Erfahrungsaustausch die Bein und Arm verloren haben

Jeder hat hier seine eigene Geschichte wie es dazu gekommen ist, dies mussten hier so mancher auf die eine oder andere schmerzliche Art erfahren.

Nun lang hab ich überlegt, wie ich die Fragen formulieren soll, obwohl es mir doch irgenwie unangenhem ist, dennoch möchte ich keinen verletzen oder quälen mit meinen bohrenden Fragen und gar schmerzhafte Erinnerungen hervorrufen.

Wie ist das wenn man kein Arm oder kein Bein mehr hat oder eventuell beides, und Prothesen tragen muss, wie geht Ihr damit um, und vor allem würde mich interessieren wie Ihr Euren Alltag so meistert.

Werden die Prothesen von der Kasse bezahlt,oder muss man die selbst zahlen, was ist wenn diese kaputt gehen, wer beteiligt sich an den Kosten?

Kann man sich die Prothesen ausuchen oder bekommt man die Prothesen von einer Stelle zugeteilt.

Ich weis durch Fernesehberichte das die Prothesen schon sehr nahe an den eines echten Beines heran kommen, man merkt keinen unterschied.

Und noch eine wichtige Frage, was macht Ihr so in Eurer Freizeit, denn ich kann mir nicht vorstellen das man mit Prothesen so viel machen kann, und wenn dann sind das bestimmt nur so leichte Sportarten wie Wandern oder so.

Hut ab, denn ich weis nicht ob ich die Kraft hätte das durchzustehen, und jeden Tag daran erinnert zu werden, das da plötzlich nix mehr ist.

Der Anlass war das ich einnen sehr sehr schrecklichen Traum hatte, ich wurde operiert und als ich wieder aufgewacht war fehrlten mir beide Beine, nun seit diesem Traum lässt mich das Thema nicht mehr los.


Liebe Grüße

Lesley

Antworten


  • Hallo Lesley,

    ich hatte 1982 nen Arbeitsunfall wobei mir beide Beine bis über die Knie zertrümmert
    wurden und nicht mehr gerettet werden konnten.
    Es war natürlich mit 22 Jahren ein krasser Schlag, aber ich hab ziehmlich schnell
    verstanden, daß es auch unter solchen Umständen, man ein schönes Leben sich machen
    kann und soll.

    lg
  • hallo lesley,

    ich finde es gut, das du deine gedanken zum ausdruck bringst und direkt deine fragen stellst.

    diese fragen bedeuten für die gefragten auch ein *hochkochen* der damaligen gefühle.
    es ist absolut ein grosser einschnitt im leben, wenn eine oder sogar mehrere gliedmassen (oder auch brüste) amputiert werden.
    du bist von heute auf morgen ein anderer mensch. bildlich sowie persönlich. du musst lernen mit deinen ressourcen hauszuhalten, keine überlastung der vorhandenen gliedmassen und vor allem, du musst lernen, altbekannte tätigkeiten nicht mehr oder anders auszuführen. geduld ist hier das a und o und super schwer! 😉 Dinge, die du früher liebstest, gehen nicht mehr oder eben nur eingeschränkt. bei mir war es das schwimmen. es geht noch, klar, aber es macht nicht mehr den spass wie damals.

    es gibt zwei möglichkeiten damit umzugehen (für mich). die eine ist, das schicksal zu akzeptieren und das beste draus zu machen..... und die andere bedeutet ein sich aufgeben und treiben lassen.
    beides kostet dich und dein umfeld immense kraft.

    mir machten seinerzeit die phantomschmerzen viel kopfschmerzen. du hast schmerzen dort, wo nichts mehr ist und das zu begreifen tut auf beide arten weh: seelisch sowie real. 🙁
    es gab eine zeit, da benutzte ich diese schmerzen auch um mich zu erinnern: da war mal was, ich war komplett. imaginär bewegte ich dann den arm und die finger. seltsam, ich weiss, aber mir hat es etwas geholfen, damals.

