Rezept gegen plötzlich aufkommende Traurigkeit

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Hallo,
ich habe heute eine Frage: Wie geht ihr mit plötzlich auftretender Traurigkeit um, weil Dinge nicht mehr gehen, die euch mal viel Spaß gemacht haben?

Früher habe ich es genossen, im Sommer, wenn es abends kühler war, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren. Das geht heute nicht mehr und ich werde traurig, wenn Leute fröhlich hier vorbei radeln. Ich bin nicht sauer, dass die das können, nurn traurig, weil ich es nicht mehrn kann.

Irgendwie muss ich mich von so vielen liebgewonnenen Dingen verabschieden. Das fällt mir sehr schwer. Heute sehe ich nur noch Barrieren überall. Bestimmt sind die auch in meinem Kopf 😡

Viele Grüße, Fluse
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Antworten

  • deine traurigkeit ist ja nur all zu natürlich, wenn das radeln nicht mehr geht.
    letztendlich bleibt dir nur, einen ersatz zu finden (handbike, schwimmen, was-weiß-ich); wenn du einen guten ersatz findest, wird deine traurigkeit sich auch mindern.
    hast du vllt. eine idee, was du als ersatzhandlung machen könntest?
  • wenn es dafür ein rezept gibt nehm ich gleich zwei 😎

    Da hilft nur eine alternative zu suchen oder lernen damit zurecht zukommen, mir geht es mit vielen dingen so Fußball, fahrradfahren, Tischtennis und noch vieles mehr was ich gerne gemacht habe und jetzt nicht mehr machen kann.

    mfg
    Cappo


  • Liebe, lieber (?) Fluse,
    leider weiß ich nicht was hier richtig ist, da Du nicht in Deinem Profil angeben hast, ob weiblich oder männlich.

    Ich kenne das nur zu gut, dass ich oft an die Dinge denken muss, die ich machen konnte, bevor ich krank wurde.
    Ein Patentrezept gibt es gegen diese Traurigkeit wohl nicht.
    Selbst habe ich versucht (nachdem ich ja auch nicht mehr arbeiten konnte), mir Hobbies zuzulegen, eine neuen Sprachkursus belegt, mich in einem Internetforum, das sich auch mit meiner Krankheit befasste, engagiert (leider gibt es das aber nicht mehr).

    Auch für mich gibt es viele Barrieren, die ich früher nie kannte.
    Da es nun schon viele Jahre zurück liegt, ist es mir mittlerweile einigermaßen gelungen, das Beste aus allem zu machen und zu versuchen, bei allem noch potitiv zu denken.

    Doch es gibt auch Momente, in denen ich in ein tiefes Loch falle und auch sehr traurig bin. Das lasse ich dann allerdings bewusst zu, heule manchmal wie ein Schlosshund. Irgendwie gehört das dann auch dazu. Weinen ist ja wie Lachen, es befreit (so sagt man jedenfalls).

    Ich kann Dir leider auch nicht weiterhelfen, doch wünsche Dir, dass es Dir bald wieder besser geht.

    Ganz liebe Grüße

    Jenny 😉




  • Hallo!

    Das Leben hat uns alle geprägt und uns auch vieles genommen.

    Mir hilft es,wenn ich erstmal die Traurigkeit zulaße und auch manchmal einige Tränen fließen laße.

    Setze mir dabei aber selber eine Zeitspanne und denke über das positive in meinem Leben nach,was wiederum für viele nicht selbstverständlich ist.Z.B. habe ich seit 35 Jahren einen Partner dem ich Vertrauen kann und an meiner Seite ist.
    Wir haben eine nette kleine Wohnung in der wir uns sehr sehr wohl fühlen und genügend zu Essen und zu trinken.
    Es ist die Dankbarkeit die ich regelmäßig hervorhole.Auch dafür,das wir nun trotz vieler Hindernisse zusammen Mobil leben können und dürfen und wir die Kraft aufgebracht haben,dafür zu kämpfen.
    Das wir zusammen lachen dürfen und immer jemanden zum sprechen haben.
    Die besondere Freude einen kleinen vierbeinigen Freund bekommen zu haben,der uns die Freude am Leben vor Augen führt und uns immer wieder mit Liebe überschüttet.
    Dieses Forum gefunden zu haben,wo ich meine marternden Fragen stellen kann und gleichgesinnte Erlebe.
    Das wünsche ich Dir auch von ganzem Herzen sowie das erkennen,das ein Ende nicht ein Schluß sein muß,sondern ein Anfang für etwas Neues Geheimnisvolles.

