Warum ist die Sensationslust so groß, wenn es jemanden schlecht geht?

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Als mein Sohn durch einen Autounfall querschnittgelähmt wurde, habe ich immer das Gefühl gehabt, jeder in meiner Nähe redet nur noch über das Thema.
Oft war es auch so.
Warum sind die Menschen in so einer schrecklichen Situation nur so sensationslüsternd?

Antworten

  • Hallo letztlich wird man die Frage wohl nie beantworten können Clowns schlagen sich und wir finden es lustig . Es fällt jemandem ein Blumentopf auf den Kopf und wir finden es lustig . Comics und Trickfilme sind voll mit Gemeinheiten
    Oder die Amerikaner :für etwas das sehr schön ist (der Geschlechtsverkehr) als Schimpfwort gebraucht wird Fuck Auch die Butterbrot These wenn ein Butterbrot zu Boden fällt ist die Butter immer unten . Rein Mathematisch stimmt das nie ,aber unsere Wahrnehmung vermitelt es so Wie gesagt warum das so ist kann ich dir auch nicht sagen Colores
  • Hallo Kerstinchen,

    ich glaube nicht das es Sensationsgeilheit ist. Es ist vielmehr so, daß man als Betroffener viel empfindlicher auf dieses Thema reagiert. Du schaust doch auch hin, wenn in einer Menschenmenge ein auffallender Mensch ist. Hinzu kommt, daß der überwiegende Teil der Menschen eine Querschnittlähmung oder einen Rollstuhl als den absoluten Supergau empfindet. Sie wissen nicht das man als Rollifahrer nicht zwangläufig hilfsbedürftig ist, sondern sehr häufig fast genauso selbständig und unabhängig bleibt, wie früher. Wenn diese Menschen einen Fall in ihrer Nähe wissen, reden sie darüber, weil sie sich Sorgen machen und sich nicht vorstellen können, daß das Leben trotzdem weiter geht.

    Übrigens, oft sieht man als Betroffener Hingucker wo gar keine sind. Nur weil man das erwartet. Ich habe das selbst schon 2x erlebt, als ich mit anderen Behinderten durch die Düsseldorfer Altstadt fuhr, hatten sie das Gefühl angeglotzt zu werden. Ich war der einzige der diese Glotzer nicht bemerkt hatte. Für mich waren die Menschen auf der Straße so wie immer. 😉

    Gruß Karin
  • Kerstinchen hat geschrieben:
    Als mein Sohn durch einen Autounfall querschnittgelähmt wurde, habe ich immer das Gefühl gehabt, jeder in meiner Nähe redet nur noch über das Thema.
    Oft war es auch so.
    Warum sind die Menschen in so einer schrecklichen Situation nur so sensationslüsternd?


    Hallo Kerstinchen,
    Meine Meinung nach spielen drei Faktoren eine große Role: zum einem ist man als Betrofene sehr "helhörig" - natürlich ist alles ganz anders als früher weil Die Situation Eure Familie schlagartig sich verändert hat.Man merkt den Unterschied, das die Leute anders reagieren als früher, es ist ungewohnt und scheinnt einen fremd oder künstlich zu sein.

    Zum zweiten: Die Leute interesieren sich für einem nicht umbedingt aus Mitleid sondern aus Mitgefühl. Freunde, Nachbarn,Bekannte sind erschuttert, wollen ihre Trauer und Betroffenheit oder Anteilname zeigen.
    Auf anderer Seite spielt der gleiche Mechanismus eine Rolle der uns von klein auf vetraut ist:wir hören gern Geschichten über Menschen. Diese Neugier oder Interresse ist meistens nich böse gemeinnt doch viele sind unbewusst!,froh das eine Krankheit oder Unfal eigene Person oder Familie verschonnt hat. Deshalb schauen wir gern auch Krimis - nicht weil wir roh und kaltblutig sind sondern, weil so was eine Art Ventil für Emotonen und eigene Ängste ist.Eine Art kontrolliertes Schrecken. Es ist ganz natürlich und hab nichts mit Schadenfreude oder Sensationgeilheit zu tun.