    die versorgung durch prothesen ist sehr variabel. arme z.b. sind noch längst nicht so ausgefeilt wie beinprothesen und dann kommt es auf den restarm - bzw. restbein an. wieviel an knochenstrucktur da ist, nerven etc. bezahlt werden diese (bei mir) von der krankenkasse und angepasst und erprobt wurde das in der reha-klinik. aussuchen kannst du normalerweise nur sehr eingeschränkt. hier zählt der handlungsnutzen mehr als der optische. z.b. wurde mir eine silikonhand abgelehnt, da es ja auch ohne geht und schmuck zahlt die kasse nicht. nun ja, gespart wird überall 🙁

    sport.das ist ein tolles thema. es gibt sehr viele sportarten, die man mit amputation ausüben kann. hierzu haben wir am 17.11.09 einen speziellen chattermin am abend.
    liebe lesley, du bist herzlich eingeladen mit uns und eingeladenen experten darüber zu reden oder auch *nur* mitzulesen. ganz wie du magst.

    falls dich noch etwas interessiert, ich versuche dir gerne antwort zu geben.
    viele grüsse
    christiane

  • Hallo Christiane!

    Erstmal danke für die gut formolierte Frage und danke bei Dir für die sehr genaue Antwort.
    Was mich selbst berührt ist das mit der Silikonhand und die Tatsache,das es eine Kostenfrage ist das ob und wie.
    Ich bin ein Mensch,der immer gerne den ganzen Menschen sieht und da macht mir so ein Satz aus Kostengründen, Probleme.Wir sind unterschiedliche Persönlichkeiten und so sollte es auch bei Ersatz Leistungen sein.
    Es gibt Menschen denen macht es nichts aus,wie das Teil beschaffen ist oder aussieht.Es muß praktisch für den einen sein und für den anderen ist es mehr.
    Alles hat seinen Grund.
    Dieser Grund wird nach meiner Erfahrung zu wenig Gewicht beigemessen.Das aber dadurch eine neue Erkrankung ausgelößt werden kann,wird von den Kassen nicht bedacht.
    Ich habe vor kurzem eine so negative Erfahrung gemacht mit meiner Kasse,die mir seit langer Zeit,wieder mal so richtig die Füße weggezogen hat.
    Daher nochmals lieben Dank Euch zwei und in Verbindung mit dem Wunsch,jedem einzellnen mit Handicap die nötige Selbstbestimmung zu belaßen und in Aufklärend unterstützen und zur Seite zu stehen.Aber keine Entmündigung sondern genaue Abwägung,das würde vielleicht auch manches verlorene Vertrauen in das System zurück bringen.
    Lieben Gruß
    SENDRINE 😀
  • Ein großes Thema sind die Phantomschmerzen die können einen wahnsinig machen, und ebenfalls Seelische Schmerzen verursachen. Aber was tut ihr gegen diese Phantomschmerzen?

    Dies musste ich mal bei einer bekannten miterleben sie litt sehr darunter.

    Was ich mal wieder nicht verstehen kann sind die Krankenkassen, aber das kennt man nicht anders.

    Ja Sendrine es sollte der ganze Mensch gesehen werden mit seiner Krankheit mit seinen Problemen. Der Mensch ist ein Individuum und solllte auch so Behandelt werden, und nicht in Klassen eingeteilt.
  • Liebe Lesley,

    Da ich das Thema eben erst jetzt gelesen habe, werde ich zunächst auf deine erste Frage eingehen. Meiner Meinung nach, musst du dir keine Gedanken machen, ob du mit Fragen jemandem zu nahe kommst. Du zeigst Sensibilität, machst dir Gedanken ob du dieses oder jenes fragen kannst, fragen darfst. Dafür erst einmal Danke. Fragen sind dazu da, beantwortet zu werden, offen gestellte Fragen, wie die deinen können Barrieren abbauen, Toleranz vermitteln.

    Ich selbst war 19 als ich bei einem Autounfall als Beifahrerin meinen rechten Arm verloren, Schultergelenk und ungefähr 11-12cm sind noch da. Das akzeptieren ging recht schnell, du bist nur froh, dass es dich noch gibt.Die Phantomschmerzen sind verwirrend und es ist zugleich unglaublich fazinierend. Ich selbst nehme Tabletten dagegen, was ein eindämmen der Schmerzen zur Folge hat.

