was tun gegen hilfe?

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mich nervt es, wenn man mir ständig hilfe anbietet. diesem mitleidsmasche will ich nicht. wie kann man sich vor diesern ständigen lästigen fragen schützen, ob man hilfe braucht?
fühl mich auch ständig unter beobachtung. vielleicht hört sich das arrogant an, aber ich will einfach nur meine ruhe. einfach ganz normal am leben teilnehmen.
jörg

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  • Hallo,
    schön das Du da bist.
    Ich würde gerne wissen wollen ist es die Hilfe drausen und die Vielen fragen,
    oder ist es bei dir zu Hause?
    Es ist nicht immer Mitleid kann aber einem schon den Nerv rauben.
    Ich hab keinen Anhaltspunktv dafür gefunden bei was man Dir hilfe anbieten möchte wär schön wenn du das ein wenig genauer beschreiben könntest.
    Dann kann man dir besser Antworten.
    Gruß
    Herbi


  • Hi das kannst Du nicht abstellen ausser mit einen Nein Danke und schneller sein als die helfenden.LG Erich
  • Hallo Jörg

    das Problem verstehe ich voll, aber laß doch auch mal Hilfe zu.

    Das erste Jahr im Rolli ging es mir genau so bis ich dann auch mal Hilfe zugelassen habe.

    Manche wollen wirklich nur helfen und das nur aus freundlichkeit.

    Aufgefallen ist mir dabei das viele Ausländer helfen.

    Mein Spruch ist meist: danke, danke, ist allein schon schwer genug


    Gruß

    Richard
  • JörgE schrieb:
    mich nervt es, wenn man mir ständig hilfe anbietet. diesem mitleidsmasche will ich nicht. wie kann man sich vor diesern ständigen lästigen fragen schützen, ob man hilfe braucht?
    fühl mich auch ständig unter beobachtung. vielleicht hört sich das arrogant an, aber ich will einfach nur meine ruhe. einfach ganz normal am leben teilnehmen.
    jörg



    Kompetent aussehen ist alles. Nicht allzu harmlos aussehen hilft ebenfalls.

    Ich brauchte eine Weile, um bei mir eine optisch / sichtbar vermutete Hilflosigkeit, welche Anlass fuer diese Fragen war, in den Griff zu bekommen.

    Was sicher hilft, ist, wenn Du Dir selbstkritisch dabei zusehen kannst, wie so eine Situation aussieht, in der dann die ungewuenschten Hilfeangebote kommen. Typischerweise sind Mitbeteiligte z.B. ueberfordert, anzusehen, was *sie* finden das *anders* laufen muesste. Dann bieten sie Hilfe an, um sich selber besser zu fuehlen. Viele Leute wollen auch einfach nett sein, sind sehr nett, meinen es sicher nicht boese - doch die Geduld beim Zusehen verlaesst sie und Du siehst offenbar so aus, dass man es riskiert, Hilfe anzubieten.

    Immerhin ist es wohl nicht immer nur Nettigkeit - das Aussehen und die Gesamtrisikoeinschaetzung ist wichtig. Vergessen wir nicht, wir leben ja in einer Gesellschaft, in der zahlreiche Erwachsene bestens in der Lage sind, einigen kleinen Kindern beim langsamen Ertrinken in einem Teich im Olympiapark in Muenchen etwa eine dreiviertel Stunde lang zuzusehen, tatenlos. Da wuerde ich nicht nur Nettigkeit vermuten, wenn dann einer trotzdem was tut. Man spuert einen Stress oder eine Angespanntheit schon auch mit heraus, immer wieder tut man das.

    Ein Kollege hat z.B. kaum zusehen koennen, wie lange ich am Anfang brauchte, bis ich mit dem verdammten Silikonhandschuh auf der Hand im Jackenaermel war. Inzwischen habe ich das auch besser im Griff.

