Darf man nein sagen?

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Gestern Abend, am Heimweg, hat mich ein Mann im Rollstuhl gefragt, ob ich ihn ein Stück schiebe - es war eine Baustelle. Hab ich gemacht. Dann meinte er, ob ich ihn auch noch über die Straße schieben könnte, wegen der Bordsteinkanten. Hab ich gemacht. Dann wollte er auch noch, dass ich ihn zur U-Bahn begleite, da er bei dieser Station so schwer in den Wagon kommt. Hab ich auch gemacht, aber wollte ich nicht mehr machen. Denn ich war müde. Aber darf man da nein sagen? Darf man das? Kann man das?
Irgendwie war ich dann wütend, weil ich nicht so gut drauf war und nur noch heim wollte. Und dann musste ich dem Mann eine halbe Stunde helfen. Klar, eine halbe Stunden helfen, was ist das?
Aber ich fürchte halt nur, dass ich mich, kommt wieder mal so eine Situation, schon von weitem flüchten werde.
Mich würde interessieren, gibt es Grenzen? Darf man nein sagen, wenn man um Hilfe gefragt wird?


Antworten

  • ja, ich bin der meinung ja.
    und es kommt darauf an, warum und wie das nein zustande kommt.

    ich wurde neulich gefragt, ob ich einem mann mit zwillingskarre aus dem zug helfen könnte. er hat es nicht gesehen, das mir der arm fehlte. wärs nun eine einzelkarre gewesen, sicher hätte ich es tun können, aber solch ein riesen ding..nein, leider kann ich das nicht. aber der herr neben mir? 😉
    so wars dann auch.

    weisst du, eine frage bedeutet, das man eine antwort möchte. wenn ich als fragender gleich die von mir gewollte antwort vorrausetze, ist es ein befehl. ich muss also, wenn ich frage, mit einer antwort rechnen, die mir vorrangig nicht passt.

    ich find es toll, das du über deine eigene befindlichkeit gesprungen bist, und geholfen hast. auch, das du dieses thema so offen ansprichst.

    nur, wenn du nicht kannst, aus welchem grund auch immer (körperlich, seelisch) ist ein nein ehrlich und offen.

    ist jemand hilfebdürftig und ich kann helfen, ohne das es mir richtig schlecht geht, tue ich es. geht es nicht, bin ich offen und ehrlich und helfe bei der suche nach anderen helfern.

    auch die antwort auf die hilfefrage sollte so sein, wie wir sie für uns selber auch wollen. höflich und freundlich. 😀

    gruss
    handschuh

  • Hallo Zickzack,


    herzlich willkommen bei MyHandicap.

    Natürlich darf man NEIN sagen, das Recht hat jeder, ob mit oder Handicap.

    Finde auch, dass der Ton die Musik macht, ein freundliches nein oder dabei behilflich sein, jemanden anderen anzusprechen ist völlig ok.

    Liebe Grüße und einen schönen Tag. * Kerstin


    ( Mir fällt nein sagen auch immer sehr schwer, bin immer noch dabei es zu lernen )...Lächelt

  • Hallo Zickzack,

    ich finde dieser Mann ist zu weit gegangen. Jemanden kurz helfen ist o.k., aber von jemand Fremdes gleich die ganze Hand zu fordern wenn er den kleinen Finger reicht finde ich nicht in Ordnung. Du mußt einem Menschen mit Behinderung nicht mehr Aufmerksamkeit schenken als einem anderen Menschen der Hilfe benötigt. Überall dort wo er nicht alleine ist könnte er jeder Zeit Leute ansprechen und diese um Hilfe bitten. Ich bin auch der Meinung das jemand, wenn er sich dabei nicht in Gefahr bringt oder Überfordert ist, durchaus auch Dinge ohne Hilfe können muß. Auch wenn es etwas umständlicher ist als mit der Hilfe Dritter, so sollte jeder Mensch, auch Rollifahrer, möglichst viel alleine tun. Nur so kann man ein Höchstmaß an Selbständigkeit erreichen.

