Freundschaft zerbrochen wegen Behinderung?

Seit meinem Unfall vor vielen Jahren habe ich viele Freunde verloren. Die paar wenige, die ich habe, sagen, um die anderen ist es nicht schade. Ich frage mich, ob es am meiner Behinderung liegt, oder ob ich so doof geworden bin. Habt ihr erfahrungen damit? würde mich über austausch freuen.
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Antworten

  • Liebe Räubertochter,

    auch mir ist es nach meinem Schlaganfall so ergangen wie Dir. Auch mir sind nur ganz wenige "echte" Freunde geblieben. Ich muß Deinen Freunden recht geben. Wenn sich Freunde in dem Moment von Dir abwenden, wenn Du sie am nötigsten brauchst, dann waren das keine Freunde. Mir geht es so wie Dir. Am meisten macht mir inzwischen weniger die Erkrankung zu schaffen, als vielmehr die Vereinsamung und das man ungewollt immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrückt wird. Umso wichtiger sind mir Foren wie dieser, wo man sich mit Betroffenen austauschen kann. Vielen Außenstehenden fehlt das Gespür, was uns bewegt. Das ist wirklich schade. Umso mehr, liebe Räubertochter, sei dankbar für die Freunde, die Dir geblieben sind, denn das sind Freunde fürs Leben. Kannst Dich gerne jederzeit an mich wenden.

    Ich wünsche Dir trotz allem ein schönes, erholsames Wochenende und sende Dir liebe Grüße.
  • hallo zusammen,

    durch eine eintretende behinderung verändert sich unsere umwelt sowie wir selber auch. das ist ein für mich, ganz natürlicher prozess.
    viele kommen nicht damit klar, zu sehen, wie es jetzt ist und der gedanke: *das kann mir auch passieren*
    ist nicht für jeden verarbeitbar.
    es entstehen missverständnisse (auf beiden seiten) sprachlosigkeit und dann kann es zum ende einer freundschaft führen.
    wenn das passiert, ist es sehr schade und auch schmerzhaft. ich glaube aber in das gute im menschen und denke nicht, das diese *freunde* die wegbleiben, schlecht sind. eher glaube ich, das sie unsicher sind und nicht mit der situation umgehen können. angst haben, was falsch zu machen....usw. usw.
    und dann gibt es immer noch diese begegnungen, die bleiben und wo man sich gegenseitig unterstützt.
    das leben ist und bleibt auf jeden fall interessant. 😉

    liebe grüsse
    christiane
  • Ich mache auch die Feststellung, dass doch einige Leute, von denen ich dachte, es seien Kollegen, keine aktive Kontaktaufnahme mehr unternehmen, und bei Rückfrage durch mich wird ausweichend geantwortet, man findet Ausreden und geht z.B. nicht mehr gemeinsam Mittagessen (aber die fünf Jahre vorher war das alles kein Thema). Eine Kollegin lud mich ein, lud mich aber wieder aus und meldete sich nicht mehr; ein anderer Kollege verkroch sich direkt, antwortete auf nichts mehr - und das war bisher sonst nie vorgekommen.

    Schaut man in alte Kalender, kann man es direkt vergleichen. Erzählt wird dann allerlei, aber was wirklich stattfindet, das ist was anderes: der Alltag ist eben schon so, dass man ganz massiv ausgegrenzt wird.