    Ich wuerde Dir raten, mal versuchen herauszufinden, wie Du 'selbstaendiger aussiehst'. Es geht dabei wirklich nur ums Erscheinungsbild.
  • tja, das mit der ungewollten hilfe ist ein thema, welches gerade uns sichtbar behinderten immer wieder betrifft.

    ich find das seltsam, wenn ich mal hilfe bräuchte, kommt nix, gucken alle weg
    und wenn alles läuft, kommen die hilfeangebote. oderes kommt mir subjektiv nur so vor??? hmmh *grübel-lächel*

    zu beginn meiner behinderung konnte ich gar nicht damit umgehen
    später ging es dann.
    ich denke mir, der anbieter möchte mir helfen und das ist grundsätzlich sehr nett und gut. 😀
    ich versuche es so zu nehmen, wie es ist: als ein angebot, welches ich annehmen oder ablehnen kann.
    und es zeigt mir, das die gesellschaft nicht einfach weitergeht sondern aufmerksam und hilfsbereit ist.

    natürlich ist es auch nervig. abstellen können wir nicht, das uns das passiert. ändern können wir nur unsere sicht auf diese angebote und wir können ,auf uns bezogen, den prozess steuern.

    ich komme so, damit ganz gut klar und es stört mich nur noch selten.
    mich würde interessieren, wie ihr das seht und wie ihr üblicherweise reagiert.

    herzliche grüsse
    christiane
  • Hallo, Jorg!
    Einfach mit Lächeln und Danke eine Hilfe annehmen. Nicht agressiv reagieren und versuchen es positiv zu sehen. Wenn jemand hilft, dann passiert das meistens vom ganzen Herzen. Und glaube, Jorg, es ist keine "mitleidsmasche", sondern nur eine Hilfe, Aufmerksamkeit, Höflichkeit, gute Erziehung... Du hättest genauso gemacht... Probier's. Ich helfe auch gern. Und fühle ich mich dabei soo gut. "einfach ganz normal am leben teilnehmen". Immer richtige Einstellungen!!! Viel Glück!
    P.S. mein Deutsch ist nicht so gut. Hoffe, dass ihr verzeiht mir...
  • Hallo Jörg

    also wenn ich so nachdenke dann war es am Anfang meiner Rollikarriere auch so dass ich mir dachte oje nun schauen alle mitleidig auf mich, aber ich bin mir sicher dass ich mir das wirklich nur einbildete. Hilfe konnte und wollte ich nicht annehmen, damals.
    Heute denke ich ganz anders. Ich finde es klasse dass man mir die Tür aufmacht, dass ich zuerst durch eine Ladentür darf, dass man mir über einen hohen Bordstein hilft.
    Ja ich genieße es auch mal angeschaut zu werden, lächle dann und aus einem anfangs mitleidigen Blick, wird plötzlich ein freundlicher Blick. Warum soll man sich als Behinderter das Leben schwerer machen wenn es doch auch anders geht?
    Wenn jemand helfen will ist es allemal besser als wenn man darum betteln muß. Es ist ein Lernprozess aber man kann es lernen Hilfe anzunehmen.

    also auf ein gutes Gelingen Jörg
    du schaffst es!
    Liebe Grüße Christine
  • Hallo JörgE,

    ich kann Dich sehr, sehr gut verstehen. Ich habe über dieses Thema schön ofter hier geschrieben. Wenn die Menschen einen scheinbar gesunden Menschen sehen, helfen sie ihm erst, wenn er in einer hilfsbedürftigen Situation ist. Sehen sie enen Rollstuhlfahrer, wird geholfen weil es ihn gibt. Egal ob diese Hilfe nötig ist oder nicht. Die Menschen bekommen ein Blaulicht auf dem Kopf und sind nicht mehr zu bremsen. Ungefragt kriegt man alles aus der Hand gerissen was man gerade tut und wenn man was dagagen hat kriegt man Ärger. Die Leute sehen gar nicht das man belästigt und genötigt wurde und beschimpfen den bösen Rollifahrer, weil er was gegen das helfen hat. Dabei halten wir Hilfsbereitschaft für lobenswert. Wir möchten nur selber darüber entscheiden dürfen, wann wir Hilfe benötigen und nicht ständig bei dem gestört werden was wir tun. Einer Kassiererin, die auch auf einem Stuhl mit Rädern sitzt, wird mehr Altagskompetenz zugestanden, als einem Rollstuhlfahrer, der auch auf einem Stuhl mit rädern sitzt. Das ist manchmal schwer zu ertragen. Man wird erdrückt und bevormundet. Vor allem dann, wenn man gerade mal einen Atemzug tun konnte, bevor der nächste aufdringliche Mensch kommt und einem das aus der Hand reißt, das man gerade tut.