    Ich selbst trage eine Prothese, es hat mich anfangs wahnsinnig gestört, dass ich Dinge die ich früher konnte auch mit Prothese so nicht machen kann. Ich war früher Rechtshänderin und mache immer noch Tätigkeiten mit der Prothese, die früher die rechte Hand gemacht hat (Schneiden...). Ich empfand es als das schlimmste, dass Dinge, die man früher wie selbstverständlich und vor allem alleine gemacht hatte, man hier plötzlich auf Hilfe angewiesen war bzw. ist.

    Ich habe früher Gitarre gespielt, zwar nicht gut aber gerne. Heute kann ich es wieder. Ich habe auch meine Ausbildung beendet und Arbeite als Erzieherin im Kindergarten. Ich hatte, habe Ziele und Träume und jedesmal, wenn du ein Ziel erreichst ist das ein Hochgefühl. Das Gefühl, als ich heuer meine Urkunde überreicht bekam und mit Standing Ovations von meinen Lehrern und Freunden bedacht wurde, war alle Mühe wert.

    Heute stehe ich da, und kann um Hilfe fragen und auch behaupten "Ich bin Stolz auf mich!" Dinge die ewig gedauert haben.Ich habe danach einen unglaublichen Ehrgeiz entwickelt, ich wollte es nicht irgendwie machen sondern ich wollte es gut machen.
    Mit der Zeit ändert sich die Sichtweise, ein Beispiel: Meine ersten Schreibversuche im Krankenhaus fand ich schrecklich, trotz des Lobes von außen, als ich meine erste Klausur schrieb, war ich unheimlich stolz auf mich. Ich hatte mein Schicksal angenommen, es akzeptiert.

    Ich habe erkannt,dass ich etwas zum weitergeben habe, ich war als Referentin bei mir an der Schule, erzähle da sehr viel über meinen Unfall usw. Und bekomme dadurch so viel zurück. Manche Dinge, muss ich anders machen und jeden Tag warten neue Herausforderungen auf mich aber ich liebe meine Arbeit und alle was ich eingesetzt habe macht sich bezahlt. Einfach ist es nicht aber ich habe das Privileg, dass ich eine Sichtweise kennen lernen durfte, die ich anders nicht gesehen hätte.
    Schönrederei? Vielleicht, aber es hilft.

    Keep Smiling!!!

    Lieben Gruß
  • Nochmal hallo an Lesley,

    Warum interessiert dich dieses Thema so? Willst du noch irgendetwas wissen?

    lieben Gruß
  • Es interessiert mich halt allgemein, wer und wo kann ich meine Fragen stellen die ich immer schon mal wissen wollte, das kann ich hier bei my Handycap tun, oder?

    Sicherlich ist es für viele etwas verwirrend, aber ich bin eben ein Mensch der sich für andere interessiert, möchte verstehen was da passiert, ich weis wiederum das das schwer nachzuvollziehen ist.

    Aber sagt doch mal erhlich, ist es nicht besser so, als wenn sich gar keiner interessiert.

    Ich muss aber zugeben auf der Straße jemanden anzusprechen da hätte ich meine Hemmungen, denn man weis ja nie was der jenige von einem denkt den man gerade fragen will.

    Und hier im Forum kann man seine Fragen zu verschiedenen Themen stellen, ohne das man schief angeguckt wird.

    Du schreibst das Du wieder Gitarre spielst , wie hast Du es geschft mit der Prothese, ist eine Prothese nicht sehr steif, zumindest stelle ich mir sie so vor.


    Liebe Grüße

    Lesley

  • <ja, ich finde es auch besser so, als wenn sich keiner Interessiert. Meine Frage, war nicht böse gemeint sondern eben Interesse von meiner Seite. Ich habe eine extra Prothese (oder nennen wir es Konstruktion) damit ich wieder spielen kann, sie hat keinen Motor, sondern die Bewegung geht dann von der Schulter aus.Und ja, eine Prothese ist relativ steif, zumindest sehe ich es so. Du kannst gerne auch per PN fragen, wenn du noch etwas wissen möchtest.

    Lieben Gruß Katharina
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