    Alles Liebe SENDRINE 😺
  • wenn die Trauer kommt, einfach sie akzeptieren und trauwig sein, das schlimmste ist wenn man sie verdrängt. Die Gefühle einfach freien lauf lassen. dann geht es einen besser und es ist auch der Weg um sich mit den Dingen die man nicht mehr machen kann zu lernen zu akzeptieren.

    Mir geht es genau so.

    ICh will wieder auf dem berg - fahrrad - Fussball - Zelten usw. ohne diesen scheiss drecks Rollstuhl *sorry*

    Aber er glebt an meiner Backe bis ewig 😢
  • viktor56
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    Hallo zusammen

    Ich versuche es zu verstehen, nachzuvollziehen wie es ist, wenn man Liebgewonnenes loslassen muss. Das ist nicht einfach, wenn man selbst nicht in der gleichen Situation ist. 🥺

    Trotzdem ist es wichtig, immer nach vorne zu schauen und das zu suchen, was eben geht. Ich denke, in solchen Situationen ist es gut man hat Menschen, die einem zuhören, oder etwas schreiben. So fühlt man sich weniger alleine. 😉

    Traurig sein ist das eine, Mut für Neues ist das andere. Es braucht wohl beides. Für das Glücklichsein ist letztlich die Zufriedenheit wichtig. Also sucht das, was möglich ist und euch zufrieden macht. Und meist sind es die kleinen Dinge im Alltag die uns weiterbringen: ein nettes Wort, eine Aufmerksamkeit, ein lieber Gedanke usw.

    Herzliche Grüsse
    Viktor
  • jennyA hat geschrieben:

    Doch es gibt auch Momente, in denen ich in ein tiefes Loch falle und auch sehr traurig bin. Das lasse ich dann allerdings bewusst zu, heule manchmal wie ein Schlosshund. Irgendwie gehört das dann auch dazu. Weinen ist ja wie Lachen, es befreit (so sagt man jedenfalls).



    Ja, Jenny, absolut richtig. Es passiert mir nicht sehr oft, aber wenn, dann heftig, lasse ich es zu, gehts mir hinterher viel besser !

    Meine liebsten Hobbies habe ich verabschieden müssen, bis aufs reiten. Aber ich suche bewußt nach Alternativen und da gibt es viele. Wer weiß, was mir entgehen würde, wenn ich nicht was gänzlich Neues ausprobiere !?

    Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine neue ... nur muß man hinschauen, damit man es auch bemerkt !
  • Hallo zusammen, direkt nach meinem schlaganfall, in der Reha, als mir bewußt wurde, was ich alles nicht mehr Kann, die Chefärztin mir eröffnete, das ich nie mehr Auto fahren würde können
    , habe ich täglich 1-3 Mal fürchterlich geweint und war unendlich traurig. Dann besuchten mich meine Freunde und erzählten von Ihrer nächsten geplanten Exkursion nach Griechenland oder Spanien, dann wurde ich wieder traurig- mir war bewußt: ich kann nicht mitfahren.-Folge- Wasserverlust. Ich habe getrauert um den Verlust von Dingen, die ich früher machen konnte. Ich glaube, das war ganz wichtig für mich, um mich wieder
    auf Dinge einlassen, zu können, die ich heute noch machen kann. Abschiednehmen heißt trauern und wenn diese Trauer durchlebt ist, bin ich bereit Neues aus zu probieren.
    Heute überkommt mich so ein Trauerschub nur noch selten.Ich habe noch so viel vor, da lohnt das zurückschauen nicht mehr. Liebe Grüße Detlev