    Es ist schwer sich dagegen zu wehren, denn die Menschen glauben das Rollifahrer und andere Menschen mit sichtbarer Behinderung, zu wenig geholfen wird. Es hängt auch davon ab, wo man wohnt, wie das Bildungsniveau ist. Menschen aus einfachen Verhältnissen kennen die einfachsten Höflichkeitsregeln oft nicht. Sie haben nicht gelernt zu komunizieren. Deshalb handeln sie mehr mit taten als mit Worten. Du mußt Dir ein dickes Fell anschaffen und Dich durchsetzten. Bei mir dahein habe ich mir einen kleinen Freiraum geschaffen, in dem ich es mir ab und zu erlaubte wütend zu werden. Das konnten die Leute nicht überhören und so nach und nach haben wenigsten ein paar verstanden, daß ich nichts gegen Hilfsbereitschaft habe, sondern einfach nur nicht ständig gezwungen werden möchte Hilfe an zu nehmen, die ich gar nicht brauche. Wenn ich jetzt bei Aldi oder Plus oder Rewe einkaufen gehe, kann ich in Ruhe meinen Einkaufswagen durch den Laden schieben, ohne belästigt zu werden. Du solltest was sagen wenn Dir was nicht paßt. Die Leute können lernen, wenn auch nur langsam.

    Gruß Karin


  • vielleicht ist es bei einigen auch keine 'Mitleidsmasche' sondern einfach nur pure Höflichkeit und er Ausdruck, das man/frau sich Gedanken macht. Ich beispielsweise biete auch oft meine Hilfe an, aber nicht nur, wenn jemand mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung diese eventuell braucht, sondern auch bei älteren Menschen, welche alleine kaum über die Straße kommen oder Müttern mit Kinderwagen...das ist doch bei vielen einfach nur die Menschlichkeit und nicht das degradieren einer anderen Person. Oder?
  • Hallo

    Mich schockt ein bissel die Denkensweise.
    Die meisten beschweren sich über die Aussenseiter Stellung oder die Ignoranz und hier ist es genau das Gegenteil.
    Allgemein lebe ich in einer tollen Stadt wo man wirklich gerne anderen behilflich ist ... und ich empfinde das meist eher als nette Geste als das Sie mir meine **Lebenskompetenz** nehmen wollen ...
    Ich bin vielleicht komisch aber ich freue mich dann eher darüber das man an mich denkt und wenn es alleine geht und Ich dann aber auch stolz sagen kann; Nö; klappt schon; danke aber !!
    Oder oder .. es gibt genug Situationen ...wo ich aber meine Assistenz dabei habe und wir sagen: hey Frauenpower 😀 ..
    Aber hey; ich pers. freuemich dann darüber das man uns nicht übersieht.

    Allgemein denke ich das man aus dieser für dich unangenehmen Situation gut herauskommt wenn man einfach sagt: Nein Danke; geht schon
    Ich bin sicher da reagiert keiner komisch ... so geht es mir zumindestens !!!

    viele liebe Grüße
    Marion

  • Hallo Marion,

    das einem zu wenig geholfen gibt, gibt es eigentlich nur im Fernsehen. Jeder der bittet und dabei nicht allgemein etwas in einen Raum ruft, sondern sagt, "Sie mit der blauen Jacke, könnten sie mir bitte helfen", dem wird auch geholfen. Weil aber den Medien mehr geglaubt wird als den Betroffenen, können die Menschen an keinem Rollifahrer mehr vorbei gehen, ohne ihm "zu helfen". Einem Menschen, dem man keine Behinderung ansieht, wird erst geholfen, wenn er in einer hilfsbedürftigen Situation ist. Einem Rollifahrer wird geholfen, sobald man den Rolli sieht. Das ist aufdringlich, distanzlos und diskriminierend.