    Leider gibt es in unserer Gesellschaft sehr häufig Rollifahrer, die sich so daran gewöhnt haben das alles mit Hilfe schneller geht, daß sie sich lieber Helfen lassen, anstatt ihre Selbständigkeit zu erhalten und zu förden. Aber es gibt auch viele Helfer, die dies unterstützen und so eine Abhängigkeit fördern, die für keinen gut ist. Das Du für Dich eine Grenze gezogen hast find ich absolut richtig. Ich wäre warscheinlich mit diesem Menschen noch über die Straße gegangen, aber dann hätten sich unsere Wege wieder getrennt. Es gibt überall genügend Menschen die man um Hilfe bitten kann. Ich tue das ja auch, wenn ich mit meinem Rollstuhl nicht weiter komme. Aber von einem Helfer erwarten, daß der die Rolle einer Begleitperson übernimmt, würde ich niemals.


    Du brauchst kein schlechtes Gewissen haben wenn Du NEIN sagst.
    Das ist absolut o.k. Jeder muß nur so viel Geben wir er kann.

    Gruß Karin
  • Danke für eure Aussagen.
    Das bestätigt mich.
    Ich helfe ja auch gerne. Aber Karin, wie du sagst, dass dann die ganze Hand verlangt wird, wenn man den kleinen Finger reicht. Dass ist schade, dass dann oft so reagiert wird. Weil ich glaube, dass Menschen schon gerne helfen. Aber dass es - wie mir zB dann oft schwer fällt, einfach Stopp zu sagen.
    In der U-Bahn hätte der Mann locker wen finden können, der ihm hilft. Dafür hätte ich nicht extra den ganzen Weg mitlaufen müssen.
    Es ist echt schwierig, sich hier zu distanzieren. Aber gut, dass ihr das geschrieben habt und dass ihr das auch so seht.
    Und ja genau richtig, bis zum über die Straße gehen, war es auch für mich ok gewesen, aber dann eben wirklich zuviel. Ich will mich dann auch nicht ärgern müssen.
    Das nächste Mal grenz ich mich da deutlicher ab. Helfen ja, aber nur solange es für mich auch ok ist.
    Danke nochmal.

  • Hallo!

    Ich gebe Karin mit ihrem Beitrag recht.

    Manchmal wird Gutmütigkeit ausgenützt. Ist mir vor kurzem selbst passiert.

    Es ist bei Hilfe sehr wichtig,die eigene Befindlichkeit zu prüfen,doch manchmal wird man so überrumpelt,wie mir geschehen,das man sich umprogramieren muß.

    So hab ich das für mich benannt.
    Nachdem ich einem Herrn dem Jammern aufgeseßen bin und im einen Geldschein gegeben habe,wollte er nochmals nachfassen und mich überreden,doch noch für Fahrkosten auf-zukommen.
    Da sagte mein Kopf nein.Habe nur kurz gesagt,mehr geht leider nicht und bin weiter gegangen.
    Was er gebrummelt hat,konnte ich nicht mehr verstehen.
    Den 5 Euro Schein,konnte ich noch verkraften,aber die Rafinesse,mit der ich eingewickelt wurde,hat mich erstaunt.
    Gruß 😺 SENDRINE
  • Zickzack schrieb:
    Danke für eure Aussagen.
    Das bestätigt mich.
    Ich helfe ja auch gerne. Aber Karin, wie du sagst, dass dann die ganze Hand verlangt wird, wenn man den kleinen Finger reicht. Dass ist schade, dass dann oft so reagiert wird. Weil ich glaube, dass Menschen schon gerne helfen. Aber dass es - wie mir zB dann oft schwer fällt, einfach Stopp zu sagen.
    In der U-Bahn hätte der Mann locker wen finden können, der ihm hilft. Dafür hätte ich nicht extra den ganzen Weg mitlaufen müssen.
    Es ist echt schwierig, sich hier zu distanzieren. Aber gut, dass ihr das geschrieben habt und dass ihr das auch so seht.
    Und ja genau richtig, bis zum über die Straße gehen, war es auch für mich ok gewesen, aber dann eben wirklich zuviel. Ich will mich dann auch nicht ärgern müssen.
    Das nächste Mal grenz ich mich da deutlicher ab. Helfen ja, aber nur solange es für mich auch ok ist.
    Danke nochmal.