    Zum Verständnis der anderen Leute hat mir das hier recht viel geholfen: http://bidok.uibk.ac.at/library/cloerkes-einstellung.html

    Ich stelle aber auch fest, dass ich seither fast ausschliesslich an positiven und konstruktiven Kontakten interessiert bin, und wenn das nicht zustandekommt, dann mache ich was anderes mit meiner Zeit. Ja, es könnte jedem anderen auch passieren - so einfach ist das.
  • Hallo zusammen,
    es lieg nicht an uns wir sind schon die gleichen aber die vorstellung daß das leben auch anders weiter gehen kann ist nicht vorhanden.
    Wenn Du im Rolli sitzt kommen schon so sachen
    wie:-wir würden dich ja mitnehmen aber du kommst da ja nicht
    rein.
    -ich könnte damit nicht leben du tust doch was dagegen oder nicht.
    -wie willst du denn vom Rolli aus deinen Haushalt machen?
    -immer zu dir kommen zum Kaffe will ich auch nicht(der Sprit ist zu teuer) kannst du
    nicht den Rolli stehen lassen und die 3 Etagen zu mir hoch kommen.

    und das sind noch die netten die es Dir sagen.
    Aber am schlimsten sind eigentlich die mit denen man jahre verbrach hat und denen man es nicht zu getraut hätte.
    Du kannst dich ja mal wieder melden wenn Du gesund bist.

    Das es Sie selber treffen könnte in ihrem wohl organisierten und behüteten leben daran will keiner denken.Das passiert eben nur anderen.
    Ganz schlim fand ich mal als eine Mutter zu ihrem Kind sagte da kommst Du auch rein wenn du nicht artig bist der liebe Gott sieht alles.
    Der kleine war 7 jahr alt. Da konnt ich meinen Mund nicht halten.
    Sowas sagt man Kindern nicht.
    Die Menschen müssen eben noch viel lernen.
    Gruß
    Herbi


  • oh ja, menschen müssen wirklich noch ganz viel lernen.

    ich habe auch erfahren müssen, das manche es schlicht
    nicht wahrhaben wollten, das ich nun behindert war.
    da fragte mich eine freundin, wieviel prozent ich schwer-
    behindert bin und der andere dann ganz empört sagte, aber wieso,
    sie ist doch keine schwerbehinderte. aber dieser freund war einfach
    nur überfordert und nach und nach *normalisierte* es sich.
    ich persönlich kann mich im freundeskreis nicht erinnern, das
    einer wegblieb. wohl aber im kollegenkreis. da bemerkte ich schon,
    das ich nicht gefragt wurde wenn gekegelt wurde, gepaddelt, weil: du kannst das ja nicht mehr. 🙁

    was meint ihr, wie können wir damit umgehen? weil, ich denke die anderen können wir nicht ändern aber wie wir selbst damit umgehen, das können wir ändern.

    am 01.juli ist am abend ein allgemeiner chat. evtl. könnten wir das live dort auch diskutieren? was denkt ihr?

    was dir passierte herbi, mit dem kind, das ist schon ne super
    harte sache. das verunglimpft jede menschlichkeit. so einer mutter
    sollte man wirklich einen kinderführerschein aufdrücken.

    schönen sonntag
    christiane
  • hallo,
    es hilft mir, was ihr dazi geschrieben habt. es scheint also öfter aufzutreten. ich verstehe das oft nicht. aber menschen sdind scheinbar so. das tut halt ganz schön weh...

    eure räubertochter
  • ja räubertochter, das tut immer weh, wenn man sich getäuscht sieht. 🙁
    traurig aber oft nicht zu ändern.

    aus meiner erfahrung kann ich aber sagen, das es auf die ankommt, die geblieben sind und die, die man neu kennen lernt. 😉

    und mir tun die, die gegangen sind, mittlerweile fast leid. weil sie einen wichtigen schritt im leben nicht mitgehen konnten wollten oder was auch immer.

    gibt eine positive grundeinstellung nicht auf und sei neugierig auf die menschen, die dir begegnen.

    glg
    christiane

  • Hallo
    Einerseits denke ich es für Sie auch ein Schock und man muss sich an diese Veränderungen gewöhnen aber danach .... wahre Freunde halten zueinander...
    und ich habe auch viele **Freunde** die keine wahren waren verloren weil ich eben nicht überall hin kam oder nicht so flexibel waren ..
    Aber ehrlich wer so denkt ...der hat meine Freundschaft und Loyalität nicht verdient.
    Ich gebe aber auch zu; es tut verdammt weh ..