    Wenn ich Einkaufen gehe, wird mir nicht selten, auf dem Weg vom Parkplatz in den Supermarkt, mein Einkaufswagen 3-4 mal ohne zu Fragen aus der Hand gerissen. Im Laden geht das Spiel dann weiter. Die Leute nennen das Hilfsbereitschaft, obwohl deutlich zu sehen ist, dasßdas was ich tue, ganz leicht ist. Zu fragen ob die Hilfe möchte haben sie verlernt. Wenn ich draußen vor dem Laden meinen Rucksack packe, laufen in dieser Zeit etwa 10-15 Kunden an mir vorbei. Jeder bleibt stehen und fragt ob ich Hilfe brauche, obwohl deutlich zu sehen ist, daß das was ich tue ganz leicht ist. Das ist vieleicht nicht distanzlos, aber es nervt alle 5-10 Sekunden von wildfremden Menschen angequatscht zu werden. Wenn ich im Laden etwas angucke das ich in der Hand halte, wird es mir beim zurück legen genauso entwendet, wie mein Einkaufswagen.

    Wenn ich Bus oder U-Bahn fahre werde ich ständig, ohne vorher gefragt worden zu sein, in den Bus/ die U-Bahn hineingezerrt oder hineingeschubst. Die Menschen tun dies ohne mein Einverständnis und wenn sie bitte mich vorher zu fragen, kriege ich Ärger. In Deutschland werden die Menschen von den Medien, die behaupten es wird zu wenig heholfen und von den Hilfsbedürftigen, die erwarten das jeder Gedanken lesen kann und das Bitten um Hilfe für unnötig halten, verunsichert. Ich habe einen Wunsch. Ich wünsche mir endlich mal wieder eine Türe selbständig auf und zu machen zu dürfen, ohne das man sie mir gegen meinen Willen aus der Hand reißt. Die Leute müssen nicht mit Blaulicht auf dem Kopf rum laufen um zu erkennen, wer selber klar kommt und wer in einer kritischen Situation ist. Doch die Leute haben verlernt alle Menschen gleich zu behandeln. Die Leute fragen nicht, sie helfen drauf los, egal ob man die Hilfe braucht oder nicht. Auch in Köln. Wer selbständig ist kriegt Ärger. Füher wurde man mal dafür gelobt das man alles alleine konnte. Aber das ist leider lange vorbei.

    Gruß Karin
  • Ich für meinen Teil, nehme gern Hilfe an, es wird immer noch viel zu sehr weggeschaut.

    Bedanken wir uns freundlich und schenken ein lächeln, kommt jede Menge zurück .

    LG Kerstin
  • Ich für meinen Teil, nehme gern Hilfe an, es wird immer noch viel zu sehr weggeschaut.

    Bedanken wir uns freundlich und schenken ein lächeln, kommt jede Menge zurück .

    LG Kerstin
  • Wenn ich Hilfe brauche, nehme ich die auch an. Aber ich lass mich nicht zwingen Hilfe an zu nehmen, die ich nicht brauche und nicht möchte. Jeder hat das Recht normale Dinge des Alltags selber tun zu dürfen, die er gewohnt ist alleine zu machen, ohne das wild fremde Menschen einen ständig daran hindern. Es geht hier nicht darum das ich oder der Themenersteller keine Hilfe möchten, wir möchten selbstbestimmt über unsere Hilfsbedürftigkeit entscheiden dürfen. Es ist das Zwanghelfen was wir nicht möchten!
  • Hallo
    Ich schreibe doch von MEINEN Erfahrungen und mir ist es noch nie so gegangen.
    Und wenn es jemanden in Köln geschehen ist; kann ich auch nichs dafür ..
    Ich lebe hier zwar und bewege mich hier und ich habe dies nicht erfahren müssen also kann nur von meinen eigenen Erfahrungen schreiben.

    Es ist nicht oK und ich kann verstehen das es nach einer Weile nervt.
    Man fühlt sich nicht ernst genommen und auch seine Selbstbestimmtes Leben beraubt.

    Nur; wenn ich Erfahrungen machen dürfte; spreche mir bitte nicht ab auch von meinen zu schreiben.

    Vielleicht ist es für dich eben unpassend von guten Erfahrungen zu schreiben, aber für andere eben ein Hoffnungsschimmer das es anders geht ...


    viele Grüße
    Marion


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