Vielleicht kann dir aber dieser Link ein wenig weiter helfen.

    http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Probezeit.html
  • Hi viki

    Ich bin jetzt zwar kein Experte habe aber auch so die ein oder andere leidvolle Erfahrung. Das Problem ist einfach die Probezeit. In deinem Arbeitsvertrag war sicherlich eine Probezeit von 6 Monaten vereinbart. Innerhalb dieser Zeit gibt es auch bei Vorliegen einer Schwerbehinderung keinen besonderen Kündigungschutz. Daher eine Zustimmung des Intergationsamtes ist nicht erforderlich.

    SGB IX § 90 Absatz 1

    Die Vorschriften dieses Kapitels gelten nicht für schwerbehinderte Menschen,

    1. deren Arbeitsverhältnis zum Zeitpunkt des Zugangs der Kündigungserklärung ohne Unterbrechung noch nicht länger als sechs Monate besteht


    Die Kündigungsfrist beträgt auch nur 2 Wochen (§ 622 Abs. 3 BGB). Die Kündigung muß allerdings schriftlich erfolgen, eine rein mündliche Kündigung ist unwirksam. Soweit mir bekannt muß eine Kündigung nicht einmal begründet werden, hängt dann wohl auch davon ab was im Arbeits/Tarifvertrag steht. Das Ding heißt nicht umsonst Probezeit.

    Selbst wenn Aussicht auf Erfolg besteht müßte eine Klage innerhalb von 3 Wochen erfolgen. Nach Ablauf der Klagefrist läßt sich nichts mehr machen.

    Allerdings ein Anrecht auf ein Arbeitszeugnis hast du. Dies mußt du aber fordern und spätestens bei einer Kündigung schriftlich. Dieses Recht hast auch jetzt noch, daher ehemaligen Chef/Personalbüro anschreiben und um ein Arbeitszeugnis "bitten". Wenn du in der gleichen Firma dein Praktikum gemacht hast zumindest einen Bescheid über die Dauer des Praktikums gleich mit anfordern.

    Klaus
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