    Hallo Zickzack,

    sich aus falsch verstandenem Mitleid nicht zu distanzieren finde ich falsch. Wenn Du Dich in solchen Situationen zurück ziehst, läßt Du den Betroffenen ja nicht im Stich. Er hat ja noch andere Optionen um weiter zu kommen. Er könnte entweder auf sein Können zurück greifen oder einen anderen Helfer um Hilfe bitten. Wäre dieser Mann in einer Situation gewesen, in der er ohne Dich nicht ausgekommen wäre, hättest Du ja ohne zu Zweifeln weiter geholfen.Mit Menschen die ein Handicap haben, in solchen Situationen anders um zu gehen als mit Menschen ohne Handicap, finde ich nicht richtig. Ich weiß, der Betroffene selbst erwartet dies hin und wieder und auch die Gesellschaft möchte das gerne, aber im Grunde möchte keiner wie ein Behinderter behandelt werden, sondern auf Augenhöhe. Es ist also nichts dabei zur rechten Zeit NEIN zu sagen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. 😉

    Gruß Karin
  • hallo zickzack,
    ich muss mich allen anschliessen. man darf immer nein sagen wenn es aus irgend einem grund nicht geht um zu helfen. auch ein nein kann man freundlich sagen, und vielleicht einen andern helfer suchen helfen.
    man sieht ja schnell ob dieser mensch wirklich und dringend hilfe braucht.
    es gibt leider immer wieder menschen die andere ausnutzen. für mich hat dieser mann dich ausgenutzt.da ist die frage darf man nein sagen eigentlich falsch.man müsste fragen:darf man sich ausnutzen lassen. da sagst du sicher klar NEIN.
    genau da musst du die grenze ziehen und du fühlst dich besser.
    ein freundliches nein darf immer sein und wenn es sogar richtung ausnutzen geht muss es ein nein sein.
    ich danke allen lieben menschen welche mir immer wieder helfen wenn ich mich unsicher fühle ob ich die strasse passieren darf. nur schon: signora die strasse ist frei ist eine grosse hilfe danke an alle freundlichen menschen welchen man immer wieder begegnet.
    zickzack danke sage ich für deine hilfe an diesem mann und vor allem deine offenheit und mut diese frage zu stellen.
    lg birba

  • Hallo Zickzack,

    na , da hast Du jemand geholfen, toll, ist doch ne feine Geste.
    Dann bringst Du ihn auch noch über die Straße, fast Ordensverdächtig.

    Nun aber willst Du mir (uns) erzählen hast Du Dich eine halbe Stunde trotz Deiner Müdigkeit bemüht hast dem Mann zu helfen.
    Und nun beschwerst Du Dich geholfen zu haben, fühlst Dich ausgenutzt, ich glaubs ja wohl nicht.

    Entweder machst Du es gern oder eben nicht.

    Hast Du denn kein Selbstvertrauen??

    Auf Deine letzte Frage: es gibt Grenzen und man kann und darf nein sagen.

    Und: da schreibt die Karin: „ Das Du da für Dich eine Grenze gezogen hast find ich absolut richtig“
    Aber das hat sie ja nicht sondern meckert hinterher und will Mitleid weil sie sich hat ausnutzen lassen. Außerdem finde ich die 30 min weit übertrieben.

    Wenn ich helfe, dann helfe ich gern und mit Freude.

    Wenn mir geholfen wird, kommt ja selten vor, dann freue ich mich und bedanke mich artig.

    Ich habe mal einem „Bettler“ geholfen der ein Schild vor sich hatte : „Bitte um eine Spende gegen den Hunger“.
    Habe ihn zu einem Frühstück eingeladen bei einer Bäckerei mit Außenbewirtung.
    Habe ein schönes Gespräch gehabt und dabei auch viel gelernt.
    Diesen Mann sehe grad im Sommer öfter und er bekommt immer was, mal Zigaretten, mal einen Kaffee im Pappbecher und jedes Mal haben wir ein schönes Gespräch.
    Das macht ihm Spaß und mir auch.

    Also, helft wann ihr könnt, aber nur wenn es von Herzen kommt, sonst lasst es.

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