    Dennoch nicht alle sind so und so versuche ich diese als **schlechte Erfahrung** abzutuen.

    Viele liebe Grüße
    Marion
  • Hallo Zusammen!

    Bei mir war es genau so. Es fing an, als ich körperlich nicht mehr so gut mithalten konnte. Als ich vor sieben Jahren berentet wurde, verdünnisierte sich die Hälte derer, die noch übrig blieben. Als ich vor fünf Jahren einen Rolli brauchte und dadurch eigentlich wieder überall dabei sein konnte, blieb mir nur noch eine Freundin. Sie war seit 25 Jahren meine beste Freundin und wir waren immer für einander da. Wir sind durch viele Hochs und Tiefs gegangen. Auf beiden Seiten. Mehr ich für sie, als sie für mich. Doch als ich im Winter 2007/2008 ganz tief unten war und meine beste Freundin am dringensten brauchte, ließ sie mich im stich....Seit dem habe ich von ihr nichts mehr gehört und gesehen.

    Seit Jahren versuche ich einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Aber es ist verdammt schwer. In meinem Alter haben die meisten einen stabilen Freundeskreis, ihre Familie und ihre Hobbies. Da ist es fast unmöglich, als Single im Rolli und ohne Auto mit wenig Geld rein zu kommen. Dabei engagiere ich mich sehr vielfältig. Lerne ständig neue Leute kennen. Aber halt nur oberflächlich. Mehr ist nicht drin. Dabei mangelt es mir nicht an Kreativität. Ich habe immer wieder das Gefühlt, es ist der Rollstuhl der stört. Die Leute haben Angst sich auf mich ein zu lassen, weil sie befürchten, daß ich zur Belastung oder lästig werden könnte. Es fällt den Menschen schwer, mich als Mensch und nicht den Rolli zu sehen. Schade, denn ich bin ein kontaktfreudiger, fröhlicher Mensch.

    Ich kämpfe weiter in der Hoffnung, irgend wann wieder das zu haben, daß ich mein Leben lang hatte. Liebe Freunde, die es nicht stört, daß es mich gibt.

    Gruß Karin
  • Hallö zusammen,

    Du hast recht Handschuh wir können die anderen nicht verändern aber wir können uns anpassen.
    Für den Kinderführerschein hätt ich schon ein paar Kanidaten.
    Das kann man gar nicht aufzählen was so Dorfdeppen alles für unsinn von sich geben.
    Wir können den Mnschen nur vor den Kopf schauen und nicht da rein und ganz ehrlich bei manchen möcht ich nicht wissen was drin ist.

    Gruß Herbi

  • hallo karin,

    deine geschichte ist auch hart, so ungefär wie bei mir, nur dass es bei mir schneller ging. eine freundin mit der ich viel gemacht hab, hat sogasr mal gesagt, sie ist ja nicht von der caritas....

    aber die hab ich auch echt schnell abgeschrieben. ich damke euch für eure offenheit. ich merke, dass ich nicht allein bin mit diesem problem. und das menschen leider sind wie sie sind.

    aber gott sei dank, es gibt auch andere. eure sonja
  • Hallo alle zusammen,

    bei mir war es zwar so ähnlich aber noch etwas schlimmer.

    Ich hatte einen Unfall im häuslichen Bereich und das war nun vor mehr als 13 Jahre. Ich bin nun Gelähmt ab der Lende. Meine damalige Freundin (jetzt meine Frau) stand voll hinter, nur meine Familie nicht. Wir haben durch meine Behinderung alle Freunde verloren, weil Sie nicht damit klar gekommen sind das ich nun im Rollstuhl sitze.
    Meine Familie hat dem ganzen noch die Krone aufgesetzt. Meine Eltern haben versucht mich und meine Freundin auseinander zu bringen. Und das nicht nur so sondern in allem was sie sagten verletzte meine Freundin. Ich habe es erst nach meiner Reha von Ihr erfahren das meine Eltern wollten das Sie sich von mir trennen solle.