    Tut mir Leid das Dein Sohn diesen Unfal zum Opfer gefallen ist. Wünsche Euch noch viel Kraft..
    LG
    Tabathea

  • hallo kerstinchen,

    ich würde den anderen zustimmen.
    klar wird man, wenn man selber betroffen ist hellhöriger auf alles ringsherum um sich.
    da reichen anspielungen und man denkt das über sich gesprochen wird.
    wenn dann auch noch wie bei deinem sohn, ein solches problem besteht, hört man wirlich sozusagen die flöhe husten und man ist genervt.

    jedoch liegt es oft daran das der mensch selber solch ein ungeheuer ist und sich an schicksalsschlägen aufgeilt.

    wenn ich so an die vergangenheit zurückdenke wieviele unglücksfälle es auf der welt gegeben hat und darüber berichtet wurde. viele kannten den menschen nichteinmal aber haben darüber gesprochen und diskutiert.
    ein beispiel. millionen von menschen haben so sehr getrauert um lady dina, was ihr mann doch für ein scheißkerl ist und nach ihrem unfall und ihrem tod.
    die meisten haben mal was von ihr gehört aber plötzlich waren sie alle mit ihrem leben verbunden. aber wer hat sich denn groß zu lebzeiten für sie interessiert?
    und da gibt es noch tausende von beispielen.

    wenn diese sensationslust nicht im menschen wäre, würden nicht hundertausende sich diesen sche... wie big brother, dsds und wie das alles heißt anschauen und einige wenige daran millionen verdienen.

    nee der mensch ist von natur aus so, das ihn unglücke und missgeschicke anziehen.

    lg ralle

  • vermutlich denken einige leute: 'ooooops, das kann ja mit ein bisschen pech jedem passieren, ja, sogar mir'...
  • surfer
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    Hallo Kerstinchen,

    Vor Jahren hat das ein Arbeitskollege meiner Mutter erlebt, als sein Sohn erst die 2 Kinder und dann sich umgebracht hat.
    Verstärkt wurde das dadurch, daß es ein kleiner Ort war und die Presse stark beteiligt war.
    Ich glaube die Leute wollen durch dieses Sensationsverhalten für sich selbst Erklärungen für solche Unglücke finden. Anteilnahme wollen sie natürlich auch zeigen, einige wirklich, andere weil es sich so gehört.
    Aber das wichtigste für die anderen Leute glaube ich ist dabei, daß sie es auf diese Art und Weise für sich verarbeiten wollen.
    Beides, das mit den Erklärungen und dem psychischen Verarbeiten ist ihnen nicht bewußt, da arbeitet das in der Psychologie sogenannte Unterbewußtsein.
    Den Leuten ist nicht klar, daß sie damit auch einen Schaden anrichten können und bei dem Kollegen hat es erst aufgehört, als er sowohl die Presse rausgeschmissen hat, als auch den Leuten in der Gemeinde öffentlich klipp und klar gesagt hat, daß sie respektieren sollen, daß er und seine Familie nicht mehr darauf angesprochen werden wollen.

    Gruß

    Surfer


  • Hallo!

    Als ich vor einiger Zeit gelesen habe,das sich ein Sohn einer Nachbarin das Leben genommen hat,war ich zutiefst geschockt.

    Die Familie war aus Russland übergesiedelt und lebte in dem Haus unmittelbar neben uns,als wir eingezogen sind.
    Fast 10 Jahre durften wir erleben,wie sich die Jungs entwickelt haben und die Familie sich versucht einzuleben.

    Da ich selbst Mutter bin,überdenkt man diese besondere Situation des Suizid nach der Nähe der Betroffenen genauer.Ich überlege bis heute,warum??

    Es war der Brave,angepaßte,hübsche,fleißige der von der Brücke gesprungen ist.

    Wenn ich heute die Katastrophe betrachte,welcher mein Sohn seit einigen Wochen durchlebt mit uns,dann freue ich mich immer darüber,das es ihm Körperlich einigermaßen gut geht und erleben darf,wie seine verletzte Psyche wieder Hoffnung schöpft.
    Heute ist mir das Wort SCHICHSALSCHLAG ein Begriff,vor dem ich größten Respekt habe.Das haben wir gelernt,in den Jahren der Verlusttrauer.
    Als unsere 6 Jährige Tochter gegangen ist,war nichts mehr im Leben wie es war und die Menschen um mich rum,waren mir Fremd geworden auf einen SCHLAG.
    Heute leben wir unser eigenstes Leben,was Leute um uns denken oder sagen,nehme ich zwar war,aber verletzen mich kaum noch,den ich weiß,sie leben ein anderes Leben und kennen meines nur zu einem glitzekleinen Teil.Deshalb sehe ich Unwissenheit aber auch Dummheit immer wieder nach,den ich bin ein Teil davon.
    In jedem SCHICKSALSCHLAG steckt ein kleiner Teil von uns,den versuchen wir zu ergründen.Verstehen werden wir nur manchmal oder gar nicht.
    LG SENDRINE 😺
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