  • Das hast du schön geschrieben, Detlev - MoMu .... *bussie* .. so meinte ich das. 😺
  • Danke, Shari, nur Dank Deiner Ausführungen und die der Anderen. Gerne immer wieder- Detlev
  • Vielen Dank für eure Antworten. Ja, ich weiss, es ist nicht gut auf die Vergangenheit zu schauen. Vor allen Dingen bringt es nix. Aber manchmal erwischt es mich mit aller Macht. Vor allen Dingen, wenn mir klar wird, dass ich nie wieder Radeln kann. Das ist dann ein Abschied für immer und das macht mich traurig.

    Nach Alternativen suche ich. Z.B habe ich durch den Anstubs von KarinM mit dem Handbike-Fahren angefangen. Mein Bike ist zwar noch nicht optimal, wie es gerade ist, aber auf dem richtigen Weg. Bei vielen anderen Sachen, die ich gern machen würde, stelle ich mir immer die Frage: Wie komme ich dahin? Wie komme ich da rein? Das meinte ich mit Hürden im Kopf. Vielleicht sollte ich mir eher sagen: Ich will das machen und komme deshalb auch dahin. Vielleicht brauch ich mehr die Stubser von außen, die mich mitziehen?

    Richtig genervt bin ich gerade, dass mir die Hitze so zu schaffen macht. Viele freuen sich über den tollen Sommer und die Wärme und ich verkrümel mich. Klar, es gibt Wege, um damit umzugehen. Z.B kann ich im Home Office arbeiten, wenn ich den Weg ins Büro nicht schaffe. Nachteil ist, dass mir irgendwann die Decke auf den Kopf fällt.

    Bewußt ist mir, dass ich meine MS nicht wegzaubern kann, aber manchmal geht sie mir tierisch auf den Geist. Wenn mir dann noch Leute sagen: Wenn es mir so schlecht ginge wie dir, dann ...., fühlt sich das auch nicht so toll an.

    LG, Fluse (die sich auf das Jazz-Konzert heute abend freut)
  • Für Euch gefunden, soll helfen bei Traurigkeit;


    “Eisenbach oder der Regenmacher”

    Der Regenmacher konnte es nicht glauben. “Hallo, ich bin der Regenmacher”, sagte er. “Ich weiß” entgegnete das Mädchen.
    “Warum läufst Du vor mir nicht weg?”
    “Ich bin schon so traurig, dass Du mich nicht noch trauriger machen kannst. Also kannst Du auch gut bei mir sitzen und mir Gesellschaft leisten.”
    “Warum bis Du denn so traurig?”
    Da erzählte das Mädchen dem Regenmacher seinen Kummer, während sie beide auf der Wiese saßen. “Aber warum bist Du so traurig?” fragte es dann.
    “Weil ich die Leute traurig mache. Niemand will mit mir reden.”
    “Ich kenne ein Rezept gegen Traurigkeit.”, sagte das Mädchen, “Wenn Du Dich schlecht fühlst, so wie ich heute Abend, musst Du Dich auf den Boden legen und den Sternenhimmel anschauen. Ich mag Eisenbach, weil man da so schön die Sterne sehen kann. Du darfst dabei an gar nichts denken. Wenn Du ein Weile so in den unendlich weiten Himmel geschaut hast, werden Dir Deine Probleme immer kleiner und kleiner erscheinen, bis sie verschwunden sind.”
    “Das ist eine gute Idee”, sagte der Regenmacher, “ich werde es gleich ausprobieren.” Und er legte sich neben das Mädchen auf den Rücken und schaute in den Sternenhimmel. So lagen sie beide lange Zeit da [...]“