    Als ich meine Eltern zur rede stellte, haben sie es damit begründet das sie Frau für mich sei weil ich jetzt im Rollstuhl sitze.

    Ich habe nun keinen Kontakt mehr zu meiner Familie, aber auch mit Freunden sieht es mau aus. Wer will schon was mit einem Behinderten zu schaffen haben. Na ja was soll´s ich habe ja meine Frau und wir lieben uns, was brauch man mehr.

    Es wäre zwar nicht schlecht mal mit jemanden zu sprechen aber man kann nicht alles haben.

  • Hallo mottenkönig,
    Das mit deinen Eltern ist glaub ich besonders schlim für dich weis ich aus eigener Erfahrung.
    Freunde zu finden ist zwar auch nicht so einfach aber die kann man eher ersätzen auch wenn das jetzt nicht der trost ist den Du dir vorstellst.
    Da ist die Entäuschung von den Eltern schlimmer weil die kann man nicht ersätzen.
    Schade das es sowas immer noch gibt.

    Gruß
    Herbi

    Ps: Zum reden findest Du hier aber einige das können wir schon bieten.
  • ich hatte mit meinen *alten* freunden richtig glück gehabt! sie sind alle noch da, und das nach fast 2 jahrzehnten. dafür bin ich sehr sehr dankbar!
    auch meine familie, besonders meine mutter war vom ersten augenblick nach dem koma bis heute neben mir! das hat mir ganz viel kraft gegeben und ich wünschte, jeder, der in not gerät hat einen fels, an dem er sich anlehnen kann.

    was jetzt im nachhinein schön und gut ist, war damals zum teil doch eine belastung. ich spürte und sah, wie mein unfall mein umfeld leiden liess und ich *spielte* stark.
    später war es dann schwer verständlich, wenn ich seelische talfahrten hatte und richtig verzweifelte. also wieder *stark spielen* und stark sein. 🙁
    ich glaube, ihr wisst, was ich meine.

    was ich schwierig finde, sind neue kontakte! mit nicht behinderten!
    endweder sie sind total mitleidig und wollen einen in watte hüllen und schier bemuttern oder aber sie weichen aus und sind peinlich berührt, wenn das thema zur sprache kommt. ganz furchtbatr sind lobhudeleien, wie toll ich alles mache und so! tja, es ist nicht einfach für die anderen, ich geb es gerne zu 😉
    ich würde gern ganz *normal* behandelt werden. nicht besonders und wenn was nicht geht, ein einfaches zugreifen ohne bohei.

    liebe grüsse
    christiane

  • Hallo Handschuh,
    Du bekommst keinen Kontakt zu nicht Behinderten und ich hier nicht zu Behinderten.
    Wollen wir tauschen??
    Wenn ich hier jemanden im Rolli seh und nur nett guten Tag oder Hallo sage muß ich aufpassen das die nicht vor schreck einen Pfeiler umfahren.
    Aber wenn ich einkaufen will muß ich schon für 1 Brot 2 Stunden einplanen.
    Die stehn schon an unserem Auto ich komm mir vor wie eine werbetafen von Myh...
    egal was für ein alter.
    Ich bin schon am verzweifeln was ich falsch mache.
    Wenn ich doch nur einen hätte der mal Hallo sagen würde das wär viel.
    Feste Freundinen sind mir aus der Zeit nur 2 geblieben aber die haben es in sich da kann ich glatt 4 von machen.
    Mein Mann nimmt immer reis aus wenn die beiden da sind er mag sie zwar sehr aber mit einem Weiberhaufen will er besser nichts zu tun haben.(Er fühlt sich dann ganz schön allein)

    Gruß
    Herbi
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