    Wer den Rest der Geschichte jetzt lesen möchte, findet sie unter diesem Link:

    http://chris-hacker.laule.de/eisenb.html

    Euch allen einen guten Sonntag, mit viel Sonne im Herzen, Mfg Lyn

  • Eine nette Geschichte

    LG, Fluse 😀
  • Es ist schlimm, das was man gern gemacht hat, loszulassen. Auch ich klenne das. Ich war leidenschaftlicher Koch und kann heute nicht einmal mehr als Hobby kochen. Dann bin ich in die Musik geflüchtet, hatte sogar die Chance freiberuflich als Gitarrenlehrer zu arbeiten. Nun ist es zwei Jahre her, dass ich die Klampfen das letzte Mal in der Hand hatte. Immer mit den Hunden unterwegs und raus - ist nicht mehr. Selbst meine Bonsai, die ich (immer noch indirekt) selber züchte, existieren zum fertigen nur noch Schritt für Schritt in meinem Kopf. Das wirklich gestalten lasse ich dann machen, nach meinen Vorstellungen. Aber es ist halt nicht das Gleiche. Im Garten kann ich höchstens nur noch ein wenig Unkraut rauspütscheln - manchmal.

    Bis heute musste ich komplett all meine Hobbies, Leidenschaften, Interessen und Freuden aufgeben und völlig neu orientieren. Ich bin komplett bei Null angefangen. Dies tat ich, indem ich die Augen aufmachte und mich an kleinen Dingen erfreute, die sonst selbstverständlich waren. Das erste Grün der Bäume und das bunt-färeben i9m Herbst, zuschauen wenn die Hunde und Nymphys miteinander spielen, eine kleine erste Blüte am Wegesrand, ein leckeres Essen von meiner Frau. Mehr als ein Jahr brauchte ich, um wieder Musik zu hören, die ich damals selbst machte. Bekam jedes mal einen Heulkrampf. Heute kann ich das wieder.

    Ich habe mich komplett neu orientiert, meinen Lappy bekommen und bin damit jetzt sehr aktiv. Ich habe meine eigene homepage und Forum, bin hier aktiv und versuche zu helfen und freue mich an den Gesprächen mit euch und werde politisch langsam aktiv. Ich fange an, mit der Sprachsteuerung zu arbeiten, falls ich mal nicht mal mehr tippen kann. Manchmal wehre ich mich dagegen, aber sollte es soweit sein, bin ich gewappnet - Icvh gebe nichts mehr auf!!!

    Manchmal überkommt auch mich noch tiefe Traurigkeit - Wenn ich in der Vergangenheit schwelge oder mal wieder einen schweren Schub habe, wo außer Fernsehen gar nichts geht. Manchmal lasse auch ich die Traurigkeit zu. Manchmal jedoch, wenn ich merke, dass ich in ein Loch falle und nicht nur traurig bin, blocke ich sie ab, rede sehr viel mit meiner Familie (tat ich früher nicht) und erfreue mich noch mehr an den kleinen, schönen Dingen des Lebens.

    Für jeden ist es schwer, etwas aufzugeben. Jeder kennt es wohl, mal etwas aufgeben zu müssen - auch wenn es nur Kleinigkeiten sind. Traurig sein ist die eine Sache, sich aufgeben eine andere. Das Leben bietet so viel schönes, man muss nur lernen es zu sehen. Ich wünsche dir, dass du lernst es zu sehen. Und wenn es Alternativen gibt, wie der Vorschlag von KarinM, nicht lange überlegen - machen !!! Je länger du überlegst, desto trauriger wirst du und verlierst die Lust an einer neuen Möglichkeit. Deshalb schon mal - viel Spaß und Kopf hoch.
  • Ich bin auch oft traurig, wenn ich Leute sehe, die all das machen, was ich nicht mehr kann oder mich nicht mehr traue. Es fängt beim Fahrradfahren an, Mädels die kurze Röcke tragen..... Oft denke ich an früher und weine viel. Dann denke ich, es hätte alles auch noch viel viel schlimmer kommen können. Ich fresse alles in mich rein, weiß ja, daß es absolut falsch ist, aber will oder kann noch mit keinem darüber reden, wie es in mir drin aussieht.
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